
Vergangene Woche trafen sich die CEOs von 30 führenden europäischen Anhängerherstellern in Koningshooikt bei Lier. Im Beisein der beiden Mitglieder des Europäischen Parlaments Kris Van Dijck (Belgien) und Jens Gieseke (Deutschland) unterzeichneten sie eine gemeinsame Erklärung und Petition. In dieser fordern sie die Europäische Kommission und das Europäische Parlament auf, die Verordnung (EU) 2024/1610 zu überprüfen und anzupassen.
Die Trailerhersteller, die sonst im harten Wettbewerb um dieselben Kunden und Aufträge stehen, fordern nun gemeinsam eine Überarbeitung des aktuellen Gesetzes. Zwar unterstützen die Unternehmen die Klimaziele der EU, warnen aber, dass die Regeln in ihrer jetzigen Ausgestaltung die CO₂-Emissionen eher erhöhen als senken könnten.
Simulierte Werte unrealistisch
Obwohl Anhänger selbst kein CO₂ ausstoßen, weitet die Verordnung (EU) 2024/1610 die CO₂-Vorgaben auf sie aus. Die Hersteller werden für simulierte Emissionen verantwortlich gemacht, die in Brüssel mithilfe des VECTO-Tools auf Basis standardisierter Referenzlasten und Fahrzyklen berechnet werden.
Die Unterzeichner argumentieren jedoch, dass diese Methodik die betrieblichen Realitäten des europäischen Straßentransports nicht abbildet, da sie die Vielfalt der Anhängereinsätze, die tatsächlichen Nutzlast- und Ladeanforderungen sowie den raschen Anstieg emissionsfreier Zugmaschinen nicht berücksichtigt.
Millionen-Strafzahlungen drohen
Ihre zentrale Warnung lautet: Um die Ziele zu erreichen, könnten Hersteller zu Konstruktionsänderungen gedrängt werden, welche die nutzbare Ladekapazität verringern würden. Die Folge wären mehr Fahrten, mehr Leerfahrten und mehr Fahrzeuge auf der Straße, um dieselbe Gütermenge zu transportieren – und damit mehr CO₂, nicht weniger. Ab 2030 würden die Hersteller jährlichen Strafzahlungen in Millionenhöhe ausgesetzt sein, wenn sie eine Überschreitungsprämie von 4.250 € je gCO₂/tkm über dem Zielwert, multipliziert mit jedem zugelassenen Fahrzeug, zahlen müssten. Rund 70.000 Arbeitsplätze in ganz Europa hängen von einer wirtschaftlich tragfähigen Anhängerindustrie ab.
Fünf Forderungen an die Politik
Die Petition enthält fünf Forderungen:
- Die Überprüfung nach Artikel 15 von 2027 auf 2026 vorziehen. Die Referenzwerte unmittelbar nach dem Monitoring veröffentlichen und die Flottenziele auf erreichbare Werte senken, zum Beispiel 5 Prozent ab 2030, schrittweise eingeführt.
- Die Flottenziele ab dem 1. Juli 2030 schrittweise einführen, um Marktverzerrungen und absehbare Arbeitsplatzverluste zu vermeiden.
- Ein Moratorium für Strafzahlungen einführen und die Höhe der Strafen anpassen, die in keinem Verhältnis zum Marktpreis der Fahrzeuge steht.
- Das VECTO-Tool für Anhänger grundlegend überarbeiten, damit Fahrzeuge mit vergleichbarem Einsatzzweck fair verglichen werden und der wachsende Anteil emissionsfreier Zugmaschinen berücksichtigt wird. Ziele und Abgaben sollten sich an der Marktdurchdringung emissionsfreier Zugmaschinen orientieren und vollständig entfallen, sobald diese einen Marktanteil von 70 Prozent erreichen.
- Anerkennen, dass das geplante Gutschrift-und-Lastschrift-System im aktuellen Zeitrahmen weitgehend wirkungslos ist, weil die notwendigen Anhängertechnologien nicht schnell genug in nennenswertem Umfang auf den Markt kommen können.
„Heute haben dreißig Wettbewerber ihre Rivalität beiseitegelegt, um Brüssel eine einzige Botschaft zu senden. Wir fordern nicht weniger Klimaschutz. Wir fordern Regeln, die Emissionen senken, statt Hersteller für eine fehlerhafte Simulation zu bestrafen. Die Überprüfung nach Artikel 15 muss vorgezogen werden – jeder Monat Verzögerung kostet Investitionen, Arbeitsplätze und Glaubwürdigkeit“, sagte Gero Schulze Isfort, Sprecher der Streitgemeinschaft von acht führenden deutschen Anhängerherstellern.
