Mehr als eine Messe: Select Congress setzt Impulse für den IAM

Beim Select Congress in Stuttgart diskutierte die Branche über KI, Nachwuchs und die Zukunft des freien Teilehandels. Im Interview: Stephan Westbrock und Dennis Christ.
Das Führungsduo der Select AG: Stephan Westbrock und Dennis Christ. Foto: Ingo Jagels / PSN

Rund 2000 Teilnehmende, zwei Tage, ein übergreifendes Motto: die Zukunft des Independent Aftermarkets. Beim Select Congress im Internationalen Congresscenter Stuttgart diskutierten Werkstattbetreiber, Lieferanten und Branchenexperten aktuelle Themen, vom Einsatz künstlicher Intelligenz in der Fahrzeugdiagnose bis hin zur Frage, wie die Branche junge Fachkräfte gewinnen kann.

Am Rande der Veranstaltung sprach die Redaktion Parts & Service News mit Stephan Westbrock, CEO der Select AG, und Dennis Christ, der seit Mitte 2025 als Chief Operating Officer (COO) der Teilehandelskooperation tätig ist, über die Entwicklung des Kongressformats, die Herausforderungen der Branche und die Zukunft des mittelständischen Teilehandels.

Der Select Congress findet nun schon zum achten Mal statt. Was macht das Format besonders?

Stephan Westbrock: Wir haben immer versucht, aktuelle Themen zu setzen, die die Werkstätten wirklich beschäftigen. Wenn wir auf die letzten Jahre schauen, sehen wir, dass viele Impulse tatsächlich aufgenommen wurden und die Betriebe Schritte nach vorne gemacht haben. Genau das ist unser Ziel. Eine Besonderheit ist zudem, dass wir hier nichts verkaufen. Auch unsere Lieferanten verkaufen hier nicht. Es geht um Kommunikation, um Innovationen und darum, sich in Ruhe auszutauschen. Das schätzen unsere Partner sehr. Werkstätten haben hier die Möglichkeit, mit den Menschen an den Ständen ins Gespräch zu kommen. Deshalb nennen wir das bewusst Kongress und nicht Messe. Die Messe machen wir seit 12 Jahren erfolgreich digital.

Wie hat sich das digitale Format entwickelt?

Stephan Westbrock: Zugegeben Es war sicherlich ein schwieriger Start. 2014 hatten wir 5.000 Besucher auf der digitalen Messe – aber nur 800 haben auch etwas gekauft. haben. Da kommt von den Lieferanten schon mal ein skeptisches Wort. Aber wir haben durchgehalten. Heute machen wir das zweimal im Jahr und haben im Schnitt 2.500 bis 3.000 kaufende Kunden pro Messe.

Dennis Christ: Die digitale Messe ist in der Tat für alle Beteiligten maximal effizient, das wird auch von den Lieferanten so widergespiegelt. Ich hatte gestern noch ein interessantes Gespräch darüber, wie teuer eigentlich die Messepräsenzen im Jahr sind – mit allem Aufwand, der damit verbunden ist. Unterm Strich gibt es sicherlich keine Werkstattmesse, die sich wirklich rechnet.

Rund 2.000 Teilnehmer zählte der Select Congress in Stuttgart. Foto: Ingo Jagels / PSN

Die großen Themen der Veranstaltung sind die KI und der Generationenwechsel. Wie kann die Select Werkstätten dabei unterstützen?

Stephan Westbrock: Einmal durch genau solche Veranstaltungen wie heute. Impulse setzen, Ängste nehmen. Ich glaube, beim Thema KI gibt es viel Skepsis, was ich aber für falsch halte. Man muss es einfach mal ausprobieren. Dabei kann man nichts falsch machen, man kann dabei nur lernen. Und die junge Generation wächst ohnehin mit diesen Technologien auf und geht ganz anders damit um – ohne Berührungsängste, schnell und selbstverständlich. Und wenn es um den Wechsel auf die nächste Generation geht, sind die Fakten klar. Es gibt weniger junge Menschen, die nachkommen, als Ältere, die gehen. Daher muss man sich wirklich um jeden Einzelnen bemühen. Ich bin der tiefen Überzeugung, dass man zuhören muss um zu verstehen, wie jemand motiviert werden kann. Das macht Führung aufwendiger – aber es ist alternativlos.

Dennis Christ: Es ist die Transparenz – diesen Megatrends die Magie zu nehmen und die Leute langsam abzuholen, so wie es hier heute auf unserem Kongress stattfindet. Es braucht erste Schritte, um den Zugang zu finden und Dinge nicht als Bedrohung zu sehen, sondern als Chance. Wenn die Hälfte der Werkstätten genau das mit nach Hause trägt, war das ein großer Erfolg.

Die Branche ist geprägt von Konsolidierung und Wettbewerb: Haben kleinere Großhändler noch eine Chance?

Dennis Christ: Das Bild hat sich tatsächlich total verändert. Vor 15 Jahren hieß es, die Konsolidierung werde dazu führen, dass unabhängige Mittelständler keine Daseinsberechtigung mehr haben. Das hat sich komplett gedreht. Wenn man die Entwicklung der großen Wettbewerber sieht, die sich immer weiter von den Werkstätten entfernen, immer anonymer werden – dann ist der Partner der Wahl plötzlich wieder der Mittelständler.

Stephan Westbrock: Und genau für diese Frage ist der Kongress eine gute Gelegenheit, die passenden Botschaften abzusetzen. Wir sprechen hier bewusst auch über die Temot Purchasing Community gesprochen. Mit Teilehändlern aus sechs Ländern und einem gebündelten Volumen von 1,35 Milliarden Euro agieren wir praktisch wie eine große Kooperation. Eine Werkstatt darf sich ruhig fragen, ob der regionale Großhändler noch die Konditionen, die sie braucht. Die Antwort ist: Ja! Weil dieser große Verbund genau das sichert, während die regionale Verbindung Flexibilität und Kundennähe garantiert.

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