Schont sportliches Fahren wirklich die E-Auto-Batterie?

Sportlich fahren oder zurückhaltend - was ist besser für die Traktionsbatterie? Im vergangenen Jahr gab es dazu einige verwirrende Aussagen. Der Diagnosespezialist Aviloo gibt eine eindeutige Antwort.
Symbol einer Ladestation für Elektroautos
Foto: Ingo Jagels / PSN

„Sportliches Fahrverhalten verlängert die Lebensdauer von Elektroauto-Batterien“ – das war die Schlagzeile, die im Sommer 2025 für Aufsehen sorgte. Als Grundlage für diese Behauptung diente die Studie „Dynamic Cycling Enhances Battery Lifetime“, die im Dezember 2024 in der Fachzeitschrift Nature Energy veröffentlicht wurde. Doch diese Interpretation der Studienergebnisse ist falsch – und kann für Besitzer von Elektroautos teuer werden. Darauf weist der österreichische Batterie-Diagnosespezialist Aviloo hin.

Die Studie selbst untersuchte Labortests mit konstantem Strom im Vergleich zu dynamischen Ladeprofilen, wie sie im täglichen Gebrauch auftreten. Das zentrale Ergebnis: Labortests überschätzen die Alterung von Batterien, weil reale Stromverläufe im Alltag variabler sind. Es ging also nicht um den Einfluss des Fahrstils auf die Batterie, sondern um die Unterschiede zwischen Testmethoden und realen Bedingungen.

Feldversuch mit 402 E-Autos

Um diesen weit verbreiteten Irrtum zu korrigieren, führte Aviloo eine groß angelegte Feldstudie mit 402 Elektrofahrzeugen durch. Die Ergebnisse sind eindeutig und widerlegen die Annahme, sportliches Fahren sei schonend für die Batterie. So liegt der Energieverbrauch bei moderatem Fahrverhalten zwischen 16 und 18 kWh pro 100 Kilometer, während ein sportlicher Fahrstil etwa 30 kWh pro 100 Kilometer verbraucht. Bei SUVs kommt zusätzlich ein Mehrverbrauch von bis zu 9 kWh pro 100 Kilometer hinzu. Ein höherer Verbrauch bedeutet mehr Ladezyklen – und damit eine schnellere Alterung der Batterie. Das Fazit der Studie lautet daher: Sportliches Fahren schont die Batterie nicht, sondern belastet sie zusätzlich.

Grafik: Aviloo

Ein aggressiver Fahrstil führt zu einem bis zu doppelt so hohen Energieverbrauch, deutlich mehr Ladezyklen und einer schnelleren Degradation der Batterie. Nikolaus Mayerhofer, CTO von Aviloo, erklärt: „Wie unsere Studie zeigt, spart ein moderates Fahrverhalten im Lebenszyklus eines Elektroautos etwa zehn Prozent Energieverbrauch ein. Das bedeutet, dass 100.000 Kilometer mit sportlichem Fahrstil in puncto Batteriealterung vergleichbar sind mit 110.000 Kilometern, die moderat gefahren werden.“

Sparsamer Fahrstil schont die Batterie

Für eine längere Lebensdauer der Batterie empfehlen die Experten von Aviloo einen gleichmäßigen, vorausschauenden und sparsamen Fahrstil. Zudem sollte die Vorkonditionierung des Fahrzeugs nur im angesteckten Zustand erfolgen. Lange Standzeiten mit einem Ladezustand von über 80 Prozent sind zu vermeiden, Schnellladen nur bei Bedarf zu nutzen und extreme Hitze oder Kälte beim Parken zu meiden.

Die Studie aus Nature Energy wurde in den Medien also falsch interpretiert. Sportliches Fahren verlängert die Batterielebensdauer nicht – im Gegenteil: Wer mehr Energie verbraucht, strapaziert die Batterie stärker. Effizientes Fahren bedeutet daher nicht nur Energie und Kosten zu sparen, sondern auch die Batterie zu schonen.

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