Stellantis öffnet China die Tür nach Europa

Der französische Konzern gründet ein Jointventure mit Leapmotor und will auch mit dessen Konkurrent Dongfeng eng zusammenarbeiten. Künftig sollen Stellantis-EV-Fahrzeuge auf chinesischer Technik basieren.
Auf der Beijing Auto Show präsentiert Leapmotor sein Fahrzeugangebot.
Foto: Stellantis

Stellantis baut seine Partnerschaft mit dem chinesischen Elektroautohersteller Leapmotor massiv aus. Damit verfolgt der Konzern eine Strategie, die ihm kurzfristig dabei helfen soll, Marktanteile im EV-Segment zurückzugewinnen. Langfristig drohen jedoch Abhängigkeit vom chinesischen Partner und direkte Konkurrenz.

Neue Fahrzeuge auf Leapmotor-Basis

Wie Stellantis in einer Pressemitteilung bekannt gab, will das Unternehmen gemeinsam mit dem chinesischen Leapmotor-Konzern neue Elektrofahrzeuge für Europa entwickeln und produzieren.
Das neue elektrische Opel-SUV im C-Segment (Kompaktwagen) soll zwar in Rüsselsheim gestaltet und mitentwickelt werden, es wird jedoch die Technik und zentrale Komponenten wie Batterie, Motor und Wechselrichter von Leapmotor nutzen. Produziert werden soll das Fahrzeug ab 2028 im spanischen Werk Saragossa. Gleichzeitig will Stellantis chinesische Lieferketten, Plattformen und Einkaufsnetzwerke stärker integrieren, um Entwicklungszeiten zu verkürzen und günstigere Elektroautos anbieten zu können.

Jointventure mit Dongfeng

Leapmotor setzt auf Skaleneffekte und will seine Technik über Stellantis nach Europa bringen
Foto: Stellantis

Als ob das nicht genug wäre, bahnt der Konzern auch eine weitere Entwicklungs- und Produktionszusammenarbeit mit dem chinesischen Hersteller Dongfeng an. Das Joint Venture soll in Europa ansässig sein und mit einer Beteiligungsquote von 51:49 zugunsten von Stellantis geführt werden.

Das Ziel besteht darin, ein Unternehmen für den Verkauf, den Vertrieb, die Produktion, den Einkauf und das Engineering von Dongfeng-Fahrzeugen mit alternativen Antrieben (sogenannte „NEVs“) zu gründen. Der Fokus soll dabei zunächst auf dem europäischen Markt liegen.

Die beiden Partner planen, ein neues Unternehmen für den Vertrieb der Premiumfahrzeuge der chinesischen Marke Voyah von Dongfeng zu gründen. Auch hier soll der Fokus der Aktivitäten auf Europa liegen.
Gleichzeitig soll das starke Werkstattnetz sowie die After-Sales-Expertise von Stellantis mit in das gemeinsame Vorhaben einfließen. Zudem wollen die beiden Unternehmen ihre Einkaufs- und Engineering-Aktivitäten bündeln und dabei auf das äußerst wettbewerbsfähige, chinesische EV-Ökosystem von Dongfeng zurückgreifen.

Opel droht zur Vertriebsmarke zu werden

Einst war Opel eine stolze deutsche Marke, die technisch führend war. Modelle wie Kapitän, Admiral und Diplomat prägten die Oberklasse in der Nachkriegszeit, während Kadett, Rekord und Manta für bezahlbare Mobilität standen. Seit der Übernahme von Opel durch den Stellantis-Konzern im Jahr 2021 wird der Einfluss des Konzerns auf die altehrwürdige Marke immer stärker: Die Franzosen setzen auf Plattformen und Skaleneffekte. Die Markendifferenzierung erfolgt nur noch über Design und Vertrieb.

Durch die Bindung und Kooperation mit Leapmotor könnte sich dieser Trend weiter verstärken. Wenn die eigentliche technologische Wertschöpfung aus China kommt, steht nichts Geringeres auf dem Spiel als die industrielle Eigenständigkeit europäischer Automobilhersteller.

Technologische Abhängigkeit droht

Besonders kritisch ist die entstehende technologische Abhängigkeit. Sind Opel und andere Stellantis-Marken künftig auf chinesische Plattformen, Batterien und Software angewiesen, bedeutet das einen schrittweisen Kontrollverlust über zentrale Fahrzeugtechnologien.

Mit dieser Strategie heizt Stellantis zudem den Preiskampf im europäischen Elektroautomarkt weiter an. Durch chinesische Kostenstrukturen sollen günstigere E-Autos entstehen. Das stärkt zwar kurzfristig die Wettbewerbsfähigkeit, langfristig drohen jedoch sinkende Margen, wachsender Druck auf europäische Zulieferer und eine schleichende Verdrängung europäischer Technologie. Besonders brisant ist, dass Leapmotor eines Tages mit eigenen Modellen direkt gegen Opel, Peugeot oder Citroën antreten könnte – mit genau dem Wissen und den Zugängen, die Stellantis heute bereitstellt.

Stellantis unter Druck

Erst Anfang des Jahres trennte sich Steallntis von seinem Batteriewerk in den USA
Foto: Stellantis

Auch politisch bewegt sich der Konzern auf dünnem Eis. Während in Europa über Strafzölle auf chinesische Elektroautos und den Schutz der eigenen Industrie diskutiert wird, setzt Stellantis zunehmend auf chinesische Technologie, die jedoch in Europa produziert und als „Made in Europe“ vermarktet werden soll. Gleichzeitig hat sich der Konzern Anfang des Jahres von seinem Batteriewerk in den USA getrennt und die Planungen für eine Zellfertigung in Kaiserslautern abgesagt. Auf Batterieebene steht das Unternehmen derzeit schlecht da, was den Druck auf die EV-Sparte weiter erhöht.

Mit der aktuellen Situation steht Stellantis jedoch nicht alleine da. Fast alle europäischen Hersteller hinken im Elektroautomarkt hinterher. Chinesische Unternehmen gelten bei Batterien, Software und Entwicklungsgeschwindigkeit derzeit als überlegen. Durch Subventionen der chinesischen Regierung können sie Batterien zu Preisen produzieren, mit denen Europa nicht konkurrieren kann. Zudem besitzen sie Zugang zu wichtigen Rohstoffvorkommen wie Lithium, Graphit, Nickel und Kobalt, die für die Fertigung von Traktionsbatterien benötigt werden.

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