
Der Wandel der Mobilität verändert auch das Thermomanagement grundlegend. Während das Geschäft mit klassischen Antrieben weiterhin wichtig bleibt, gewinnen Elektrifizierung und die Nähe zum Aftermarket zunehmend an Bedeutung. Im Interview erläutert Holger Kiebel, Geschäftsführer der der Thermal Management Solutions DE, wie Wahler diesen Wandel gestaltet, welche Herausforderungen sich daraus ergeben und welche Chancen sich für das Unternehmen eröffnen.
Wie gelingt Ihnen der Spagat zwischen dem weiterhin profitablen Geschäft mit Verbrennungsmotoren und den notwendigen Investitionen in die Elektromobilität?
Holger Kiebel: Wir sehen darin kein Entweder-oder, sondern eine parallele Weiterentwicklung unseres Geschäfts. Das Geschäft mit klassischen Antrieben bleibt wichtig und bildet zugleich eine stabile Basis, um unsere langjährige Kompetenz im Thermomanagementauf neue Anwendungen zu übertragen. Denn auch Hybridfahrzeuge, Range-Extender-Konzepte sowie Batteriesysteme benötigen eine präzise und zuverlässige Temperaturregelung. Gleichzeitig stellen wir unser Geschäft breiter auf, unter anderem in den Bereichen Nutzfahrzeuge, Industrie, Off-Highway und Spezialanwendungen. Diese breitere Aufstellung reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Märkten und unterstützt uns dabei, neue Technologien und Anwendungsfelder gezielt weiterzuentwickeln.
Das Thermomanagement hat sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich verändert – vom „einfachen“ Thermostat zum kompletten Thermomanagement-Modul. Welche Herausforderungen bringt das für das Unternehmen und das Personal mit sich?
Holger Kiebel: Die zunehmende Komplexität im Thermomanagement ist für uns eine große Chance, stellt aber zugleich höhere Anforderungen an Entwicklung und Organisation. Heute wirken mechanische und elektronische Komponenten immer enger zusammen, während Temperaturfenster präziser und die Systeme insgesamt anspruchsvoller werden. Dadurch gewinnen Systemverständnis, Validierung und die enge Zusammenarbeit zwischen Entwicklung, Produktion und Qualitätssicherung weiter an Bedeutung. Wahler konzentriert sich dabeibewusst auf seine Kernkompetenz: technisch anspruchsvolle, robuste und präzise Lösungen im Thermomanagement. Unsere langjährige OE-Erfahrung hilft uns, auch für neue Anwendungen Lösungen zu entwickeln, die möglichst zuverlässig, langlebig und effizient sind.
Über die Thermal Management Solutions bieten Sie Ihre Produkte nun direkt im Aftermarket an. Wie verändert der Kundenkontakt beziehungsweise das Feedback aus dem Aftermarket Ihre strategischen Entscheidungen, etwa bei der Produktentwicklung,dem Service oder der Innovation?
Holger Kiebel: Die neue Struktur bringt uns näher an den Markt und ermöglicht eine noch engere Zusammenarbeit mit unseren Distributions- und Systempartnern. TMS verantwortet nun wieder unmittelbar das Produktmanagement, den technischen Support, die Portfoliostrategieund die Marktkommunikation. Dadurch erhalten wir schneller Rückmeldungen zu Produktanforderungen, Verfügbarkeit und technischem Unterstützungsbedarf. Dieses Feedback kann gezielter in die Portfolioplanung, technische Informationen und Serviceangebote einfließenund beispielsweise dazu beitragen, unnötige Teilewechsel und NFF-Retouren zu reduzieren.

