Topdon One Plus im Praxis-Check

Nicht nur der Fahrzeugmarkt, sondern auch der Diagnosemarkt verändert sich und entwickelt sich weiter. Wir konnten das Flaggschiff des jungen Diagnoseunternehmens Topdon im Werkstattalltag testen.

Der erste Eindruck

Diagnosegeräte im Tabletformat verdrängen allmählich die PC-gestützten Formate. So fiel auch bei Topdon die Entscheidung, das One Plus als 10-Zoll-Tablet zu entwickeln. Die Diagnoselösung ist damit immer dort zur Hand, wo sie in der Werkstatt gebraucht wird – egal, ob hinter dem Lenkrad zum Auslesen des Fehlerspeichers oder direkt am Motor, um die Echtzeitdaten mit der Realität abzugleichen.

Das dick gummierte Gerät liegt gut in der Hand und ist mit knapp 1,6 kg gut zu handhaben. Der Gummimantel, der das Innenleben vor Stürzen auf den harten Werkstattboden schützen soll, ist mit einem groben Profil versehen, sodass das Gerät auch mit Handschuhen gut und sicher gehalten werden kann.

Die Materialanmutung ist hochwertig: gehärtetes Glas auf der Vorderseite und blau eloxiertes Aluminium auf der Rückseite. In das Design der Rückseite ist ebenfalls eine ausklappbare Stütze integriert, mit der sich das Gerät zur besseren Ablesbarkeit auch stehend positionieren lässt. Eine in die Gummierung eingelassene Kamera ermöglicht neben der Dokumentation von Schäden oder Reparaturen auch das bildbasierte Auslesen der Fahrgestellnummer und erleichtert dem Mechatroniker somit die tägliche Arbeit, da Vertipper bei den 17-stelligen FINs vermieden werden.

Laut Hersteller arbeitet im Inneren ein Android-basiertes System. Ein 8-Kern-Prozessor mit 4 GB Arbeitsspeicher ermöglichen schnelles und ruckelfreies Arbeiten, während der 10.000 mAh große Akku für lange Laufzeiten ohne Nachladen sorgt.

Auch der OBD-Token ist im gleichen Designstil gehalten. Außen ein grobes Profil, hier aus Hartkunststoff gefertigt, innen blaues Aluminiumblech. Drei LEDs signalisieren den aktuellen Status. Zudem gibt es die Möglichkeit, den OBD-Adapter direkt via USB-C anzubinden, sollte eine Funkverbindung nicht möglich sein.

Der Lieferumfang

Neben dem Tablet und dem OBD-Adapter enthält der Lieferumfang einen praktischen und robusten Werkstattkoffer mit reich befüllten Zubehörfächern.

Diese enthalten neben einer Bedienungsanleitung auch ein OBD-Verlängerungskabel, ein DOIP-Adapter und ein Battery-Analyse-Tool, welches ebenfalls drahtlos mit dem Tablet kommuniziert. Darüber hinaus sind ein Netzadapter, ein Netzteil und mehrere USB-C-Kabel enthalten.

Fehlerdiagnose

Das Wichtigste, das ein Diagnosegerät können sollte, ist, Fehler aus einem Fahrzeug auszulesen, ihnen den korrekte Fehlercode zuzuordnen und sie bei Bedarf zu löschen. Wir konnten dies an einem Kundenfahrzeug in einer Partnerwerkstatt ausprobieren. Die Bedienoberfläche ist einfach gehalten und gut bedienbar. Die Darstellung kann je nach Wunsch und Ausleistungsform (nach Auftreten, Steuergerät oder Zuordnungsbaum) ausgewählt werden, um eine gezielte Suche zu ermöglichen.

Das Auslesen und die Kommunikation mit dem Fahrzeug klappten einwandfrei, ohne dass zusätzliche Konfigurationen durch den Nutzer erforderlich waren. Die FIN zur Fahrzeugauswahl kann entweder eingetippt, abfotografiert oder ausgelesen werden. Alternativ steht auch ein Auswahlkatalog nach Hersteller/Modell bereit.

Während sich Fehler, Echtzeitwerte und Wartungen (wie das Anlernen einer neuen Batterie, das Zurückstellen einer EPB oder das Anlernen eines Fensterhebers ) sehr einfach und intuitiv gestalten, sind in den unteren Menüs nicht mehr alle Textinformationen sauber übersetzt. Mit Englischkenntnissen und ein wenig Erfahrung im Bereich der Diagnose, fällt dieser Aspekt jedoch nicht allzu schwer ins Gewicht.

Über das „Kaufhaus”-Icon können Remote-Codierungen und zusätzliche Dienstleistungen des Anbieters gegen Aufpreis (In-App-Zahlung) hinzugegebucht werden – für die normale Diagnose und Wartung von Fahrzeugen ist dies jedoch nicht notwendig.

Unser Fazit

Das im Jahr 2017 gegründete Autodiagnose-Unternehmen Topdon bringt mit dem OnePlus ein leistungsstarkes Diagnosegerät auf den Markt. Es ist hierzulande ab 1.299 Euro (UVP des Herstellers) erhältlich. Dafür erhält die Werkstatt ein Diagnosetablet, das sich mit seinen Leistungsdaten und seiner Bedienung im Alltag nicht verstecken muss. Die Kommunikation mit den von uns getesteten Fahrzeugen verlief schnell und ohne Probleme. FIN-Nummern konnten in allen Fällen via OBD ausgelesen werden. Das Gerät macht nicht nur einen robusten Eindruck, sondern überstand auch einen Sturz aus senkrechter Position von der Werkbank unbeschadet. Wer mit kleineren Makeln in der Übersetzung leben kann, erhält hier viel Diagnosetechnik zum kleinen Preis. Die meisten Benutzer werden sich mit dem Android-Unterbau (Bilder teilen, Screenshots aufnehmen, Helligkeit verändern) schnell zurechtfinden, sodass auch ungeübte Kräfte einen leichten Einstieg haben. Mit Features wie DOIP-Diagnose und Remote-Codierung ist das Gerät auch für künftige Fahrzeuggenerationen gut aufgestellt. Das umfangreiche Zubehör rundet das Paket ab.

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