„Balance ist alles“ – Maxxis-Chef Versteeg über TÜV-Siegel und Reifenentwicklung

Der Victra Sport 6 von Maxxis wurde mit dem TÜV-Premium-Siegel ausgezeichnet. Im Gespräch erläutert Europa-Geschäftsführer Rudy Versteeg, warum unabhängige Zertifizierungen wichtig sind und welche Zielkonflikte die Entwicklung moderner UHP-Reifen prägen.
Rudy Versteeg ist Managing Director des Maxxis Tech Center Europe BV.

Seit 20 Jahren ist Maxxis in Europa aktiv und hat sich vom reinen Aftermarket-Anbieter hin zum Original-Equipment-Partner (OE) namhafter Fahrzeughersteller entwickelt. Auf der diesjährigen Tire Cologne feiert das Unternehmen die Auszeichnung seines Reifen „Victra Sport 6“ mit dem wichtigen TÜV Süd Premium-Siegel. Wir haben mit Rudy Versteeg, Managing Director Europa, über die spezifischen Herausforderungen des Reifensiegels und der Entwicklungsziele gesprochen.

Der Victra Sport 6 ist erst seit etwa einem Jahr auf dem Markt und hat bereits die Zertifizierung als  „TÜV Premium Reifen“  erhalten. Welche technischen Eigenschaften waren ausschlaggebend für diesen Erfolg und wie lange dauert der vollständige Zertifizierungs- und Prüfprozess beim TÜV üblicherweise?

Rudy Versteeg: Bereits in der Entwicklung orientierten wir uns mit klar definierten Leistungszielen am europäischen Premiumsegment. Besonderes Augenmerk lag auf der Balance zwischen Nassperformance und präzisem Trockenhandling sowie auf starken Brems- und Handlingeigenschaften. Das sind entscheidende Kriterien im TÜV-Bewertungsverfahren.

Vor der TÜV-Zertifizierung absolvierte der Reifen ein zweimonatiges internes Testprogramm in China und Europa. Anschließend folgte das etwa zweimonatige TÜV-Prüfverfahren, sodass der gesamte Validierungs- und Zertifizierungsprozess rund vier Monate dauerte.

Auf der Tire Cologne präsentierte Rudy Versteeg die Auszeichnung durch das TÜV Premium Siegel. Foto: PSN / Baeumer

Welche strategische Bedeutung hat diese Auszeichnung für Ihr Unternehmen? Betrachten Sie sie vorwiegend als Stärkung der Marke bzw. des Images des Victra Sport 6? Oder sehen Sie sie auch als technologischen Maßstab für zukünftige Produkte?

Rudy Versteeg: Das TÜV-Premium-Siegel hat für uns sowohl strategische als auch technische Bedeutung. Es bestätigt unabhängig die Leistungsfähigkeit des Victra Sport 6 und zeigt, dass er mit etablierten Premiummarken konkurrieren kann. Gleichzeitig dient die Zertifizierung als wichtiger Benchmark für die Produktentwicklung, da die Prüfkriterien und Vergleichsdaten wertvolle Impulse für die kontinuierliche Verbesserung künftiger Reifengenerationen liefern. Damit ist das Siegel sowohl ein starkes Vertrauenssignal für Kunden als auch ein technologischer Maßstab für unsere Weiterentwicklung im Premiumsegment.

Welche Bedeutung haben unabhängige Auszeichnungen heute für die Kaufentscheidung der Kunden – insbesondere im Vergleich zu Online-Bewertungen oder Reifentests von Organisationen wie dem ADAC?

Rudy Versteeg: Das TÜV-Premium-Siegel ist eine wichtige Orientierungshilfe für Kunden, die Wert auf objektive und unabhängig geprüfte Leistungsnachweise legen. Dank standardisierter Prüfverfahren bietet es eine transparente und verlässliche Bewertung der Produktleistung.

Ebenso wichtig sind jedoch unabhängige Vergleichstests von Organisationen und Fachmedien wie dem ADAC, da sie Reifen unter praxisnahen Bedingungen bewerten und einen direkten Marktvergleich ermöglichen. Ergänzt werden diese Informationen durch die Erfahrungen der Kunden im täglichen Einsatz.

Aus unserer Sicht ergänzen sich diese Quellen gegenseitig: Während die TÜV-Zertifizierung einen klaren technischen Benchmark setzt, liefern Vergleichstests und Kundenfeedback zusätzliche Einblicke in die Leistung unter realen Bedingungen. Maxxis setzt daher gleichermaßen auf unabhängige Zertifizierungen, starke Testergebnisse und positive Kundenerfahrungen.

Der Reifenmarkt ist hart umkämpft. Auf welche wesentlichen Entwicklungsziele haben Sie sich beim Victra Sport 6 konzentriert? Der Vorgänger, der Victra 5, schnitt im ADAC-Test bereits sehr gut ab, wenngleich es leichte Schwächen bei der Geräuschentwicklung gab.

Rudy Versteeg: Die Entwicklung des Victra Sport 6 hatte das Ziel, die Leistung gegenüber dem Vorgängermodell weiter zu steigern und den Reifen im europäischen UHP-Segment noch wettbewerbsfähiger zu machen. Im Fokus stand dabei eine ausgewogene Verbesserung aller wesentlichen Eigenschaften – von Nass- und Trockenhandling über Rollwiderstand und Haltbarkeit bis hin zur Geräuschentwicklung.

Anstatt einzelne Kriterien isoliert zu optimieren, lag der Schwerpunkt auf einer harmonischen Gesamtperformance. Premium-Referenzreifen dienten während des gesamten Entwicklungsprozesses als Benchmark, um die Leistungsziele konsequent an den Standards führender Wettbewerber auszurichten. Darüber hinaus wurde der Victra Sport 6 speziell auf die Anforderungen und Fahrbedingungen des europäischen Marktes abgestimmt. So konnte sichergestellt werden, dass der Reifen nicht nur in Tests, sondern auch im realen Alltagseinsatz eine konstant hohe Leistung bietet.

Alan Lou bei Maxxis nahm das Siegel von Micheal Stamm, TÜV SÜD, entgegen. Foto: Simon Bäumer / PSN

Gab es während der Entwicklung besondere Herausforderungen oder Zielkonflikte, beispielsweise im Hinblick auf Partikelemissionen im Zusammenhang mit der Euro-7-Norm oder bei anderen Aspekten wie der Geräuschentwicklung?

Rudy Versteeg: Die Entwicklung eines UHP-Reifens wie des Victra Sport 6 erfordert die sorgfältige Balance verschiedener, teils gegenläufiger Leistungsmerkmale. Zu den größten Herausforderungen zählen die Optimierung von Nasshaftung, Trockenhandling, Rollwiderstand und Verschleiß, ohne dass Verbesserungen in einem Bereich Nachteile in einem anderen verursachen.

Beim Victra Sport 6 lag der Fokus daher auf einer ausgewogenen Gesamtperformance. Besonderes Augenmerk galt zudem dem Geräuschverhalten, da Profil- und Rillendesign sowohl die Lautstärke als auch Wasserverdrängung, Grip und Fahrstabilität beeinflussen. Ziel war es, das Geräuschniveau zu reduzieren und gleichzeitig ein hohes Maß an Sicherheit und Fahrdynamik zu gewährleisten – durch eine präzise Abstimmung von Profildesign, Gummimischung und Reifenkonstruktion.

Zusätzliche Herausforderungen entstehen durch neue Vorgaben wie die Euro-7-Regulierung, die künftig auch den Reifenabrieb berücksichtigt. Ziel war es, diese Anforderungen frühzeitig zu integrieren, ohne Kompromisse bei Leistung, Sicherheit oder Effizienz einzugehen. Die zentrale Aufgabe bestand darin, alle technischen und regulatorischen Anforderungen in einem ausgewogenen Gesamtkonzept zu vereinen, das den Ansprüchen des europäischen UHP-Segments gerecht wird.

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