VW-Vorstand plant Produktionsende an vier deutschen Standorten

Nach übereinstimmenden Medienberichten hat der VW-Vorstand ein Transformationskonzept für den Konzern mit konkreten Produktionsenden für vier deutsche Standorte einstimmig beschlossen.
Die Produktion im VW Werk in Zwickau könnte 2031 auslaufen. Foto: Volkswagen

Der Kampf um die ehemalige Vorzeigeindustrie Deutschlands wird immer rauer. Während die Arbeitnehmer von Volkswagen um ihre persönliche Zukunft bangen, stellt sich der Vorstand des Autobauers die Frage, wie das Unternehmen in einem neuen Markt mit neuen Konkurrenten – maßgeblich aus China – auf gesunde Beine gestellt werden kann.

Reuters bestätigt den Bericht der WirtschaftsWoche über das entsprechende interne Papier. Demnach könnte die Produktion in Emden und Zwickau im Jahr 2031, bei Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover im Jahr 2032 und bei Audi in Neckarsulm im Jahr 2034 enden.

Noch keine finale Entscheidung

Der Vorstandsbeschluss beziehungsweise das Vorstandskonzept stellen noch keine abschließende, offiziell bestätigte Entscheidung des Aufsichtsrats über die Werke dar. Volkswagen selbst kommentiert das interne Dokument weiterhin nicht und verweist auf die Beratungen der zuständigen Gremien. Der Aufsichtsrat soll sich am kommenden Freitag, dem 4. September 2026, damit befassen.

Brisant ist jedoch die Vorgehensweise: Während eine Werksschließung die Zustimmung des Aufsichtsrats erfordert, ist das „Leerlaufen” eines Werkes durch fehlende Folgeaufträge nach Auslegung der VW-Satzung durch den Vorstand davon nicht betroffen.

Eine Zustimmung des Aufsichtsrats zu den Werksschließungen gilt dabei als unwahrscheinlich. Der Aufsichtsrat setzt sich aus den Eigentümerfamilien Piëch und Porsche sowie Arbeitnehmervertretern wie der IG Metall, der Betriebsratsvorsitzenden und dem Land Niedersachsen (als Vertreter der Politik) zusammen.

Der geplante Schachzug des Vorstands, den Werken durch das Entziehen ihrer wirtschaftlichen Basis das Aus zu erzwingen, zeigt, wie angespannt die Lage bei VW ist. Betriebsrat und IG Metall kündigen bereits massiven Widerstand gegen das Vorgehen an.

Zu viele Werke, zu schlechte Auslastung

Im Jahr 2025 produzierte der Volkswagen-Konzern in Deutschland 1,789 Millionen Fahrzeuge in zehn Fahrzeugwerken. Entsprechend ergibt sich ein rechnerischer Ausstoß von 179.000 Fahrzeugen pro Werk und Jahr. In dieser Betrachtung sind die Komponentenwerke Salzgitter, Kassel und Braunschweig nicht inbegriffen, da sie Komponenten für alle Werke des Unternehmens herstellen.

Um Werke wirklich tragfähig auszulasten, sind riesige Stückzahlen wichtig, um die Kosten pro Fahrzeug senken. Im globalen Maßstab haben sich Auslastungen von 250.000 bis 300.000 Fahrzeugen pro Werk und Jahr als wirtschaftlich starke Basis etabliert (z. B. Toyota, Stellantis). So lassen sich auch teure Bereiche wie Lackierereien und der Karosseriebau gut auslasten und rechtfertigen hohe notwendige Investitionen. Rechnet man dies auf Volkswagen Deutschland herunter, ergibt sich rechnerisch ein Bedarf von 7 bis 8 Werken – also die Zahl, die der Vorstand als Schrumpfkur für das Unternehmen geplant hat.

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