
Der Automobilzulieferer Aumovio setzt seine strategische Konsolidierung in Europa fort und plant den Verkauf zweier Produktionsstandorte in Deutschland und Belgien. Ziel des Unternehmens ist es, die Fertigungsstruktur an veränderte Marktbedingungen anzupassen und das Kerngeschäft zu stärken.
Für den Standort Rheinböllen in Rheinland-Pfalz wurde eine Vereinbarung mit der neu gegründeten RHB-Industries getroffen, hinter der die Transformationsberatung Falkensteg steht. Die Transaktion umfasst die gesamte Produktion, Forschung und Entwicklung sowie alle rund 320 Beschäftigten. Auch sämtliche Geschäftsaktivitäten am Standort sollen übergehen. Der Abschluss wird vorbehaltlich üblicher Genehmigungen für Mitte des Jahres erwartet.
Neue Geschäftsfelder
In Rheinböllen produziert Aumovio unter anderem Bremssättel und elektrische Parkbremsen, zudem werden dort autonome mobile Roboter entwickelt und gefertigt. Der neue Eigentümer plant, den Standort zunächst über Auftragsfertigung im Bremsenbereich zu stabilisieren. Perspektivisch sollen zusätzliche Geschäftsfelder erschlossen werden, etwa in den Bereichen Verteidigung, bremsennahe Anwendungen, Robotik oder Prozessindustrie. Für den Robotikbereich wird zudem ein strategischer Investor gesucht.
Parallel dazu veräußert Aumovio seinen belgischen Standort Mechelen an die Dumarey Group, ein familiengeführtes Industrieunternehmen mit Fokus auf Antriebssysteme und industrielle Anwendungen. Auch hier ist vorgesehen, dass neben dem Werk auch die rund 300 Mitarbeitenden übernommen werden, während die Kundenbeziehungen bei Aumovio verbleiben. Die Produktion bestehender Komponenten soll für eine Übergangszeit fortgeführt werden, bevor sie schrittweise an andere Standorte verlagert wird.

Das 1971 gegründete Werk in Mechelen produziert unter anderem Magnetventile, hydraulische und elektronische Steuergeräte sowie Raddrehzahlsensoren für die Automobilindustrie. Die Transaktion unterliegt noch der in Belgien vorgeschriebenen Informations- und Konsultationsphase sowie behördlichen Genehmigungen.
Hintergrund beider Verkäufe ist die strategische Neuausrichtung von Aumovio in einem herausfordernden Marktumfeld. Sinkende Produktionsvolumina und anhaltender Preisdruck in der europäischen Automobilindustrie erfordern eine Anpassung der Kapazitäten, heißt es aus dem Unternehmen. Der Zulieferer will seine globale Fertigungsstruktur effizienter gestalten und Investitionen gezielter auf wachstumsstarke Technologien und Produkte lenken.
Konzentration auf wettbewerbsfähige Bereiche
Laut Aumovio-CEO Philipp von Hirschheydt wolle sich Unternehmen stärker auf wettbewerbsfähige Geschäftsbereiche konzentrieren, die Effizienz steigern und gleichzeitig Perspektiven für die betroffenen Standorte und Beschäftigten sichern. „Mit dem Verkauf fokussieren wir uns auf Geschäft, das langfristig wettbewerbsfähig ist. Wir stärken unser Kerngeschäft und gestalten unser operatives Geschäft effizienter“, unterstreicht von Hirschheydt.

