Forvia verkauft Innenraumgeschäft an Apollo

Der französische Foriva Konzern trennt sich von seinem Innenraumgeschäft. Käufer ist der Finanzinvestor Apollo.
Foto: Foriva

2022 entstand aus der Übernahme von Hella durch den französischen Zulieferer Faurecia die heutige Forvia. Nun veräußert der Konzern sein Geschäft mit Armaturenbrettern, Mittelkonsolen und  Innenraumverkleidungen. Der Kaufpreis liegt bei 1,82 Milliarden Euro.

Der Abstoß der Geschäftseinheit Interieur ist Teil der neuen Unternehmensstrategie „Ignite“: Künftig will man sich auf margenstarke Produkte und Dienstleistungen konzentrieren, als Ziel nennt Forvia eine Marge von durchschnittlich sieben Prozent.

Das Geschäft mit Innenraumkomponenten

Innerhalb der Zulieferindustrie war Forvia Interiors mit rund 13 Prozent globalem Marktanteil Marktführer auf dem Gebiet der Innenraumkomponenten. Innerhalb des Konzerns machte das Geschäft rund 18 % des Umsatzes aus. Jedoch steht das Geschäft vor strukturellen Herausforderungen: Mit 59 Produktionsstätten und 8 Forschungs- und Entwicklungszentren in 19 Ländern und mehr als 31.000 Mitarbeitern weltweit ist es nicht nur sehr personal- und damit kostenintensiv aufgestellt, sondern bindet auch rund 4 % der gesamten jährlichen Investitionen von Forvia – Werkzeuge und neue Fertigungsstraßen sind teuer, der Wettbewerb hoch, starke Margen kaum durchsetzbar. Zudem gilt das Geschäft als deutlich weniger innovativ als die andere Sparten des Unternehmen.

Nettoverschuldung soll um eine Milliarde reduziert werden

Neben dem Verkauf des einst wichtigen Geschäftsbereichs zielt auch eine umfassende Restrukturierung und Kosteneinsparung darauf ab, den Konzern finanziell wieder auf ein gesundes Fundament zu stellen. Lag die Verschuldung in den Jahren 2022noch dreimal so hoch wie der erzielte Gewinn vor Steuern (EBITA), so erreichte man 2025 bereits eine Reduzierung auf Faktor 1,71. Für das Jahr 2026 rechnet man, nach Abschluss der Transaktion, mit einer Schuldenquote von 1,5.
Durch den hohen Verkaufserlös von 1,82 Milliarden Euro will das Unternehmen seine eigenen Schulden reduzieren – geplant ist eine Netto-Reduzierung um mindestens eine Milliarde Euro, zudem reduziert sich die jährliche Zinslast um 50 bis 70 Millionen, was für weitere Spielräume sorgt.

Wachstum bei Sitzen und Elektronik geplant

Während das Interior-Geschäft an den US-Investor Apollo geht, der bereits aus zahlreichen Übernahmen im Automobilbereich der vergangenen Jahre bekannt ist, hat das Unternehmen zwei Geschäftsbereiche zu zukünftigen Wachstumsfeldern erkoren. Viel Potenzial erhofft man sich im Bereich der Sitze, die durch integrierte Airbags, Heizungen, Massagefunktionen, Lüftung und Klimatisierung immer teurer (und damit margenstärker) werden, sowie den Bereich Elektronik. Hier bietet sich vor allem das hohe Potenzial, vom KI-Hype zu profitieren und innovative Produkte zu entwickeln.

Aftermarket-Bereich ist „Value-Asset“

Die ebenfalls wichtige Aftermarket-Sparte ordnet der Konzern als „value“ (werthaltig) ein, ebenso das Geschäft mit Leuchten und die Infotainmentlösungen der Spalte Clarion. In diesen Segmenten verspricht man sich mittelfristig gute Renditen  durch margenstarke Produkte, insbesondere solche, die man selbst aus der Serie in den Aftermarket überführen kann.

Bleiben Sie immer einen Schritt voraus: Mit dem Newsletter von Parts & Service News erhalten Sie exklusive Branchen-Insights, aktuelle Marktentwicklungen und praxisnahe Tipps – einmal die Woche direkt in Ihr Postfach. Unter diesem Link jetzt kostenlos abonnieren!

Teile diesen Beitrag auf LinkedIn