
Foto: PSN
Der Hinterradantrieb bietet gegenüber dem Vorderrad einige Vorteile wie eine bessere Gewichtsverteilung, kleinerer Wendekreis und keine Entlastung der Antriebsachse während der Beschleunigung. Doch dafür ist der Antriebsstrang komplexer aufgebaut und teurer – Komponenten wie die Kardan- oder Gleichlaufwelle gibt es bei Fronttrieblern schlichtweg nicht.
Funktion des Mittellagers
Die Kardanwelle (bei moderneren Fahrzeugen auch als Gleichlaufwelle ausgeführt) überträgt die Antriebsleistung vom Getriebe zum Hinterachsdifferential. Um den Federbewegungen der Hinterachse folgen zu können, sind die Wellen zweiteilig ausgeführt, ein mittiges Zapfenkreuzgelenk ermöglicht Kraftübertragung auch bei Federbewegungen der Hinterachse.
Um die Welle zu führen und ihr Gewicht abzufangen, befindet sich kurz vor dem Kreuzgelenk das sogenannte Mittellager.
Dabei handelt es sich um ein einreihiges Rillenkugellager, dass in einem Elastomerträger flexibel aufgehängt ist und mittels eines Bügels mit der Karosserie verbunden ist. So kann die Welle leicht und reibungsarm laufen, während die weiche Lagerung dafür sorgt, dass eventuell entstehende Vibrationen von der Welle nicht an den Fahrgastraum weitergeleitet werden.
Typische Symptome und Defekte
Wie eigentlich bei allen mechanischen Teilen am Fahrzeug ist auch die Lebensdauer des Mittellagers begrenzt. Da es sich um ein zweiteiliges System aus Kugellager und Gummi-Aufhängung handelt, variieren auch Symptome und Defekte, die bei den verschiedenen Schadensbildern auftreten können.
Besonders häufig sind:
- Vibrationen im Fahrbetrieb
- Heulen (bei Beschleunigung und Schubbetrieb)
- Rucken beim Lastwechsel
So leidet das Kugellager vor allem unter Alterung durch Laufleistung. Bei jeder Umdrehung gehen winzige Mengen Schmierstoff verloren, bis der Vorrat irgendwann aufgebraucht ist. Im Lager laufen fortan Metall auf Metall, was für eine wahrnehmbar andere Geräuschkulisse sorgt, die oftmals aus Heulen beschrieben wird. Im schlimmsten Fall frisst das Lager, blockiert und zerlegt sich in seine Einzelteile. Dann ist die Kardanwelle, die mit Getriebedrehzahl läuft, nicht mehr geführt und schlägt um sich – heftige Vibrationen und schlagende Geräusche sind die Folge.
Beim Gummilager überwiegt die Alterung durch die Zeit – und die Umstände am Unterboden. So gibt das Gummi mit der Zeit nach und lässt die Gelenkwelle absinken – der Winkel ändert sich, die Vibrationen nehmen zu. Gleichzeitig schwindet mit den Weichmachern auch die Dämpfungswirkung, sprich, die auftretenden Vibrationen werden stärker auf die Karosserie übertragen. Bei Fahrzeugen mit besonders heißen Auspuffanlagen lässt die Hitze das flexible Material vorzeitig verspröden.
Im Extremfall, wie in unserem Beispiel, ist das Gummilager bereits von dem Stahlträger abgerissen und hängt beinahe führungslos im Kardantunnel.
Mittellager austauschen
Wenn das defekte Mittellager ausgewechselt werden soll, müssen zunächst die Abgasanlage und einige Hitzeschutzbleche abgebaut werden, was Zusatzarbeiten nach sich ziehen kann – nicht selten treten während der Demontage besagter Baugruppen weitere Defekte zutage. Anschließend kann, nachdem das Mittellager gelöst wurde, die Kardanwelle aus dem Kardantunnel entnommen werden.

Foto: PSN
Um im nächsten Schritt das defekte Mittellager von der Kardanwelle zu entfernen, wird zunächst das Gummilager abgezogen, etwas Silikonspray oder Kriechöl erleichtern die Bewegung.
Um das Rillenkugellager vom Schaft der Kardanwelle zu ziehen, wird ein Parallelabzieher benötigt. Dieser wird in die Zentrierbohrung der Welle angesetzt und greift mit seinen Armen am Außenring unter das Lager. So kann das Kugellager ohne Schäden an der Welle mit geringer Kraft abgezogen werden.

Foto: PSN
Bei der Montage des neuen Lagers muss der Mechatroniker peinlich genau darauf achten, dies nicht schief anzusetzen und zu verkanten. Um das Lager bis zu seinem Bestimmungsort zu bringen, sollte ein passendes Rohr oder Montagewerkzeug verwendet werden. Von einer Montage mittels Splinttreiber ist abzusetzen, da die Gefahr hoch ist, dass neue Lager noch während des Einbaus zu beschädigen. Zudem wird die Kraft nur punktuell eingebracht, was verkanten fördert.
Das ist das Mittellager getauscht, kann de Kardanwelle wieder montiert werden. Neues Schmierfett auf dem Schiebestück sorgt für reibungsarmes Gleiten. Die Schrauben an den Hardyscheiben und dem Mittellager selbst sollten aus Sicherheitsgründen mit Schraubensicherung versehen werden, um ungewolltes Lösen durch Vibrationen zu vermeiden.
Mittellager ausrichten

Damit das neue Lager nicht neue Vibrationen auslöst, sind Mittellager in der Regel mit Langlöchern versehen. Zunächst werden die Schrauben beinahe bündig eingeschraubt, aber noch nicht angezogen. In dieser Position sollte sich das Gehäuse noch leicht verschieben lassen. Durch händisches drehen der Kardanwelle im Leerlauf wird nun der die Position ermittelt, in der sich das Lager selbst positioniert. In dieser Stellung können die Schrauben jetzt festgezogen werden. Bei dieser Arbeit sollte man sich nicht von den bisherigen Abdrücken des alten Lagers täuschen lassen: Jedes Gummilager kann produktionsbedingte Abweichungen aufweisen, die durch die Langlöcher ausgeglichen werden können.
