
Die Sorgen um den Standort der ehemaligen Behr GmbH sind nicht neu. Bereits Ende 2024 berichteten die Kollegen vom Donaukurier über das mögliche Ende des Standorts, wenn die vor Ort abgeschlossenen Lieferverträge für Klimakästen und -anlagen auslaufen. Nun ist dieser Fall eingetreten.
Lieferverträge laufen aus
Lieferverträge, wie sie am 1987 gegründeten Standort bearbeitet wurden, umfassen in der Regel eine Modellgeneration eines Fahrzeugs. Die typische Bauzeit liegt bei etwa sieben Jahren. Da es sich um fahrzeugspezifische Komponenten handelt, sind mit jeder Serie hohe Investitionen in Werkzeuge und Prozesslinien fällig. Die Ausschreibungen dauern lange und stehen unter hohem internationalen Druck, insbesondere durch Standorte in Osteuropa und Asien.
Laut Mahle war der Standort vor allem durch seine Kunststofffertigung bedeutend für das Unternehmen, da die notwendigen Spritzgussteile für die Klimakästen direkt im Werk hergestellt werden konnten.
Durch hohe Standortkosten nicht mehr wettbewerbsfähig
Laut der Geschäftsleitung sei der Standort durch seine Personal- und Standortkosten in Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig, Gewerkschaften und Betriebsrat dementieren dies.
Die Gewerkschaft IG Metall kritisiert den Schritt: „Dass der Arbeitgeber den Beschäftigten nun offen die Schließung ihres Werks ankündigt, ist ein Skandal“, sagt der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Regensburg, Rico Irmischer.
Der Warnstreik sei eine letzte Warnung, sagt Irmischer. „Wenn das Management trotz Stillstand der Produktion und trotz dieses klaren Signals an seinen Schließungsplänen festhält, dann werden wir als nächstes unbefristet streiken. Die Beschäftigten sind entschlossen, diesen Kampf zu führen.“
In Neustadt fallen 350 bis 400 Jobs weg. Die Produktion läuft mit Ablauf der Verträge zum Jahresende aus. Mitte 2027 soll der Standort endgültig geschlossen werden. Bis dahin sollen die Mitarbeiter sozialverträglich freigestellt werden.
Restrukturierung und strategische Fehler
Der Mahlekonzern befindet sich, wie viele andere Zulieferer in der Branche auch, in einer Restrukturierungsphase. Während das Geschäftsmodell des Verbrennungsmotors langsam an Bedeutung verliert, erfordert die Elektromobilität hohe Investitionen in die Entwicklung und Fertigung, die aktuell weit hinter den Absatzzielen zurückbleiben.
Zwar konnte der Konzern erst kürzlich einen Anstieg des Konzernumsatzes auf 11,3 Milliarden Euro und des EBIT auf 442 Millionen Euro im abgeschlossenen Geschäftsjahr vermelden. Der Nettogewinn lag jedoch lediglich bei 20 Millionen Euro. Im Jahr 2024 schrieb das Unternehmen erstmals wieder schwarze Zahlen, nachdem es vier Jahre lang Verluste verzeichnet hatte. Dennoch lastet mit 1,2 Milliarden Euro eine hohe Schuldenlast auf dem Unternehmen, die durch strategische Fehler und die Restrukturierung entstanden ist. Zwar konnte die Verschuldung gegenüber 2024 bereits um 1,5 Millionen Euro gesenkt werden, dennoch ist das Unternehmen noch lange nicht aus dem schweren Fahrwasser heraus.
Kritiker machen auch das lange Festhalten am teuren deutschen Standort für die aktuelle Situation des Unternehmens verantwortlich. Dieser brachte hohe Personalkosten und ein versplittertes Fertigungsnetz mit sich (Mahle- und Behr-Standorte). Ebenso wird kritisiert, dass zu lange am Verbrenner festgehalten und zu spät auf neue Lösungen umgestellt wurde. Immerhin beginnen die neuen Lösungen allmählich Früchte zu tragen und der Konzern scheint die Talsohle durchschritten zu haben.

