Inter Cars-CEO: „Wir wollen gemeinsam mit unseren Partnern wachsen“

Mit der ersten Filiale in Wuppertal steigt der polnische Autoteilehändler Inter Cars auf dem deutschen Markt in die Direktbelieferung von Werkstätten ein. Im Interview mit Parts & Service News erläutert CEO Maciej Oleksowicz, wie das Unternehmen strategisch weiter expandieren will.
Inter Cars CEO Maciej Oleksowicz stand der PSN-Redaktion Rede und Antwort
Foto: Simon Bäumer / PSN

PSN: Wie unterscheidet sich Inter Cars aus Sicht der Werkstätten von anderen Handelsgesellschaften?

Maciej Oleksowicz: Als Inter Cars möchten wir Werkstätten immer den bestmöglichen Service bieten und sehen sie im Zentrum all unserer Aktivitäten. Schon heute macht das direkte Geschäft mit den Werkstätten 57 Prozent unseres Umsatzes aus (Anmerkung der Redaktion: bezogen auf den gesamten europäischen Markt und über die Inter Cars Partnerbetriebe).

Um für die Betriebe attraktiv zu sein, braucht es drei Dinge: Erstens eine breite Abdeckung und ein Vollsortiment an Teilen, um Fahrzeuge zu reparieren, zweites eine schnelle und hohe Lieferfähigkeit sowie drittens die Abdeckung aller weiteren Aspekte wie Werkzeuge, Schulungen, Software und Finanzierungsangebote.

Diese drei Säulen wollen wir künftig auch in Deutschland bieten, um unserer Vision gerecht zu werden, den besten Service im Teilehandel zu bieten.

Die Niederlassung in Wuppertal soll künftig von einem Partner betrieben werden.
Foto: Simon Bäumer / PSN

PSN: Mit Ihrer ersten Filiale stehen Sie ja erst am Anfang eines flächendeckenden Angebotes. Wie ist das weitere Wachstum geplant?

Oleksowicz: Da haben Sie recht. Aktuell macht unser Handelsgeschäft rund 70 Prozent unserer Aktivitäten in Deutschland aus. Das soll sich künftig ändern, weshalb wir auf der Suche nach Partnern sind, die gemeinsam mit uns auf dem deutschen Markt wachsen wollen.

PSN: Welches Partnermodell streben Sie an?

Oleksowicz: Wir suchen nach kleinen und mittleren Teilehändlern, die gemeinsam mit uns die lokalen Bedürfnisse des Marktes abdecken. Unsere Vision ist es, dass alle Filialen von lokalen Partnern betrieben werden, die sich individuell an ihre Werkstätten vor Ort anpassen können, unabhängig bleiben, aber unser Branding und unser Portfolio listen.

PSN: Sie suchen also Franchise-Partner?

Oleksowicz: Exakt. Die Unternehmen bleiben unternehmerisch eigenständig, nutzen aber die Ressourcen und Möglichkeiten von Inter Cars. Der Warenbestand, das Logo und die Software etwa liegen in der Hand von Inter Cars, die lokale Anpassung obliegt jedoch dem Partner. Unsere Partner genießen hohe Freiheiten und haben freie Hand bei der Preisgestaltung, bei ihren Geschäftsbedingungen oder bei der Belieferung der Werkstätten. Wir wollen gemeinsam mit lokalen Unternehmen wachsen und ihnen gleichzeitig Zugang zu unserem europäischen Netzwerk bieten.

PSN: Welche Rolle spielt die lokale Beschaffung auf dem deutschen Markt für Sie?

Oleksowicz: Sie ist für uns wichtig, nimmt aber eher eine Nischenrolle ein. Gerade bei speziellen Teilen oder kurzfristigen Anforderungen ist sie jedoch extrem wichtig, da die Werkstätten schnelle Lieferzeiten und kompetente Ansprechpartner vor Ort erwarten. In solchen Fällen können unsere Partner vor Ort entscheiden, ob ein solches Angebot für sie von Vorteil ist. Mit unserem breiten Angebot von lagernden 750.000 unterschiedlichen Teilen in unseren Logistikzentren, können wir jedoch den Großteil des Bedarfs direkt bedienen, auch bei selten gefragten Teilen, die nur wenige Male im ganzen Jahr verkauft werden.

PSN: Können Sie bereits abschätzen, wann die nächsten Filialen eröffnet werden?

Oleksowicz: Wir führen konkrete Gespräche mit zahlreichen Partnern und Unternehmen, die sich für unser Konzept interessieren. Bei der Eröffnung in Wuppertal konnten sich die Interessenten ein Bild von unserer ersten Niederlassung machen. Sobald wir einen Partner gefunden haben, werden wir unsere Expansionspläne entsprechend anpassen. Wir wollen aber nicht zu schnell wachsen, damit unsere Standards in puncto Lieferfähigkeit und Geschwindigkeit nicht darunter leiden. Wir setzen auf organisches Wachstum statt auf aggressive Expansion.

In anderen Märkten ist unser Modell bereits erfolgreich: Wir haben Partner, die eine einzelne Niederlassung betreiben, sowie Partner, die 30 Filialen betreiben. Wir möchten unseren Partnern ein Konzept an die Hand geben, das sie an die Bedürfnisse ihres Marktes anpassen können.

Oleksowicz: Welche Bedeutung haben Eigenmarken für Inter Cars im Ersatzteilgeschäft?

PSN: Wir sehen uns als Premium-Partner für die Werkstatt und definieren uns über den Servicelevel. Das heißt auch, dass wir mit den Herstellern der Premiummarken, oftmals sind das Tier-1-Zulieferer, eng zusammenarbeiten. Konkret bedeutete es, dass die Mehrzahl unserer Artikel Premium-Markenware ist. Wir haben auch Eigenmarken, dabei handelt es sich jedoch ausschließlich um Budget-Produkte, die für die Reparatur von älteren Fahrzeugen gedacht sind oder um Lücken im Sortiment zu schließen, die es vom Tier-1-Lieferanten nicht mehr zu kaufen gibt. Aktuell machen Eigenmarken nur rund 16 Prozent unserer Verkäufe aus, sind also eine Minderheit.

PSN: Welchen Einfluss hat diese Markenstrategie auf Ihr Portfolio?

Oleksowicz: Wir überlassen der Werkstatt die Wahl der Marke und der Produkte, mit denen sie arbeiten möchte. Daher haben wir in vielen Produktgruppen nicht nur zwei, sondern drei, vier oder fünf Premiummarken gelistet. Welches Produkt schlussendlich gekauft wird, entscheidet die Werkstatt nach ihren Erfahrungen und Präferenzen, nicht der Zulieferer, der die Bedingungen vorgeben will. Auch wenn dies für uns als Händler einen höheren Lagerbestand bedeutet, richten wir uns nach unseren Kunden, nämlich den Werkstätten.

PSN: Wie sieht Ihre Logistikkette aus, um eine zeitnahe Versorgung sicherzustellen?

Oleksowicz: Hier in Wuppertal haben wir aktuell 50.000 Artikel auf Lager. Damit können wir die Schnelldreher im Sortiment bedienen. In unseren Midi-Lagern haben wir 350.000 bis 400.000 Artikel vorrätig, die über Nacht zu den Filialen gebracht werden können. Künftig planen wir, entsprechend dem weiteren Wachstum, auch Zwischenlager in Deutschland aufzubauen, um unserem Premiumanspruch gerecht zu werden.

PSN: Vielen Dank für das Interview, Herr Oleksowicz!

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