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Bereits vor vier Jahren strebte NSK ein Joint Venture mit Thyssenkrupp Automotive im Bereich der Lenkungs- und Motorkomponenten an, doch das Vorhaben scheiterte. Nun suchen die Japaner den Schulterschluss mit ihrem bisherigen Konkurrenten NTN. Sollte die Fusion gelingen, könnte bis Ende 2027 der weltweit größte Wälzlagerhersteller mit einem Jahresumsatz von 12 Milliarden US-Dollar entstehen.
Japanische Wälzlagerproduktion unter Druck
Die Fusion erfolgt nicht ohne Grund: Die japanische Industrieproduktion steht aufgrund des wachsenden Einflusses Chinas auf den Weltmarkt massiv unter Druck. Laut dem japanischen Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie ist die japanische Wälzlagerproduktion in den letzten drei Jahren um 13 Prozent zurückgegangen. Als wesentliche Faktoren nannte das Ministerium das verlangsamte Wachstum im chinesischen Markt, drohende US-Zölle und den Aufstieg kostengünstiger asiatischer Hersteller.

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„ Die Preise sind eingebrochen, was es schwierig macht, ausreichende Gewinne zu erzielen “, räumte Eiichi Ukai, CEO von NTN, auf der Pressekonferenz ein. Sein Kollege bei NSK, Akitoshi Ichii, stimmte dem zu: „ Wir haben Unternehmensverkäufe und Strukturreformen durchgeführt, aber wir haben erkannt, dass eine Umstrukturierung innerhalb der heimischen Industrie notwendig ist, um international wettbewerbsfähig zu bleiben .“
NSK meldete für das im März 2025 endende Geschäftsjahr einen konsolidierten Umsatz von 5 Milliarden US-Dollar, während NTN 5,2 Milliarden US-Dollar erwirtschaftete. Zusammen mit ihren rund 48.000 Beschäftigten und ihren jeweiligen Marktanteilen (13,3 % NSK, 10,7 % NTN) würden sie 24 % des Weltmarkts repräsentieren. Damit lägen sie vor dem aktuellen Marktführer, der schwedischen SKF-Gruppe.
Gemeinsame Produktion und Forschung geplant
Um dem Kostendruck zu begegnen, sind zahlreiche Maßnahmen zur Effizienzsteigerung geplant. Zu den ersten identifizierten Hebeln zählt die Optimierung von Produktion und Lieferkette. „Wir werden die Kosten senken, indem wir den Komponenteneinkauf optimieren und unsere Produktionsstandorte gemeinsam nutzen“, erklärte Eiichi Ukai.
Die beiden Unternehmen haben das Produktlebenszyklusmanagement (PLM) und die Wartungs-, Reparatur- und Betriebstätigkeiten (MRO) als ausdrückliche strategische Prioritäten für die neue Einheit identifiziert. Durch die Zusammenlegung von Vertriebsnetzen, Kundenportfolios und Produktpaletten dürfte sich das Angebot deutlich erweitern und gleichzeitig die Kosten sinken.
Börsen-Notierung für Oktober 2027 geplant
Wenn die Kartellbehörden zustimmen, sieht der aktuelle Plan vor, dass die beiden Unternehmen hundertprozentige Tochtergesellschaften einer neuen gemeinsamen Holdinggesellschaft werden.
Die neue Holding soll an der Börse von Tokio notiert werden. Unter der Voraussetzung, dass die Aktionäre und Behörden zustimmen, könnte der neue Wälzlagerriese im Oktober 2027 an die Börse gehen.
