
Die Autoverwertung hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Moderne Betriebe sind heute weit mehr als reine Entsorgungsunternehmen: Sie beliefern den Markt mit qualitativ hochwertigen und zugleich preisgünstigen Ersatzteilen, gewinnen aus Altfahrzeugen wertvolle Rohstoffe zurück und übernehmen anspruchsvolle Dienstleistungen für die Automobilindustrie.
Die Autorecycling Kempers GmbH mit Sitz in Meppen nahe der niederländischen Grenze gehört zu den Firmen, die diesen Wandel maßgeblich mitgestalten – mit hohen Qualitätsstandards, digitalisierten Prozessen und einer international ausgelegten Vermarktungsstrategie für Ersatzteile.
ISO-zertifiziert
Stefan Pohlensänger, der bei Kempers im operativen Management tätig ist, bringt den Wandel der Branche auf den Punkt: „Wir haben mit dem alten Klischee vom Schrottplatz nichts mehr zu tun. Das Thema ist längst durch. Als ISO-zertifizierter Demontage- und Entsorgungsbetrieb arbeiten wir mit einem durchgehend hohen Qualitätsanspruch.“
Ein Rundgang über das Freigelände und durch die großzügigen Demontage- und Lagerhallen unterstreicht diese Worte. Alles wirkt organisiert und strukturiert. Hier werden Fahrzeuge nicht „ausgeschlachtet“, sondern an sauberen Arbeitsplätzen nach genau definierten Prozessen zerlegt. Wo früher überwiegend Altmetall gewonnen wurde, stehen heute hochwertige Originalersatzteile und eine nachhaltige Wertschöpfung im Mittelpunkt.

Vom Familienbetrieb zum Industriepartner
Die Geschichte der Firma Kempers beginnt in den 1960er Jahren in den Niederlanden. Dort legte Toni Kempers mit einer Autoverwertung den Grundstein. Unter der Führung seines Sohnes Peter Kempers wurde der Standort 2004 nach Meppen verlegt – näher an die deutsche Automobilindustrie und ihre Hersteller. Mit Ayton Kempers ist heute bereits die dritte Generation der Familie im Unternehmen tätig. Nach Jahren des Wachstums beschäftigt Kempers heute rund 75 Mitarbeitende.
Der Einkauf der Fahrzeuge erfolgt über unterschiedliche Kanäle: Bei Unfallfahrzeugen spielen die Restwertbörsen die größte Rolle. Auch viele Privatkunden lassen ihre Altfahrzeuge bei Kempers fachgerecht entsorgen. Neue oder sehr junge Gebrauchtwagen werden in der Regel direkt von den Automobilherstellern bezogen. Hierbei handelt es sich häufig um Fahrzeuge, die aus unterschiedlichen Gründen nicht zugelassen werden dürfen. Je nach Herstellervorgabe werden diese entweder vollständig vernichtet – etwa Prototypen, bei denen keine Bauteile weiterverwendet werden dürfen – oder teilweise demontiert, wenn einzelne Baugruppen für den Verkauf freigegeben sind.
Der Schwerpunkt liegt auf allen gängigen OEM-Marken. Die meisten angekauften Fahrzeuge haben ein Alter zwischen null und acht Jahren. Auch Exoten wie Ferrari, Lamborghini, Maybach oder Bentley werden verwertet. Die Teile für diese hochpreisigen Fahrzeuge gehen in der Mehrzahl in Auslandsmärkte.





Genau definierter Demontageprozess
Jedes Fahrzeug durchläuft bei Kempers einen genau definierten Demontageplan. Sämtliche Bauteile werden identifiziert und fotografiert, jedes Teil bekommt ein eigenes Etikett und wird sorgfältig eingelagert. Grundlage der Identifikation ist die OE-Nummer, die über die Fahrgestellnummer ermittelt wird. Zusätzlich reichert das Unternehmen seine Daten an: Zu der aktuellen OE-Nummer werden mögliche Verwendungen in anderen Marken desselben Konzerns – etwa bei VW, Seat, Skoda oder Audi – mitgeliefert. Dieser Prozess ist zwar aufwendig, schafft jedoch ein hohes Maß an Transparenz für die Kunden – und unterscheidet Kempers von dem ein oder anderen Wettbewerber. In Summe umfasst das Lager gut 75.000 Teile.
Bei Karosserieteilen wird eine Lackschichtdickenmessung vorgenommen, um Nachlackierungen oder Spachtelarbeiten transparent nachweisen zu können. Teile, die den Qualitätsansprüchen nicht genügen – etwa Scheinwerfer mit beschädigtem Glas oder bestimmte Bremssättel und Lichtmaschinen – werden nicht verkauft, sondern an spezialisierte Remanufacturing-Unternehmen weitergegeben. Nur was wirklich nicht mehr verwendbar ist, etwa Karosserien ohne weitere Teileverwertung, wird der Rohstoffgewinnung zugeführt.
60 Prozent der Ersatzteile werden international vermarktet
Für den Verkauf der Ersatzteile ist Oliver Hallstein, Leiter Vertrieb und Marketing, verantwortlich. Das Unternehmen setzt hier auf den klassischen Direktverkauf vor Ort sowie auf die Vermarktung über einen eigenen Onlineshop und unterschiedliche Online-Plattformen für Gebrauchtteile.
Insgesamt entfallen 44 Prozent des Geschäfts auf den deutschen Heimatmarkt, weitere 49 Prozent werden in angrenzende europäische Länder geliefert. Die sonstigen internationalen Exportmärkte haben einen Anteil von sieben Prozent. Für die nächsten Jahre haben sich die Meppener vorgenommen, den Vertrieb über den klassischen Teilegroßhandel zu stärken und damit gebrauchte Originalersatzteile stärker in den Reparaturalltag von Kfz-Werkstätten und Autohäusern zu integrieren.
Nachhaltigkeit, Forschung und Hochvolt-Kompetenz
Die Firma Kempers ist ein ISO-zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb. Im Bereich Forschung und Entwicklung kooperiert das Unternehmen mit verschiedenen Universitäten und Hochschulen. Gemeinsam werden Verfahren zur automatisierten Demontage, zum Kunststoffrecycling oder zur Rückgewinnung hochwertiger Rohstoffe entwickelt.
Im Bereich Hochvoltbatterien – auch die ersten Elektroautos kommen bereits in die Verwertung – beschäftigt das Unternehmen drei Fachkräfte mit Hochvolt-Qualifikation. In Zusammenarbeit mit einem benachbarten Batterierecycler werden Module geschreddert und Rohstoffe wie Kupfer, Aluminium und Schwarzmasse zurückgewonnen. Auch beim vollständigen Entladen der Antriebsbatterien wird die anfallende Restenergie ins Stromnetz eingespeist.

Die nächste Entwicklungsstufe
Die Nachfrage nach qualitätsgeprüften Originalersatzteilen wächst kontinuierlich. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Logistik, Digitalisierung und Lagerhaltung. Deshalb plant Kempers bereits den nächsten Ausbauschritt. Auf einer rund 11.000 Quadratmeter großen Fläche gegenüber dem heutigen Betriebsgelände soll ein modernes Logistikzentrum mit automatisierter Lagertechnik entstehen.
Parallel dazu richtet das Unternehmen seinen Blick auf neue Geschäftsfelder wie Youngtimer, Oldtimer, Nutzfahrzeuge, Busse, Zweiräder, Transporter und Landmaschinen. Hintergrund ist unter anderem die neue Altfahrzeugverordnung, in der weitere Fahrzeugklassen aufgeführt sind.
Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass sich die Fahrzeugverwertung grundlegend verändert hat. Aus einem klassischen Entsorgungsbetrieb ist ein hochspezialisierter Partner der Automobilindustrie geworden. Digitalisierung, Qualitätsmanagement sowie Forschung und Entwicklung bestimmen heute den Arbeitsalltag ebenso wie Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz. Kempers steht damit beispielhaft für den Wandel einer gesamten Branche – und für die Erkenntnis, dass das Ende eines Fahrzeugs längst nicht mehr das Ende seiner Wertschöpfung bedeutet. Oft ist es vielmehr der Beginn eines zweiten Lebenszyklus.



