Der schwierige Rettungsversuch bei Ultinon Motion

Mitten im Insolvenzverfahren von Ultinon Motion läuft die Suche nach einem Investor. Während ein Teil der Belegschaft bereits freigestellt wurde, hoffen die verbliebenen Mitarbeiter auf eine Perspektive für den traditionsreichen Standort.
Die Ultinon Motion kämpft weiter gegen die Insolvenz. Vor allem der Verlust der Markenrechte für die Marke Philips wiegt schwer. Fotos: Ultinon Motion / LumiLEDs

Das traditionsreiche Lampenwerk in Aachen-Rothe Erde kämpft um seine Zukunft. Was einst als Philips-Standort mit zeitweise rund 2.000 Beschäftigten zu den bedeutenden Industriebetrieben der Stadt gehörte, befindet sich heute als Ultinon Motion Germany GmbH seit Februar dieses Jahres im Insolvenzverfahren. Während weiterhin nach einem Investor gesucht wird, hat die Sanierung bereits einschneidende Folgen für einen Teil der verbliebenen Belegschaft.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten wurden Anfang Februar 2026 offiziell. Ultinon Motion Germany beantragte beim Amtsgericht Aachen ein vorläufiges Insolvenzverfahren. Am 9. Februar wurde Rechtsanwalt Wolfgang Piroth zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Als Gründe wurden die angespannte Lage in der Automobilindustrie und die finanziellen Probleme der US-amerikanischen Muttergesellschaft First Brands Group genannt. Diese befand sich bereits selbst in einem Insolvenzverfahren. Der Betrieb in Aachen lief zunächst weiter, die Löhne und Gehälter waren bis einschließlich April über das Insolvenzgeld abgesichert.

Investoren machen zunächst Hoffnung

Der niederländische Konzern entzog der Ultinon Motion die Markenrechte für die Marke Philips – ein schwerer Schlag für das angeschlagene Unternehmen.

Bereits wenige Wochen später gab es erste positive Signale: Im März berichtete die Aachener Zeitung von mehreren potenziellen Käufern für das Werk. Damit wuchs die Aussicht, den traditionsreichen Produktionsstandort im Zuge einer Sanierung erhalten zu können. Insolvenzverwalter Piroth arbeitete an einem Zukunftskonzept für das Unternehmen und führte Gespräche mit Interessenten.

Doch der Rettungsprozess wurde komplizierter. Eine besondere Rolle spielte dabei der ehemalige Eigentümer Philips: Ende April wurde bekannt, dass der niederländische Konzern den Markenlizenzvertrag für die Marke Philips gekündigt hatte. Für Ultinon Motion stellte dies ein erhebliches Problem dar, da die Nutzung der etablierten Marke für Teile des Geschäfts von großer wirtschaftlicher Bedeutung war. Insolvenzverwalter Piroth kündigte an, gegen die Kündigung vorzugehen.

Am 1. Mai folgte der nächste formale Schritt, als das Amtsgericht Aachen das reguläre Insolvenzverfahren über das Vermögen der Ultinon Motion Germany GmbH eröffnete. Damit ging die Verantwortung endgültig auf den Insolvenzverwalter über.

100 von 243 Beschäftigten müssen gehen

Wie tiefgreifend die notwendige Restrukturierung ausfallen würde, zeigte sich Ende Juli. Bei einer Betriebsversammlung am 30. Juli erfuhren die Beschäftigten, dass 100 der zu diesem Zeitpunkt noch 243 Mitarbeiter des Unternehmens widerruflich freigestellt wurden. Damit wurde die Belegschaft um rund 41 Prozent reduziert, der WDR berichtete von einzelnen Betroffenen.

Besonders umstritten war die Art, wie die Betroffenen über ihre persönliche Zukunft informiert wurden. Einen Tag nach der Betriebsversammlung sollten die Beschäftigten um 15 Uhr in eine betriebliche App schauen, die normalerweise unter anderem für Gehaltsabrechnungen und Zeitnachweise verwendet wird. Dort erfuhren sie, ob sie zu den Mitarbeitern gehörten, die freigestellt wurden.

Insolvenzverwalter Piroth äußerte sich gegenüber Parts&Service News wie folgt:
„Seit Beginn des Verfahrens ist es unser Ziel, die Ultinon Motion Germany GmbH als Unternehmen zu erhalten und eine Zukunftsperspektive für den Standort Aachen zu schaffen. Der Geschäftsbetrieb wird derzeit fortgeführt. Die Gesellschaft befindet sich in einer äußerst herausfordernden wirtschaftlichen Situation. Vor diesem Hintergrund waren Personalanpassungen unvermeidbar. Zum jetzigen Zeitpunkt wurden keine Kündigungen ausgesprochen, sondern widerrufliche Freistellungen.Die Auswahl der betroffenen Beschäftigten erfolgte unter Beachtung aller arbeitsrechtlichen Vorgaben, in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat und unter Berücksichtigung der gesetzlichen Sozialkriterien.“

Ein kleineres Unternehmen als Voraussetzung für die Zukunft

Der Stellenabbau zeigt, in welche Richtung sich die Sanierung entwickelt. Nach dem Abbau von 100 Stellen verbleiben rechnerisch noch rund 143 Beschäftigte. Damit steht fest: Selbst wenn Ultinon Motion beziehungsweise der Aachener Geschäftsbetrieb gerettet werden kann, wird das Werk voraussichtlich deutlich kleiner sein als vor der Insolvenz.

Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft des Standorts ist allerdings noch nicht gefallen. Der Investorenprozess läuft weiterhin. Auf die Frage nach möglichen Investoren sagte Piroth: „Der Investorenprozess wird weiterhin mit höchster Priorität vorangetrieben. Zu laufenden Gesprächen können wir aus Vertraulichkeitsgründen keine Einzelheiten mitteilen. Unser Ziel ist und bleibt es, im Interesse der Gläubiger, der Beschäftigten und des Standorts eine schnelle und bestmögliche Lösung zu erreichen.“

Nach Angaben des Insolvenzverwalters genießt der Standort bei potenziellen Investoren hohes Ansehen und wird als wichtiger Bestandteil einer möglichen zukünftigen Unternehmensentwicklung betrachtet. Laut dem WDR-Bericht war zwischenzeitlich sogar eine vollständige Schließung des Werks nicht ausgeschlossen. Die Fortführung der Produktion wird deshalb im Insolvenzverfahren bereits als Teilerfolg betrachtet.

Der entscheidende Schritt für die Zukunft des Unternehmens steht jedoch noch aus: Es muss ein Investor gefunden werden, der bereit ist, den Standort und zumindest einen wesentlichen Teil der verbliebenen Arbeitsplätze dauerhaft zu übernehmen. Aus dem ursprünglichen Ziel der Stabilisierung des Unternehmens ist ein harter Sanierungsprozess geworden.

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