TÜV-Report: Hohe Mängelquoten bei Transportern und schweren Lkw

Der technische Zustand des deutschen Nutzfahrzeugbestands bleibt angespannt. Laut dem aktuellen TÜV-Report Nutzfahrzeuge fällt gut jedes fünfte Fahrzeug durch die Hauptuntersuchung. Mit zunehmendem Fahrzeugalter steigt der Wartungs- und Reparaturbedarf deutlich.
Foto: Ingo Jagels / PSN

In Sachen Verkehrssicherheit von Transportern und Lkw gibt es durchaus Verbesserungsbedarf: Gut jedes fünfte Nutzfahrzeug (20,3 Prozent) ist in den vergangenen zwei Jahren mit „erheblichen“ oder „gefährlichen Mängeln“ bei der Hauptuntersuchung (HU) durchgefallen. Das geht aus dem aktuellen „TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026″ hervor. Gegenüber dem vorherigen Report bedeutet das eine leichte Verbesserung um 0,1 Prozentpunkte. Für den aktuellen TÜV-Report wurden rund 2,4 Millionen Hauptuntersuchungen ausgewertet.

„Die Mängelquoten von Nutzfahrzeugen stagnieren auf einem hohen Niveau“, sagte Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim TÜV-Verband, im Vorfeld der Branchenmesse „IAA Transportation“. „Technische Mängel sind eine Gefahr für die Verkehrssicherheit. Daher sind Wartung, Pflege und unabhängige Prüfungen im betrieblichen Alltag von Transportunternehmen, Handwerksbetrieben und Versorgern unabdingbar.“

Besonders häufig stellten die Prüforganisationen Defekte an der Beleuchtung, Ölverlust an Motor oder Antrieb sowie Probleme an den Achsaufhängungen fest. Dabei zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang mit dem Fahrzeugalter. Bei fünf Jahre alten Nutzfahrzeugen wurde bei 5,2 Prozent Ölfeuchte oder Ölverlust beanstandet, bei zehnjährigen Fahrzeugen waren es schon 8,0 Prozent. Die Mängelquote an der hinteren Beleuchtung steigt bei den gleichen Altersgruppen von 6,7 auf 11,3 Prozent, bei den Achsaufhängungen von 1,5 auf 5,0 Prozent.

Schwere Lkw mit höchster Mängelquote

Am schlechtesten schneiden erneut schwere Lkw über 18 Tonnen ab. 21,8 Prozent weisen erhebliche oder gefährliche Mängel auf. Bei zehn Jahre alten Fahrzeugen dieser Gewichtsklasse steigt die Quote sogar auf 28,5 Prozent.

Nach Einschätzung des TÜV-Verbands macht sich hier auch die Investitionszurückhaltung der vergangenen Jahre bemerkbar. Fahrzeuge würden länger im Bestand bleiben, wodurch Verschleiß sowie die Bedeutung von Wartung und Instandhaltung zunehmen. Das Durchschnittsalter der Nutzfahrzeuge in Deutschland liegt nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes inzwischen bei 8,9 Jahren – und damit ein Jahr höher als vor zehn Jahren.

Kaum besser sieht es bei leichten Transportern bis 3,5 Tonnen aus. Ihre Mängelquote liegt unverändert bei 21,5 Prozent. Nutzfahrzeuge zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen kommen auf 19,8 Prozent. Den niedrigsten Wert erreichen mittelschwere Lkw zwischen 7,5 und 18 Tonnen mit 16,3 Prozent.

Elektro-Transporter mit großen Unterschieden

Erstmals enthält der Report auch drei batterieelektrische Transporter. Dabei fallen die Ergebnisse sehr unterschiedlich aus. Der Peugeot E-Expert erreicht bei den ein bis zwei Jahre alten Fahrzeugen eine Mängelquote von 8,4 Prozent. Beim Mercedes E-Vito sind es dagegen 19,7 Prozent. Überdurchschnittlich häufig beanstandet wurden hier unter anderem Feststellbremse, Antriebswellen und Abblendlicht.

Bei den drei bis vier Jahre alten Transportern hat der inzwischen nicht mehr produzierte Streetscooter B14/B16 mit 26,4 Prozent die höchste Mängelquote. Nach Angaben des TÜV-Verbands reichen die bisher verfügbaren Daten allerdings noch nicht aus, um die technische Zuverlässigkeit von Elektro-Transportern insgesamt zu beurteilen.

Maxus Deliver 9 mit auffällig hoher Quote

Erstmals taucht mit dem Maxus Deliver 9 von SAIC Motor auch ein Transporter eines chinesischen Herstellers in der Auswertung auf. Die Qualität lässt hier noch zu wünschen übrig: Bei den ein bis zwei Jahre alten Fahrzeugen fallen 33,6 Prozent mit erheblichen oder gefährlichen Mängeln durch die HU.

Auffällig sind bei diesem Fahrzeug laut Report Mängel an der Bremsanlage und der Beleuchtung sowie Beanstandungen bei der Abgasuntersuchung. Das Fahrwerk zeigt sich dagegen unauffällig. Der TÜV-Verband bezeichnet den Wert angesichts des geringen Fahrzeugalters als außergewöhnlich hoch.

Nutzfahrzeugbestand wächst und wird elektrischer

Laut Zahlen des KBA ist der Nutzfahrzeugbestand in Deutschland zum 1. Januar 2026 um 1,8 Prozent auf 3,9 Millionen Fahrzeuge gestiegen. Gegenüber 2017 entspricht das einem Plus von 34 Prozent. Einen wesentlichen Anteil daran haben leichte Nutzfahrzeuge, deren Bestand unter anderem durch den wachsenden Liefer- und Paketverkehr zugenommen hat.

Gleichzeitig schreitet die Elektrifizierung voran. Von Januar bis Juli 2026 entfielen 13 Prozent der Nutzfahrzeug-Neuzulassungen auf reine Elektrofahrzeuge. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 8,7 Prozent.

Mit der Elektrifizierung und zunehmenden Digitalisierung sieht der TÜV-Verband auch Anpassungsbedarf bei der Hauptuntersuchung. Gefordert werden unter anderem ein erweiterter Prüfumfang für Antriebsbatterien sowie der Zugang zu Batterie- und Fahrzeugdaten. Auch Assistenzsysteme und der Softwarestand eines Fahrzeugs sollen künftig stärker in die Prüfung einbezogen werden.

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