Riemenscheibe am kupplungslosen Klimakompressor wechseln

Quietschen, Zwitschern oder ungewöhnliche Lagergeräusche können auf eine verschlissene Riemenscheibe am Klimakompressor hindeuten. Wir zeigen, wie sich eine defekte Riemenscheibe erkennt und wie der Wechsel bei einem kupplungslosen Klimakompressor gelingt.
Die Riemenscheibe am kupplungslosen Klimakompressor kann einzeln getauscht werden.
Foto: PSN/Baeumer

Bei konventionellen Fahrzeugen wird der Klimakompressor über den Keilrippenriemen angetrieben. Da er nicht dauerhaft läuft, besitzt er ein Freilauflager, das in die Riemenscheibe integriert ist. Eine schwergängige Riemenscheibe kann also ausgetauscht werden, ohne dass der gesamte Kompressor ersetzt werden muss. Im Folgenden beschreiben wir den Vorgang am kupplungslosen Kompressor. Die entsprechende Anleitung für Fahrzeuge mit Magnetkupplung am Klimakompressor finden Sie hier.

Welche Aufgabe hat die Riemenscheibe am Klimakompressor?

In vielen Fahrzeugen übernimmt die Riemenscheibe des Klimakompressors gleichermaßen die Funktion einer Umlenkrolle und den Antrieb des Kältmittelverdichters. Dessen mechanische Leistungsaufnahme liegt zwischen 3 und 5 kW, die über den Keilrippenriemen von der Kurbelwelle abgegriffen werden. Als weitere Funktion dient sie zudem als Überlastsicherung im Falle eines Verdichterschadens: Wenn der Kompressor blockiert, kann der Riemen dennoch weiterlaufen.

Ist die Klimaanlage ausgeschaltet, fungiert die Riemenscheibe als Freilauf. Die Riemenscheibe läuft normal weiter, während der Kompressor entkoppelt ist. Entsprechend viele Betriebsstunden fallen auf die Riemenscheibe und deren Wälzlager an. Dies kann im Laufe der Zeit zu einem höheren Spiel oder gar einem Ausfall führen.

Woran erkennt man eine defekte Riemenscheibe

Die häufigsten Symptome einer defekten Riemenscheibe am Klimakompressor sind Zwitschern, Quietschen oder eine nicht mehr funktionierende Klimaanlage. Um einen Totalausfall und damit einen Riss oder das Abfallen des Keilrippenriemens zu vermeiden, sollte die Riemenscheibe – wie jede Komponente des Nebenaggregatetriebes – regelmäßig überprüft werden, wenn der Keilrippenriemen ohnehin demontiert ist.

Sie sollte sich bei abgenommenem Riemen leicht und ohne Widerstand oder Rastpunkte drehen lassen, kein seitliches Spiel aufweisen und keine trockenen Lagergeräusche (Mahlen, Rasseln, Quietschen) von sich geben. Rostrote Farbe, die aus der Kupplungsscheibe austritt, kann dabei Hinweis auf ein sterbendes Wälzlager sein.

Wichtig dabei ist, dass auch andere Teile des Riementriebs, wie die Wasserpumpe, die Umlenkrolle oder die Spannrolle, ähnliche oder gleiche Symptome verursachen können. Am besten prüfen Sie daher alle Nebenaggregate, wenn der Riemen abgenommen ist.

Muss der komplette Klimakompressor getauscht werden?

Die gute Nachricht vorweg: Ein Schaden an der Riemenscheibe des Kompressors kann separat repariert werden. Ein teurer Komplettaustausch des Klimakompressors samt Absaugen und Auffüllen der Klimaanlage ist nicht notwendig. Viele Hersteller bieten passende Reparatursätze zum Austausch der Riemenscheibe an.

Es gibt jedoch eine Einschränkung: Der Schaden muss sich auf die Riemenscheibe bzw. deren Wälzlager beschränken. Wenn die Überlastkupplung ausgelöst hat oder sich der Kompressor auch mit abgenommener Scheibe schwer dreht, liegt ein mechanischer Schaden am teuren Verdichter nahe.

Das erste Indiz sollte für die Werkstatt daher die intakte, also unbeschädigte Überlastkupplung sein. Damit ist der dünne Blechdeckel gemeint, der die Riemenscheibe mit der Kompressorwelle verbindet.

So wird die Riemenscheibe am Klimakompressor gewechselt

Zunächst muss der Keilrieppenriemen entspannt werden. Foto: PSN/Baeumer

Wenn die Riemenscheibe eindeutig als Geräusch- bzw. Fehlerquelle ausgemacht wurde, kann sie ausgetauscht werden. Dafür wird zunächst der große Sicherungsring mit einem dünnen Schraubenzieher aus seiner Nut gehebelt, der die Riemenscheibe und Kupplung in der Flucht hält.

Im zweiten und wichtigsten Schritt wird nun die Überlastkupplung gelöst: Mithilfe eines Stirnlochschlüssels kann die Kupplung von der Kompressorwelle gelöst werden; dabei muss der Kompressor gegengehalten werden. Achtung: Bei der Überlastkupplung handelt es sich um eine dünne Blechscheibe. Unpassendes Werkzeug oder Abrutschen führt zu deren Zerstörung.

Drehrichtung feststellen:  Vor der Montage muss unbedingt anhand des Neuteils vor Beginn die Drehrichtung des Gewindes geprüft werden. Bei einigen Denso-Kompressoren kommen Linksgewinde zum Einsatz, entsprechend muss die Riemenscheibe entgegengesetzt gelöst werden. Nach dem Entfernen der Überlastkupplung wird das Wälzlager samt dessen Sicherungsring sichtbar, der die Riemenscheibe auf dem Kompressor hält. Dieser wird mit einer Sicherungsringzange gelöst und abgenommen.
Nun ist die Riemenscheibe gelöst und kann nach vorne abgenommen werden.

Die Montage des Neuteils erfolgt in umgekehrter Reihenfolge. Dazu wird die Scheibe aufgesetzt, der Sicherungsring in dessen Nut eingesetzt und die Überlastkupplung zunächst per Hand auf das Gewinde gedreht und später festgezogen. Zuletzt wird der äußere Sicherungsring wieder eingesetzt.

Als letzter Schritt wird der Keilrippenriemen wieder aufgelegt und gespannt. Anschließend kann ein Testlauf vorgenommen werden.

Was kostet der Wechsel der Riemenscheibe?

Gängige Teilesätze zum Austausch der Riemenscheibe umfassen die Seite samt Elastomerelementen, die Kupplungs/Überlastsicherung und das passende Montagematerial. Foto: PSN / BAeumer

Im Vergleich zum Austausch des Klimakompressors, der nicht nur ein sehr teures Bauteil ist, sondern auch weitere Kosten für das Absaugen und Befüllen der Anlage sowie den Austausch des Klimatrockners verursacht, ist der Austausch der Kupplung des Klimakompressors vergleichsweise günstig. Für den Reparatursatz müssen je nach Kompressorhersteller und Modell mit Kosten zwischen 60 und 100 Euro gerechnet werden. Der Arbeitsumfang ist fahrzeugspezifisch. Bei gut zugänglichen Fahrzeugen wie in unserem Fall ist der Austausch in gut einer Stunde erledigt, bei Fahrzeugen mit quereingebautem Motor, bei denen für die Arbeiten der Klimakompressor gelöst werden muss, kann es auch doppelt so lange dauern. Entsprechend sollte der Endkunde mit ein bis zwei Arbeitsstunden zum Stundenverrechnungssatz rechnen. Rund 200 bis 350 Euro sind für die komplette Reparatur inklusive Ersatzteil ein gängiger Preis.

Häufige Fragen zur Überlastkupplung des Klimakompressors


Kann man nur die Riemenscheibe wechseln?

Ja. Unabhängig davon, ob es sich um einen Kompressor mit Magnetkupplung oder einen kupplungslosen Kompressor (wie in diesem Fall) handelt, kann die Riemenscheibe alleine getauscht werden – in der Regel sogar im eingebauten Zustand.

Kann ich mit einer defekten Riemenscheibe weiterfahren?

Ja, aber nur eingeschränkt. Wenn die Riemenscheibe anfängt zu eiern oder Geräusche von sich zu geben, ist es dringend angeraten, eine Werkstatt aufzusuchen. Im schlimmsten Fall kann der Keilrippenriemen von der Riemenscheibe springen, wodurch Servolenkung, Bremsunterstützung und Motorkühlung ausfallen würden.

Wenn die Überlastkupplung aufgrund eines Kompressorschadens bereits ausgelöst wurde (sichtbar durch ein rissiges Blech oder Späne, anhaltende Geräusche), sollten nur noch unbedingt notwendige Fahrten zur Werkstatt unternommen werden. Die Überlastkupplung soll ausschließlich das Abspringen des Riemens während der Fahrt verhindern und ist nicht als dauerhafte Überbrückung eines defekten Kompressors gedacht.

Muss für den Wechsel das Kältemittel abgelassen werden?

Nein, denn die Riemenscheibe ist nicht mit dem hermetisch geschlossenen Kältekreislauf direkt verbunden. Für den Wechsel muss daher weder das Kältemittel abgesaugt noch später wieder eingefüllt werden, was die Reparatur günstig macht.

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