Autocraft macht defekte Hochvoltbatterien wieder fit – mit hoher Erfolgsquote

Anstatt bei einem Defekt gleich die komplette Hochvoltbatterie auszutauschen, setzt Autocraft auf den gezielten Austausch beschädigter Zellen und Module. Das Unternehmen repariert bereits bis zu 400 Batteriepacks pro Monat und will sein Reparaturnetzwerk jetzt nach Deutschland ausweiten.

Ein Defekt der Hochvoltbatterie kann bei Elektrofahrzeugen schnell zu einem wirtschaftlichen Totalschaden führen. Denn das Batteriepack hat den größten Einfluss auf den Restwert des Fahrzeugs. Die Autocraft Solutions Group setzt deshalb auf eine Alternative zum teuren Austausch: die systematische Fehlerdiagnose und den gezielten Austausch defekter Zellen oder Module innerhalb der Batterie.

Mit dem Werkstattkonzept „Revive” hat das Unternehmen ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Hochvoltbatterien in größerem Umfang prüfen, reparieren und wiederaufbereiten lassen. Laut Autocraft beschränken sich die meisten Batteriefehler auf einzelne Zellen oder Module. Ein vollständiger Austausch des Batteriepacks sei deshalb häufig nicht erforderlich.

Das Unternehmen beziffert die Quote der erfolgreich reparierten und wieder in Betrieb genommenen Batterien seit 2020 auf 92 Prozent. Eine Auswertung von 559 gewerblichen Batteriereparaturen aus dem Jahr 2024 zeigt zudem, dass im Durchschnitt lediglich 1,1 Module ausgetauscht werden mussten, um einen Batteriezustand von mehr als 90 Prozent zu erreichen.

Belastungstests statt alleiniger BMS-Diagnose

Laut Autocraft ist eine möglichst genaue Fehlerlokalisierung entscheidend für die hohe Reparaturquote. Dazu nutzt das Unternehmen die selbst entwickelte Diagnoseplattform „OptEVizer”. Im Gegensatz zur reinen Auswertung des Batteriemanagementsystems (BMS), das häufig für Zustandsbewertungen herangezogen wird, unterzieht Autocraft die Batterien einem echten Belastungstest.

So kann das Unternehmen den tatsächlichen Zustand der Batterie bis auf Zellebene erfassen. Anschließend werden die Messwerte mithilfe eines digitalen Zwillings analysiert, der auf Tausenden realen Testzyklen und Millionen einzelner Datenpunkte basiert. So sollen sich fehlerhafte oder geschwächte Zellen identifizieren und der tatsächliche Gesundheitszustand der Batterie (State of Health, SoH) unabhängig vom BMS bestimmen lassen. Auf Grundlage dieser Diagnose können defekte Zellen oder Module gezielt ersetzt werden, während intakte Komponenten weiterverwendet werden.

Bis zu 400 Batteriepacks pro Monat

Die Zahlen aus den bestehenden Revive-Standorten zeigen, dass das Konzept bereits im größeren Maßstab eingesetzt wird. So repariert Autocraft nach eigenen Angaben derzeit monatlich zwischen 300 und 400 Batteriepacks im Auftrag von Fahrzeugherstellern in Grantham in Großbritannien und Arnheim in den Niederlanden.

Das Unternehmen bietet für reparierte Batterien zudem eine Garantieabsicherung auf Herstellerniveau an. Konkrete Angaben zur Laufzeit und zu den Bedingungen liegen allerdings nicht vor.

Reparaturnetzwerk soll nach Deutschland kommen

Angesichts der steigenden Zahl älterer Elektrofahrzeuge will Autocraft seine Reparaturkapazitäten in Europa ausbauen. Neben den bisherigen Standorten stehen insbesondere Deutschland, Spanien und Italien im Fokus. In diesen Märkten erwartet das Unternehmen eine hohe Nachfrage von Fahrzeugherstellern nach spezialisierten Batteriereparaturen.

Für Werkstätten und den Ersatzteilmarkt könnte die Instandsetzung von HV-Batterien ein zusätzliches Standbein sein, wenn sich der Schwerpunkt der Reparaturen hin zu EVs verlagert. Ob und zu welchen Konditionen freie Werkstätten auf die Dienstleistungen zugreifen können, ist derzeit noch unklar. Auch konkrete Reparaturpreise nennt Autocraft nicht.

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