
Die Werkstätten investieren weiter kräftig in Diagnosetechnik – und das auf konstant hohem Niveau. Das ist die positive Nachricht, die Harald Hahn, Leiter des Fachbereichs Diagnose- und Abgasmessgeräte, auf der Jahrespressekonferenz des ASA-Bundesverbands zu verkünden hatte. Leider folgte gleich eine weniger gute Mitteilung: Der Markt für Abgastester und Partikelmessgeräten zeigte sich im Geschäftsjahr 2025 sehr verhalten.
Bei der Diagnosetechnik stieg die Nachfrage nach Stand-Alone- und PC-basierten Diagnosegeräten erneut an. Insgesamt wurden 2025 mehr als 23.000 Geräte verkauft, darunter rund 18.000 Stand-Alone-Lösungen und etwa 5.600 PC-basierte Systeme. Der Absatz von Abgastestern und Partikelmessgeräten verharrte auf niedrigem Niveau. In Summe verkauften die Werkstattausrüster 2025 etwa 1.000 Einheiten.
Ein positives Bild lieferte hingegen der Servicebereich: Über 40.000 Rekalibrierungen pro Jahr bei PN-Zählern sowie mehr als 92.000 Rekalibrierungen von 4-Gas-Abgastestern und Opazimetern sprechen für einen hohen Ausstattungsgrad in Werkstätten und Prüforganisationen. Wenig überraschend ist laut Harald Hahn hingegen der Rückgang bei Geräten zur ADAS-Justage. Diese werden zunehmend in Kombination mit Achsmesssystemen verkauft und statistisch nicht mehr separat erfasst.
Neue Regeln für die Abgasuntersuchung
Ein zentraler Fokus der Arbeit liegt derzeit auf dem künftigen AU-Geräteleitfaden 7. Die zugehörige AU-Richtlinie soll voraussichtlich zwischen Ende des ersten und Mitte des zweiten Quartals 2026 veröffentlicht werden. Nach einer anschließenden Felderprobung sollen die Geräte ab dem dritten Quartal begutachtet, ausgerollt und die Anwender geschult werden. „Geplant ist, dass der Geräteleitfaden 7 ab dem 1. Januar 2027 flächendeckend bei Abgasuntersuchungen angewendet werden muss“, stellte Harald Hahn klar.
Dabei werden auch praktische Probleme aus dem Werkstattalltag adressiert. So fehlen seit Jahren aktualisierte Sollwerte vieler Hersteller, was bei Audits zunehmend Schwierigkeiten bereitet. „Man geht daher dazu über, das bei der Partikelmessung bereits praktizierte Verfahren anzuwenden, auf Herstellerunabhängige Daten zuzugreifen“, erläuterte der Fachbereichsleiter.
Auch ältere Prüfverfahren werden nach seinen Worten vereinfacht. Hintergrund ist, dass entsprechende Fahrzeuge zunehmend aus dem Bestand verschwinden und die für die „Regelkreisprüfung“ notwendigen Messgeräte kaum noch verfügbar sind. Gleiches gilt für die bei Fahrzeugen ohne oder mit ungeregeltem Katalysator (O-KAT/ U-KAT) für die Abgasuntersuchung erforderlichen Daten bzw. Geräte zur Zündzeitpunkt- und Schließwinkel-Messung.
Zudem wird das Abgas-Prüfverfahren stärker standardisiert: Emissionsgrenzwerte sollen künftig verstärkt anhand von Parametern wie Erstzulassung, Fahrzeugklasse und Kraftstoffart bestimmt werden.
EU plant umfassende Reform der Fahrzeugprüfung
Parallel dazu stehen auch auf europäischer Ebene Änderungen bevor. Die EU-Kommission hat im April 2025 einen Vorschlag zur Überarbeitung der Richtlinie 2014/45 zur periodischen technischen Fahrzeugüberwachung (PTI) vorgelegt.
Demnach sollen künftig elektronische Systeme stärker in die Fahrzeugprüfung einbezogen werden. Dazu gehören beispielsweise Fahrerassistenzsysteme (ADAS). Auch die Sicherheit von Elektrofahrzeugen rückt bei der PTI stärker in den Fokus, etwa durch Prüfungen von Isolationswiderständen oder der Funktionsprüfung des Potenzialausgleichs.
Bei den Emissionsprüfungen soll es nach den Worten von Harald Hahn bei den realen Messungen bleiben – und sich nicht ausschließlich auf OBD-Diagnosen zu verlassen. Gleichzeitig sind neue Verfahren geplant, darunter Partikelmessungen bei Benzinern sowie NOx-Messungen bei modernen Diesel- und Ottomotoren. Der Vorschlag befindet sich derzeit im europäischen Gesetzgebungsverfahren.
Qualitätssicherung bei Partikelmessgeräten
Ein weiteres aktuelles Projekt ist die Qualitätssicherung bei Partikelmessgeräten. Seit 2025 führen der ASA-Verband, die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), Kalibrierlabore und Gerätehersteller einen Ringvergleich von PN-Zählern durch. Ziel ist es, die Eignung der eingesetzten Messverfahren zu bestätigen und Erkenntnisse über verschiedene Kalibrierverfahren zu gewinnen, was insbesondere für Audits relevant ist.
Die Ergebnisse des Ringvergleichs sollen unter anderem Aufschluss zu den mobilen und stationären Kalibrierungen, dem Verhalten der Geräte nach einem Transport sowie den Einfluss unterschiedlicher Aerosole wie Salz oder Ruß bringen. Eine Veröffentlichung der anonymisierten Resultate ist für Mitte 2026 geplant.

