Droht die Motoröl-Knappheit?

Foto: Ingo Jagels / PSN

Durch die Blockade der Straße von Hormus ist der Preis für Rohöl regelrecht explodiert. Was man zuerst an der Tankstelle bemerkt, macht sich auch auf dem Schmierstoffmarkt bemerkbar. Durch den Konflikt sind zudem weitere wichtige Raffinerien in der Region beschädigt worden und fallen aus.

Seit die Straße von Hormus Anfang März 2026 gesperrt wurde, sind die Preise für Rohöl und petrochemische Zusatzstoffe („Additive“) deutlich gestiegen. Die Meerenge ist von enormer Bedeutung, da normalerweise rund 20 % des weltweiten Ölhandels dort durchlaufen.

Bis zu 30 Raffinieren ausgefallen oder beschädigt

Der Konflikt wird nicht nur im Iran, sondern auch in den angrenzenden Ländern ausgetragen. Die USA und Israel haben mit gemeinsamen Luftschlägen Raffinerien und Terminals im Iran angegriffen , um das Land wirtschaftlich unter Druck zu setzen. Daraufhin hat das Regime seinerseits mit günstigen Drohnen die petrochemischen Anlagen seiner Nachbarländer angegriffen, die sich auf die Seite der USA und Israel gestellt haben.
Insgesamt sind in der Region etwa zehn Raffinerien schwer beschädigt, weitere zwanzig sind leicht beschädigt oder wurden heruntergefahren. Etwas mehr als die Hälfte dieser Anlagen liegt im Iran.

Außerhalb des Iran waren besonders betroffen:

  • Safaniya-/Aramco-Anlagen in Saudi-Arabien
  • Raffinerien im Südirak
  • Petroleum Anlagen in Kuwait
  • Bahrain Bapco

14 Millionen Barrel Produktionsausfall am Tag

Normalerweise produziert die Welt etwa 100 bis 103 Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Mit einer Ausfallmenge von 11 bis 14 Millionen Tonnen hat der Konflikt die Weltproduktion also zeitweise um über 10 % beeinträchtigt.
Die Auswirkungen waren besonders drastisch im Nachbarstaat Irak. Dort fiel die Produktion zeitweise von 4,3 auf 1,3 Millionen Barrel pro Tag. Saudi-Arabien reduzierte die Produktion von 10 auf 8 Millionen Barrel pro Tag, da es zu Schäden an seiner Offshore-Infrastruktur gekommen war. Insgesamt vermeldete die OPEC die geringste Produktionsmenge seit über 20 Jahren.

Inzwischen konnten einige Teile der Anlagen wieder in Betrieb genommen und andere umgenutzt werden. Mitte Mai fehlen noch vier bis sechs Millionen Tonnen täglich zur normalen Produktionsmenge.

Auswirkungen auf fertige Schmierstoffe

ProduktTypische Verteuerung
Motoröl 5W-30 Premium+15–30 %
Industriehydrauliköl+20–40 %
Turbinenöle+25–45 %
Marine-Schmierstoffe+30–60 %
Getriebeöle+15–35 %

Wie Zahlen von JobbersWorld, Mansfield und Lubes and Greases zeigen, hat der Konflikt bereits jetzt konkrete Auswirkungen auf das Großhandelsvolumen von Schmierstoffen und deren Grundstoffen. Neben den Grundölen haben laut den Analysten auch die Additive und Benzin-/Dieselzusätze eine globale Teuerung von 20 bis 40 Prozent erfahren. Es wird vermutlich noch einige Monate dauern, bis sich die Preise auf ein normales Niveau einpendeln.

Preise bleiben vermutlich noch länger volatil

Foto: Ingo Jagels / PSN

Angesichts der noch nicht gelösten Frage zur Straße von Hormus und der daraus resultierenden, nicht absehbaren Konsequenzen werden die Preise vermutlich noch über Wochen und Monate hinweg auf einem höheren Niveau volatil bleiben. Da viele Vorprodukte für Motorenöle wie Grundöle und Additivpakete über große Lieferkontrakte im Voraus gehandelt werden, kann es einige Zeit dauern, bis die aktuellen Peak-Preise auch im Regal vollständig durchschlagen.
Gleichzeitig ist es möglich, dass Hersteller ihre Hauptprodukte weiterhin beliefern, aber die Produktion spezieller Formulierungen herunterfahren oder temporär aussetzen. Während ein 5W-30 auch bei großer Knappheit wohl zu bekommen sein wird, könnte ein hochwertiges und speziell additiviertes Getriebeöl durchaus einen großen Preissprung machen.

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