E-Auto-Boom mit Nebenwirkungen: GVA fordert Kurswechsel bei der Förderung

Thomas Vollmar, Präsident des Gesamtverbands Autoteile-Handel e.V. (GVA), kritisiert die aktuelle Förderung der Bundesregierung für Elektrofahrzeuge. Die heimischen Autohersteller würden davon kaum profitieren, so sein Vorwurf.
GVA-Präsident Thomas Vollmar. Foto: Ingo Jagels / PSN

Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen im Juni ließ aufhorchen. Erstmals stellten Elektroautos die stärkste Antriebsart dar. Wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mitteilte, wurden im vergangenen Monat exakt 84.057 neue E-Autos zugelassen. Damit lag der Marktanteil der Stromer bei 28,4 %, dicht gefolgt von Hybriden mit 28,1 %. Es folgen Benziner (20,5 %), Diesel (11,4 %) und Plug-in-Hybride (10,9 %). Insgesamt wurden im Juni in Deutschland 296.378 Personenkraftwagen neu zugelassen.

Die Elektrifizierung des Fuhrparks schreitet also voran. Daran hat die Förderung durch die E-Auto-Prämie ihren Anteil. „Das Problem ist jedoch, dass die Bundesregierung sehenden Auges überwiegend nicht die heimische Fahrzeugindustrie, sondern ausländische Marken, die zum Teil ohnehin schon unfaire Wettbewerbsvorteile genießen, mit Steuergeld, das woanders fehlt, fördert“, kritisiert GVA-Präsident Thomas Vollmar.

Tesla profitiert am stärksten

Vollmar bezieht sich mit einer Aussage auf einen Artikel des Handelsblatts, demzufolge die neue Kaufprämie für Elektroautos in erster Linie den Käufern von Fahrzeugen der Marke Tesla zugutekommt. Wie aus einer Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervorgeht, wurden bislang exakt 2.086 Autos des US‑Herstellers bezuschusst.

Auf den weiteren Plätzen folgen der tschechische Autobauer Škoda aus dem Volkswagen‑Konzern mit 1.197 geförderten Autos sowie der französische Hersteller Renault mit 784 Fahrzeugen. Unter den 14 meist geförderten Marken, die das Umweltministerium ausweist, sind mit Volkswagen (593) und BMW (451) nur zwei deutsche zu finden.

Nicht nur Autohersteller betroffen

Das daraus resultierende Problem betrifft nicht nur die großen Marken der deutschen Fahrzeughersteller. Thomas Vollmar: „Das in Deutschland weltweit einmalige Netz an Zulieferern, das 80 Prozent der Komponenten eines Autos entwickelt und produziert, ächzt ebenfalls unter den schlechten Standortbedingungen im Inland. Wenn jedoch zehntausende Arbeitsplätze im Mittelstand verschwinden wird das weniger zur Kenntnis genommen als bei einem großen Konzern.“ Seiner Meinung nach gäbe es bessere Wege, gut bezahlte heimische Arbeitsplätze zu schützen. „Die Bundesregierung verfehlt ihr Ziel und muss dringend umsteuern“, so der GVA-Präsident.

Der GVA habe diesen blinden Aktionismus von Anfang an kritisiert. Vollmar weiter: „Statt Steuergelder sinnvoll einzusetzen, wurden teure Geschenke gemacht, die im besten Fall nichts bringen. Das muss aufhören. Was die deutsche Automobilwirtschaft braucht, sind bessere Rahmenbedingungen, die auch anderen Schlüsselindustrien helfen. Dazu gehören Bürokratieabbau, sinkende Energiepreise und keine weiteren finanziellen Belastungen.“

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