VW Electric Urban Car Family: Vier Modelle, eine Plattform, 150.000 Bestellungen

Volkswagen setzt bei seinen elektrischen Kleinwagen auf eine konsequente Gleichteilstrategie: Vier Modelle der Marken VW, Cupra und Škoda teilen sich mehr als 80 Prozent ihrer Komponenten. Mit knapp 150.000 Bestellungen und ehrgeizigen Marktanteilszielen will der Konzern das europäische Einstiegssegment erobern.
Der ID.Polo ist VWs Einstiegs-E-Fahrzeug und soll verlorenen Boden wieder gutmachen. Dafür setzt VW auf bewährte Bedieung, ein weniger futuristisches Aussehen und hohe Effizienz.
Bild: VW

Volkswagen bündelt die Entwicklung und Fertigung seiner elektrischen Einstiegsmodelle. Der ID. Polo teilt sich mehr als 80 Prozent der Komponenten und Technologien mit drei Schwestermodellen von VW, Cupra und Škoda. Für die vier Fahrzeuge liegen inzwischen knapp 150.000 Bestellungen vor. Mittelfristig strebt der Konzern einen Marktanteil von rund 20 Prozent im europäischen Segment der Elektro-Kleinwagen an.

Der Volkswagen ID. Polo ist Teil der „Electric Urban Car Family“ (EUCF), einer elektrischen Kleinwagenfamilie, die der Konzern auf dem Pariser Autosalon präsentiert hat. Zur Modellfamilie gehören neben dem ID. Polo der Cupra Raval sowie die beiden kompakten Elektro-SUVs Volkswagen ID. Cross und Škoda Epiq. Alle vier Fahrzeuge basieren auf der weiterentwickelten Elektroplattform MEB+ und wurden unter der Leitung von Seat und Cupra markenübergreifend entwickelt.

Zu 80 Prozent baugleiche Konzernbrüder: v.l.n.r.: Curpa Raval, ID.Polo, Skoda Eqip und ID.Cross.
Bild: VW

Der Volkswagen Konzern will durch die gemeinsame technische Basis die Kosten für Entwicklung, Komponentenbeschaffung und Produktion reduzieren. Laut Unternehmensangaben sind mehr als 80 Prozent der Komponenten und Technologien innerhalb der Modellfamilie identisch.
Die Fahrzeuge teilen sich die Frontantriebsarchitektur, wesentliche Bestandteile des elektrischen Antriebsstrangs und die Batterietechnik. Unterschiede gibt es unter anderem bei der Karosseriebauform (und -länge), dem äußeren Design, Teilen der Ausstattung und der Fahrwerksabstimmung.

Gleicher Antrieb für alle Konzernbrüder

Die Antriebseinheit APP290 enthält die E-Maschine, die Untersetzungsstufe sowie das Differential. Bild: VW

Die größte Neuerung des ID. Polo und seiner Brüder ist die verwendete elektrische Antriebseinheit APP290, die auch in weiteren Konzernmodellen zum Einsatz kommt. Die kompakte Antriebseinheit, die Motor, Getriebe und Leistungselektronik verbindet, wurde für den Einsatz in kleineren Elektrofahrzeugen entwickelt und erreicht ein maximales Drehmoment von 290 Newtonmetern.

Die Antriebseinheit der vier Fahrzeuge ist in mehreren Leistungsstufen erhältlich. Das Spektrum reicht von 85 kW (116 PS) über 99 kW (135 PS) bis hin zu 155 kW (211 PS). Für eine sportlichere Variante sind zudem 166 kW (226 PS) vorgesehen. Anders als bei den bisherigen MEB-Fahrzeugen mit Heckantrieb sitzt die Antriebseinheit beim ID. Polo an der Vorderachse. Das macht die Produktion für VW günstiger.

Zudem hat Volkswagen den Aufbau der Antriebseinheit gegenüber älteren elektrischen Antrieben angepasst. So ist der Pulswechselrichter nun in das Antriebsgehäuse integriert. Die Kühlung erfolgt über einen vergleichsweise einfachen Wasserkühlmantel. Im Vergleich zu aufwendigeren Kühlsystemen mit zusätzlicher Ölkühlung reduziert dies die konstruktive Komplexität. Auch die Eigenentwicklung und Fertigung des Wechselrichters soll zur Kostensenkung beitragen.

Einheitszelle und zwei Batterievarianten

MEB+ Batteriesystem der MNC-Batterie (52 kWh) Bild: VW

Weitere Synergien ergeben sich aus der gemeinsamen Batterietechnik. Die Fahrzeuge der „Electric Urban Car Family” nutzen die neue Einheitszelle der Volkswagen-Tochter PowerCo. Polo kommt sie in Verbindung mit der Cell-to-Pack-Technologie zum Einsatz. Dabei werden die Batteriezellen ohne separate Modulgehäuse direkt im Batteriepack zusammengefasst. Das reduziert den Bauraum und den Materialaufwand, macht eine Reparatur durch den Austausch einzelner Zellen der Hochvoltbatterie jedoch bedeutend schwerer bis unmöglich.

Für die neue Kleinwagenserie stehen zwei Batterievarianten zur Verfügung. Die kleinere Ausführung nutzt Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP) und verfügt über einen Netto-Energiegehalt von 37 kWh. Die größere Batterie mit Nickel-Mangan-Kobalt-Chemie (NMC) bietet 52 kWh. Die ursprünglich angegebenen Reichweiten liegen bei rund 300 bzw. bis zu 450 Kilometern.

Die AC-Ladeleistung beträgt bei beiden Batterievarianten 11 kW. An DC-Schnellladesäulen sind je nach Batterie bis zu 90 bzw. 130 kW möglich. Für den Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent wurden rund 27 bzw. 23 Minuten prognostiziert.

Batterie- und Ausstattungsvarianten schränken Motorauswahl ein

Motoren, Batteriegröße und Ausstattungslinie lassen sich nicht frei komibinieren. Bild: VW

Anders als früher schränkt auch VW seit einigen Jahren die freie Kombination von Antrieb, Batterie und Ausstattung ein. So kann die kleinere 37-kWh-LFP-Batterie ausschließlich mit der 85-kW-(116-PS)- und der nächststärkeren 99-kW-(135-PS)-Variante kombiniert werden, während der 52-kWh-NMC-Akku dem Topmodell mit 155 kW (211 PS) vorbehalten ist.

Ähnlich verhält es sich mit den Ausstattungsvarianten: Auch hier können nur die beiden unteren Linien „Trend” und „Life” mit der kleinen Batterie kombiniert werden. Wer die Topausstattung „Style” möchte, muss mindestens den mittleren Motor oder den größeren Akku kaufen. Zwar kann dieser auch schneller laden (105 kW vs. 90 kW), jedoch unterscheiden sich das Verhalten von LFP- und NC-Batteriezellen stark:

So können LFP-Batterien auch über einen längeren Zeitraum mit 100 % Ladung geparkt werden, bieten jedoch weniger Spitzenleistung bei Ladung und Entladung. MNC-Zellen bieten eine deutlich höhere Leistungsfähigkeit, sind jedoch brandgefährlicher und sollten nicht über einen längeren Zeitraum mit mehr als 80 Prozent Ladung geparkt werden, um eine vorzeitige Alterung der Batterie zu vermeiden.

Produktion an zwei spanischen Standorten

Die Karosseriestruktur des ID.Polo. Bild: VW

Auch bei der Fertigung setzt Volkswagen auf Bündelung. ID. Polo und Cupra Raval werden im spanischen Werk Martorell bei Barcelona produziert. Die beiden SUV-Brüder VW ID. Cross und Škoda Epiq werden in Pamplona produziert. Damit konzentriert der Konzern die Produktion seiner vier elektrischen Einstiegsmodelle auf Spanien.

Knapp 150.000 Bestellungen – 20 Prozent Marktanteil als Ziel

Für die vier Modelle der „Electric Urban Car Family” sind nach Angaben des Volkswagen-Konzerns inzwischen knapp 150.000 Bestellungen eingegangen. Bereits im September hatte Volkswagen mehr als 30.000 Bestellungen allein für den ID. Polo gemeldet. Die hohe Nachfrage führte zu längeren Lieferzeiten, da die Produktionskapazitäten in Martorell zunächst begrenzt waren.

Mit der gemeinsamen Modellfamilie möchte Volkswagen das europäische Segment der elektrischen Kleinwagen und kompakten SUVs stärker erschließen. Mittelfristig strebt der Konzern dort einen Marktanteil von rund 20 Prozent an und will eigenen Angaben zufolge jährlich mehrere hunderttausend Einheiten der elektrischen Kleinwagen absetzen.

Einstiegspreis unter 25.000 €

Der Innenraum soll sich wieder stärker an den gewohnten VW-Qualitäten orientieren. Physikalische Schalter sind ebenso zurück wie ein klares Multimediakonzept. Bild: VW

Für den bisherigen Markterfolg spielt der Einstiegspreis eine zentrale Rolle. Für den ID. Polo liegt dieser in der Basisversion unter 25.000 Euro. Die gemeinsame Plattform, hohe Stückzahlen und standardisierte Komponenten sollen eine wirtschaftliche Produktion von Elektrofahrzeugen in diesem Preissegment ermöglichen. Ebenso stehen die Fahrzeuge für eine neue Ausrichtung der Elektromobilität bei VW. Während sie unter Herbert Diess stets als solche zu erkennen waren und von der Fachpresse sowie Käufern für ihre spartanischen Innenräume kritisiert wurden, zieht Oliver Blume mit der aktuellen Generation auf Angleichung und dürfte damit vielen Kundenwünschen entsprechen.

Die bisherigen Bestellzahlen für die neue Modellfamilie sind vielversprechend und ein starkes Zeichen im Kampf gegen die Flut chinesischer Autos. Ob Volkswagen die angestrebten Stückzahlen und Kostenvorteile erreicht, wird sich in den kommenden Monaten und Jahren zeigen. Der Anfang ist gemacht, der ID.Polo und seine Brüder haben wieder das Zeug zum Volkswagen.

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