Fahrzeugankauf: Carly Vista soll versteckte Defekte finden

Über 60 Prozent der Gebrauchtwagen weisen laut einer Studie der Münchner Car-Tech-Firma Carly Fehlercodes auf. Ein neues System soll Händlern jetzt konkrete Infos zu Zustand und Reparaturbedarf liefern.
Foto: Ingo Jagels / PSN

Verborgene Defekte, schwer kalkulierbare Reparaturkosten und begrenzte Möglichkeiten bei der Fehlerdiagnose machen den Ankauf von Gebrauchtwagen für Händler immer wieder zum Risikogeschäft. Gleichzeitig stoßen herkömmliche, im freien Markt verfügbare Diagnosemethoden immer wieder an ihre Grenzen. Mit „Carly Vista“ stellt die Münchner Car-Tech-Firma Carly nun eine Lösung vor, die Fahrzeugdaten auf OEM-Niveau auswertet und daraus konkrete Handlungsempfehlungen für den Fahrzeughandel ableitet.

Die Plattform soll Gebrauchtwagenhändlern helfen, Reparaturkosten besser einzuschätzen, Risiken beim Ankauf transparenter zu machen und Preisentscheidungen fundierter zu treffen. Gleichzeitig macht Carly seinen Bestand an Fahrzeugdaten der Fahrzeughersteller erstmals auch über eine API-Schnittstelle als kommerzielles Produkt für B2B-Partner zugänglich. Eine zusätzliche Hardware oder das physische Auslesen des Fahrzeugs sind nicht erforderlich.

Fehlercodes keine Seltenheit

Wie wichtig die sorgfältige Fehleranalyse vor dem Ankauf ist, zeigt ein Pilotprojekt von Carly: Von den insgesamt gescannten 26 Fahrzeugen unterschiedlicher Marken der Baujahre 2012 bis 2025 wiesen 61 Prozent Fehlercodes auf. Der durchschnittliche Reparaturbedarf lag bei rund 833 Euro. Bei 17 Prozent der Fahrzeuge bestand unmittelbarer Reparaturbedarf, um Folgeschäden zu vermeiden.

Besonders häufig traten Probleme im Bereich Elektrik auf, gefolgt von Infotainment- und Telematiksystemen. Carly zufolge steigen die Reparaturkosten vor allem dann deutlich an, wenn mehrere Systeme wie Elektronik, Fahrerassistenzsysteme und Sicherheitsfunktionen gleichzeitig betroffen sind.

„Risiken im Ankauf werden deutlich transparenter, Margen lassen sich präziser kalkulieren und unerwartete Kosten reduzieren“, sagt Avid Avini, CEO von Carly. „Gleichzeitig ermöglicht die datenbasierte Zustandsbewertung eine objektivere Preisargumentation gegenüber Kunden und schafft Vertrauen im Verkaufsprozess. Prozesse wie Fahrzeugprüfung, Aufbereitung und Weiterverkauf können dadurch effizienter und standardisierter ablaufen.“

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