Neue Märkte, breiteres Sortiment: Triscan und APA bündeln ihre Kräfte

Im Dezember 2025 wechselte Triscan den Eigentümer. Die Anteilseigner des bislang inhabergeführten Unternehmens veräußerten ihre Anteile an die US-amerikanische APA Industries, ein Portfolio-Unternehmen des Finanzinvestors Riverarch Equity Partners.
Alter und neuer CEO Michael Juul Hansen sprach mit Parts&Service News über die Veränderungne im Unternehmen. Foto: Triscan

Die langjährigen Gründer und Wegbegleiter John Blom Iversen und Bente Jørgensen haben sich im Zuge des Verkaufes operativ und finanziell weitgehend zurückgezogen. Der verbleibende CEO Michael Juul Hansen sorgt durch seine erneute Beteiligung für Kontinuität im operativen Geschäft unter dem neuen Dach von APA Industries. Für APA Industries hingegen ist die Übernahme von Triscan der Markteintritt in Europa. Mit den drei bestehenden Lagerstandorten in Brabrand (Unternehmenshauptsitz), Glostrup(ebenfalls Dänemark) und Iserlohn (Deutschland) ist das Unternehmen logistisch gut aufgestellt.

Hauptsitz des Unternehmens im dänischen Braband. Foto: Triscan

Künftig wollen die beiden Unternehmen neue Produktgruppen und Märkte über Cross-Selling erschließen. Dazu hat Triscan die Komponenten aus dem APA-Produktportfolio ermittelt, für die das Unternehmen in Europa einen Markt und Bedarf sieht: ÜRO Parts (für europäische Fahrzeuge) und Autotecnica (für asiatische Fahrzeuge). Diese Teile werden hierzulande künftig unter der Marke Triscan Select angeboten. Gleichzeitig erhält A.P.A. Zugriff auf das riesige Triscan-Sortiment von über 50.000 Artikeln (u. a. Bremsen, Lenkung, Sensorik und EV-Komponenten), um diese, wo passend, auch in den Vereinigten Staaten anzubieten. Auch das Sourcing soll künftig gemeinsam stattfinden, um Synergieeffekte zu nutzen und Skaleneffekte bei der Beschaffung zu erzielen.

Ende des Autoglas-Geschäfts

Mit der Übernahme und der strategischen Neuausrichtung geht auch ein Teil der Firmengeschichte zu Ende. Im Jahr 2021 hatte Triscan ein Drittel der Geschäftsanteile des ebenfalls dänischen Autoglasspezialisten Wibotec A/S übernommen und die Produkte über die eigenen Kanäle an freie Werkstätten und den Teilehandel vertrieben. Da die Anteile von Wibotec nur bei der Triscan Manufacturing A/S und nicht bei der Triscan Holding A/S lagen, war das Glasgeschäft von der Übernahme nicht betroffen. Wibotec kaufte daraufhin die Anteile der Triscan-Beteiligung zurück und ist seit dem 1. Juni 2026 wieder unter der alten und neuen Geschäftsadresse Poul Larsens Vej 10C, 8600 Silkeborg, zu finden.

Neue Produktgruppe „Triscan Select“

Links die OEM-Ölwanne aus Kunststoff, die bei jedem Filterwechsel getauscht werden muss, rehcts das Triscan-Select-Teil aus Aluminium mit austauschbarem Filterelement. Foto: Triscan

Die dadurch freigewordene Lagerfläche im Hauptlager in Braband will das Unternehmen nutzen, um die Produkte des „Triscan Select“-Portfolios – dem ersten Gemeinschaftsprodukt mit APA Industries – auf dem europäischen Markt anzubieten. Dabei handelt es sich um Komponenten, die ausgehend vom Originalteil verbessert wurden. So bietet man etwa Aluminiumölwannen oder -saugrohre an, die die Originalteile aus Kunststoff ersetzen. Letztere entwickeln sich bei zunehmendem Fahrzeugalterhin zu Fehlerquellen, die oftmals nur durch gleichteile ersetzt werden können. Mit den „Select“-Teilen und deren Materialauswahl möchte  Triscan hier dauerhafte Abhilfe schaffen.

Parts & Service News hat beim Triscan-CEO Michael Juul Hansen nachgefragt, wie er die Neuausrichtung des Unternehmens bewertet:

Welche strategische Rolle spielt Triscan künftig innerhalb des neuen US-Eigentümers A.P.A. Industries – und wie verändert sich dadurch die Positionierung des Unternehmens im europäischen Aftermarket?

Michael Juul Hansen: A.P.A. Industries war von der Gründung im Jahr 1984 bis 2023 ein familiengeführtes Unternehmen, das noch heute von den beiden Söhnen geleitet wird. Nicht nur in dieser Hinsicht, sondern auch in Bezug auf die Unternehmensgröße ähneln wir uns. Ein Punkt, in dem wir uns unterscheiden, ist die Produktstrategie. Parallel zum alltäglichen Geschäft wird Triscan hier die Rolle spielen, die Produktstrategie von A.P.A. Industries unter Triscan SELECT erfolgreich im europäischen Aftermarket einzuführen. Somit wird die Positionierung von Triscan im europäischen Aftermarket erweitert und gestärkt.   

Wie wird sich das Produktportfolio durch die Übernahme verändern: Welche Produktgruppen sollen ausgebaut werden, welche neuen Bereiche kommen hinzu und wo sehen Sie künftig die größten Wachstumschancen?

Michael Juul Hansen: Das Triscan-Produktportfolio wird kontinuierlich weiterentwickelt. Beispiele von Produktgruppen, die wir in den letzten Jahren erfolgreich eingeführt und seither kontinuierlich erweitert haben, sind Schläuche für Klimaanlagen und Servolenkungen, Bremssättel, Starter und Generatoren, Abgastemperatursensoren sowie Teile für Elektrofahrzeuge. Neu hinzugekommen und auf der Automechanika präsentiert wurden: – Niveausensoren zur Einstellung von Fahrwerk und Scheinwerfern sowie – Führungsrohre für Handbremsseile. Parallel dazu wird jetzt das Triscan-SELECT-Portfolio eingeführt, das ebenfalls laufend erweitert wird. Neben einem großen Wachstum mit Triscan SELECT erwarten wir auch Wachstum in den oben genannten Triscan-Produktgruppen. 

Welche konkreten Vorteile sollen Kunden von der neuen Aufstellung spüren – etwa bei Sortimentstiefe, Verfügbarkeit, Logistik, Preisgestaltung oder der Einführung neuer Produkte?

Michael Juul Hansen: Am einfachsten ist es, Erfolg zu erzielen, wenn man es schafft, in der gesamten Wertschöpfungskette – vom Großhändler über die Werkstatt bis hin zum Autobesitzer – einen Mehrwert zu erzeugen. Das war schon immer das Ziel von Triscan – und das ist mit Triscan SELECT nicht anders. Mit der neuen Aufstellung sind wir noch stärker im Markt vertreten.

Bei den klassischen Triscan-Produktgruppen bleiben wir dabei, die gewohnte Sortimentstiefe anzubieten, was auch bei Topmotive positiv bemerkt wird. Mit Triscan SELECT liegt der Fokus dagegen auf der Produktbreite. Hier bieten wir in einer großen Anzahl von Produktgruppen eine relativ kleine Auswahl von verbesserten Ersatzteilen, die wir als Erste auf den Markt bringen, oder Lösungen, die der Werkstatt und dem Autobesitzer Zeit und Kosten sparen.

Wir haben immer großes Lob für unsere Verfügbarkeit erhalten, und daran wird sich nichts ändern, was auch für unsere Logistik gilt. Bei der Preisgestaltung bleiben wir eine attraktive Alternative zu Originalteilen. Mithilfe einerKombination aus BI (Business Intelligence) und KI (Künstliche Intelligenz) können wir viel schneller auf Preisänderungen im Markt reagieren und somit mit den Mitbewerbern Schritt halten. Basierend auf Marktanalysen und Kundengesprächen bleiben wir dabei, Produktgruppen und Produkte einzuführen, von denen wir überzeugt sind, dass sie in der Wertschöpfungskette einen Mehrwert erzeugen.

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