„Reisemobilkunden brauchen heute viel mehr Bedenkzeit“

Kaufzurückhaltung und neue Ausstattungswünsche prägen den Reisemobilmarkt. Marco Lange, Geschäftsführer für Marketing und Vertrieb bei La Strada, spricht über aktuelle Kundentrends, technische Grenzen und die Perspektiven des Caravanings.
Marco Lange ist Geschäftsführer für Marketing und Vertrieb bei der Reisemobilmanufaktur La Strada. Foto: La Strada via Autoren-Union Mobilität

Nach vielen aufeinanderfolgenden Rekordjahren sind die Verkaufszahlen der Caravaning-Branche ins Stottern gekommen. Marco Lange, Geschäftsführer für Marketing und Vertrieb der Reisemobilmanufaktur La Strada, erklärt im Interview, warum er trotzdem fest an die Zukunft dieser Urlaubsform glaubt und welche Entwicklungen zur Zeit zu beobachten sind.

Herr Lange, wie war die Resonanz für La Strada beim Caravan Salon in Düsseldorf?

Marco Lange: „Wir haben, abgesehen vom ersten Wochenende, mit vielen sehr interessierten Besuchern Gespräche geführt und sind mit dem Messe-Ergebnis durchaus zufrieden. Allerdings zeichnen sich auch Tendenzen ab, die nicht so viel Hoffnung machen. Ich habe neulich mit einem unserer Handelspartner Kontakt gehabt und gefragt, wo die Urlaubsreise in diesem Jahr hinführt. Da sagte man mir, man stünde an der Ostseeküste. Also kaum 50 Kilometer vom Heimatort entfernt. Wenn man dieses Verhalten hinterfragt, findet man die Antwort auf der Preisangabe an den Zapfsäulen.“

Ist eine Kaufzurückhaltung wegen unsicherer Zukunftsaussichten zu verzeichnen?

Lange: „Also ganz klar, die Tinte im Kugelschreiber ist dickflüssiger geworden und schreibt nicht mehr so schnell. Die Kunden brauchen viel mehr Bedenkzeit, sie vergleichen und verhandeln. Das betrifft aber nicht nur unsere Branche, alles was in Deutschland auf motorisierten Rädern steht, muss aktuell eine gewisse Kaufzurückhaltung verarbeiten. Wer aber am meisten leidet ist der Handel. Denn viele Hersteller der Automobil- und Caravaning-Branche kämpfen mit der Qualität der digitalen Assistenten in den neuen Fahrzeugen. Am Ende müssen die Werkstätten die Garantieleistungen übernehmen.“

Die la strada Fahrzeugbau GmbH wurde 1986 von zwei Campervan-Enthusiasten gegründet und hat sich seither zu einer Premium-Manufaktur für Reisemobile entwickelt. Foto: La Strada via Autoren-Union Mobilität

Ändern sich die Ansprüche der Kunden? Beim Komfort oder beim Gas als Energieträger?

Lange: „Klar erkennbar ist, dass sich die Streaming-Angebote bei der TV-Unterhaltung im Urlaub immer mehr durchsetzen und dabei sind, den klassischen Satellitenempfang zu verdrängen. Die Internetantenne auf dem Dach ist mechanisch robuster als eine Schüssel, außerdem leichter. Bei den Heizungen nimmt der Anteil von Systemen, die mit Diesel betrieben werden, stetig zu, damit wird das gasfreie Reisemobil möglich. Der elektrische Kompressorkühlschrank ersetzt den gasbetriebenen Absorber, gekocht werden kann dank leistungsstarker Lithium-Batterien und Wechselrichter auf Induktionskochfeldern.

Allerdings müssen Camper akzeptieren, dass auch der kräftigste Akku den Ansprüchen des engagiert kreierenden Hobby-Kochs Grenzen setzt. Landstromanschluss ist dafür dann eben doch notwendig. Das gilt auch für Klimaanlagen, die aufgrund der heißen Sommermonate immer häufiger bestellt werden. Da hat sich die Nachfrage in den letzten beiden Jahren mehr als verdoppelt.“

Wie steht es um die Elektromobilität beim Caravaning?

Marco Lange: „Nein, ein rein elektrisch angetriebenes Reisemobil wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Um eine akzeptable Reichweite zu bekommen, brauchen man eine große Batterie, das bedingt zum Beispiel bei unseren Kastenwagen einen langen Radstand und dann reicht auch die angestrebte Führerschein-Gewichtsgrenze von 4,25 Tonnen nicht aus, um eine halbwegs passable Zuladung zu erlauben. Außerdem gibt es keine angemessenen Lademöglichkeiten. Bei den heutigen Stationen reicht das Platzangebot nicht aus. Wir bei La Strada waren schon immer experimentierfreudig was alternative Antriebe angeht, wir haben LPG- und Erdgasmotoren ausprobiert, aber kein Modell hat die Erwartungen erfüllt. Für ein Elektromobil braucht man keine Prototypen, da zeigen schon die Computerberechnungen, dass dies eine Sackgasse ist.“

Bleibt der Allradantrieb ein Evergreen unter den Extraausstattungen?

Lange: „Ja, dieser Trend ist ungebrochen. Er hilft in Notsituationen und gerade beim Sprinter, den wir als Regent und Nova fast ausschließlich in der Allradversion verkaufen, sieht das mit der Höherlegung und vernünftigen 18-Zoll-Rädern auch gut aus. Im Pkw-Markt ist das ja genau so, da fahren viele ein SUV, obwohl sie den Allradantrieb im Grund nicht brauchen.“

Am Firmensitz im hessischen Echzell entstehen mit einem eingespielten Team aus Fachleuten hochwertige Reisemobile. Foto: La Strada via Autoren-Union Mobilität

La Strada ist berühmt für den Variantenreichtum bei der Innenraumausstattung. Da gibt es die Ledervariante „Hai“, die Klappenversion „Softwhite“ oder das Korpusdekor „Curry“. Wie viele Kunden bestellen diese exotischen Kombinationen?

Lange: „Der Kundenwunsch ist uns immer Befehl, es gab eine Zeit, das wurde sehr viel Weiß nachgefragt, auf der Messe hatten wir ein Fahrzeug mit roten Leder, kürzlich haben wir eines mit orangefarbenem Leder ausgeliefert. Aktuell stehen „Eiche hell“ oder „Eiche natur“ hoch im Kurs, gerne kombiniert mit hellen Klappenvarianten. Das liegt aber meist sehr am Alter der Kunden.“

Wie schätzen Sie die Marktlage des Caravaning im Jahr 2036 ein?

Lange: „Die Urlaubsform Caravaning wird weiter gehen. Da bin ich ganz sicher. Ganz wesentlich hängen die Reisemöglichkeiten natürlich mit der allgemeinen Sicherheitslage zusammen, mehr Miteinander als Gegeneinander würde ich mir deshalb wünschen. Technische Weiterentwicklungen und die Entwicklung der Kosten und Infrastruktur wage ich nicht vorherzusagen, aber Caravaning wird auch 2036 eine sehr beliebte Urlaubsart sein.“ (aum)

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