
Die 2012 auf den Markt gekommenen 1,2-Liter-Dreizylinder-PureTech-Motoren galten als moderne und sparsame Antriebe. Sie wurden in zahlreichen Modellen der Marken Peugeot, Citroën und DS Automobiles eingesetzt und später auch bei Opel. Was als Downsizing-Erfolgsgeschichte begann, entwickelte sich für den Stellantis-Konzern zu einem Desaster.
In einem Interview mit der französischen Tageszeitung Le Parisien vom 10. Oktober 2026 hat Stellantis-Chef Antonio Filosa sein Bedauern über die Probleme, mit denen zahlreiche Fahrzeughalter konfrontiert waren, öffentlich zum Ausdruck gebracht. Er entschuldigte sich bei den betroffenen Kunden für die Probleme der Vergangenheit und kündigte eine Verbesserung der Fahrzeugqualität an.
Zahnriemen im Ölbad als Schwachstelle



Vor allem die früheren Generationen des 1,2-Liter-PureTech-Motors haben dem Aggregat einen zweifelhaften Ruf in puncto Zuverlässigkeit eingebracht. Bei diesen Motoren wird der Steuertrieb von einem im Motoröl laufenden Zahnriemen angetrieben. Diese Konstruktion sollte Reibungsverluste und Geräusche reduzieren.
In der Praxis erwies sich das System jedoch als extrem anfällig: Kraftstoffeintrag, falsches Öl, überzogene Ölwechselintervalle und Bioanteile des Kraftstoffs ließen die Riemen vorzeitig verspröden. Es lösten sich Fasern und ganze Zähne aus den Riemen, die das Sieb der Ölpumpe zusetzten und so schwerere Motorschäden verursachten.
Auch die PureTech-Motoren der ersten Generation litten unter erhöhtem Ölverbrauch, der durch Verkokung und Festbacken der Kolbenringe verursacht wurde. Besonders die 110/130-PS-Variante mit Direkteinspritzung steht hier im Fokus der Kritik. Die sehr kleinen Ablaufbohrungen der Kolbenringe neigen zum Zusetzen, was zu einem erhöhten Ölverbrauch führt. Abhilfe schafft nur der Austausch der Kolbenringe und der kompletten Kolben. In seltenen Fällen konnten Nutzer mit Premium-Kraftstoff und Additiven Erfolge erzielen.
Rund fünf Millionen Motoren im Umlauf

Foto: Stellantis
Für Stellantis wiegt besonders schwer, dass der PureTech-Motor über ein Jahrzehnt hinweg in einer großen Zahl unterschiedlicher Fahrzeuge zum Einsatz kam. So feierte das Unternehmen 2019 das Produktionsjubiläum von 3,8 Millionen Motoren nach sieben Jahren. Entsprechend gehen Schätzungen davon aus, dass die Fünf-Millionen-Marke bereits geknackt wurde.
Nach gut zehn Jahren lenkte der Konzern 2023 endlich ein und und trennte sich vom Zahnriemen unter Öl. Auf Grund der gemachten Erfahrungen soll die künftige Generation des Einstiegsbenziners nun über eine Steuerkette statt eines Zahnriemens verfügen.
Markenübergreifender Imageschaden
Die Haltbarkeit des Motors beeinflusst nicht nur die Zufriedenheit bestehender Kunden, sondern auch die Kaufentscheidungen potenzieller Interessenten und Gebrauchtwagenkäufer. Daher sah sich der Konzern 2025 dazu gezwungen, die Kulanzregelung für die PureTech-Motoren auszuweiten.
Leidet ein Fahrzeug unter übermäßigem Ölverbrauch und/oder vorzeitigem Verschleiß des Zahnriemens übernimmt der Stellantiskonzern unter bestimmten Bedingungen bis zu 100% der Kosten für Teile und Arbeit für bis zu 10 Jahre oder 180.000 Kilometer.
Doch auch diese Regelung kann das verlorene Vertrauen vieler Autofahrer nicht zurückgewinnen. Schließlich wurden viele Fahrzeuge teuer repariert, bevor die großzügige Kulanzregelung geschaffen wurde. Gerade auf dem Gebrauchtwagenmarkt überschatten mögliche Reparaturrisiken die Nachfrage und drücken die erzielbaren Verkaufspreise – aus dem Aushängeschild ist ein Makel geworden.
Konzernchef Filosa erklärte im Gespräch mit „Le Parisien”, dass der Konzern erhebliche Mittel in die Verbesserung der Qualität investiert habe. Laut dem Stellantis-Chef arbeiten inzwischen rund 100 Teams daran, mögliche Qualitätsprobleme frühzeitig zu erkennen und zu beheben. So sollen Schwierigkeiten künftig erkannt werden, bevor sie eine große Anzahl von Fahrzeugen betreffen.
Entschuldigung allein wird nicht ausreichen
Die öffentliche Entschuldigung des Konzernchefs ist ein mutiger Schritt. Sie verdeutlicht, dass die Folgen der PureTech-Problematik inzwischen als Vertrauenskrise im gesamten Stellantis-Konzern beziehungsweise in seinen Marken betrachtet werden. Für viele betroffene Fahrzeughalter wird jedoch entscheidend sein, wie sich das Unternehmen künftig bei Reparaturen, Kulanzanträgen und möglichen Folgeschäden verhält.
