
Rottner verfügt über langjährige Erfahrung in Vertrieb, Geschäftsentwicklung, Strategie und E-Commerce im internationalen Automotive Aftermarket. Vor seinem Wechsel zu Bilstein war er mehr als 16 Jahre bei Mann+Hummel tätig und übernahm dort Führungspositionen in Key Account Management, Vertriebsstrategie und E-Commerce. Zuletzt verantwortete er als Director Strategy, Business Development and New Channels die strategische Geschäftsentwicklung und den Aufbau neuer Vertriebskanäle. Mehrjährige Erfahrung im Asia-Pacific-Geschäft ergänzt sein internationales Profil.
Zuvor war Rottner als Project Leader bei der Mercedes-Benz technology Consulting GmbH tätig und sammelte dort umfassende Erfahrung in der Prozessberatung sowie in internationalen Beratungsprojekten. In seiner neuen Funktion berichtet Rottner an Simon Frick, President Aftermarket Group bei thyssenkrupp Automotive.
Herr Rottner, welche strategischen Schwerpunkte wollen Sie in Ihrer neuen Position als Senior Vice President Aftermarket Europe & RoW setzen – und wo sehen Sie aktuell das größte Wachstumspotenzial?
Sven Rottner: Bilstein ist mit seiner Markenpositionierung, den verfügbaren Technologien und dem OE-Hintergrund einer der führenden Fahrwerksspezialisten – im Seriengeschäft und im Automotive Aftermarket. Mit unseren Premiumprodukten bedienen wir den gesamten Lebenszyklus: von Serienersatzstoßdämpfern in Erstausrüsterqualität über Hochleistungsdämpfer bis hin zu den hochwertigen Sport- und Gewindefahrwerken zur Fahrwerkoptimierung.
Der Fahrzeugbestand wird älter und die Fahrzeuge werden schwerer – ein Trend, der durch die schweren Batterien in Elektrofahrzeugen noch weiter zunimmt – damit bleibt der Ersatzbedarf an Fahrwerksteilen hoch. Trotz des starken, preisaggressiven Wettbewerbs wollen wir weiterwachsen. Dafür setzen wir auf ein technisch führendes, wettbewerbsfähiges Produktprogramm.
Die Präsenz in den Märkten ist entscheidend, denn der Servicelevel wird im Aftermarket immer wichtiger: Die Produkte werden komplexer, und schnelle Verfügbarkeit ist ein zentraler Erfolgsfaktor. Es ist unser technisches Know-how, das uns vom Wettbewerb abhebt. Deshalb ist uns der Wissenstransfer in die Werkstätten besonders wichtig – dafür steht die Bilstein Academy mit ihren Schulungsangeboten. Unsere weltweite Händlerbasis sorgt zudem für eine zuverlässige Belieferung der Werkstätten.
Auch die Digitalisierung unserer Produkte treiben wir weiter voran: Im Rahmen unserer Qualitätsstrategie führen wir eine neue Lösung ein, die Werkstätten und Handel den Zugang zu technischen Produktinformationen erleichtern soll: QR-Codes auf Produkten und Verpackungen führen die Werkstatt direkt zu individuellen Produktseiten mit technischen Daten, Einbauanleitungen und weiteren Dokumenten.
Sie kommen aus den Bereichen E-Commerce, Strategie und neue Vertriebskanäle. Welche Rolle werden Digitalisierung und E-Commerce künftig in der Aftermarket-Strategie von thyssenkrupp Automotive spielen?
Sven Rottner: Digitalisierung ist für uns ein wesentlicher Bestandteil der Wachstums- und Wettbewerbsstrategie. Neben den internen Prozessen wird auch die Zusammenarbeit mit den Kunden weiterentwickelt. Intern bedeutet das einen höheren Automatisierungsgrad, intelligente Datennutzung und schnellere Entscheidungsprozesse. Wir unterstützen unsere Kunden aktiv bei der digitalen Transformation. Im Fokus stehen die Systemintegration für Echtzeitdaten und die gemeinsame Prozessoptimierung – von der Teileidentifikation bis zur Bestandssteuerung.
Wir verstehen E-Commerce als Teil eines vernetzten Aftermarket-Ökosystems. Unser Ziel ist es, digitale Marktpotenziale gemeinsam mit unseren Distributionspartnern zu erschließen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Wir sind somit gerüstet, unsere Kunden unabhängig vom Vertriebskanal fachgerecht zu bedienen. Insbesondere die partnerschaftliche Zusammenarbeit an dieser Stelle ist für uns von großer Bedeutung.
Der Automotive Aftermarket verändert sich durch neue Antriebstechnologien, einen alternden Fahrzeugbestand und veränderte Vertriebswege. Welche dieser Entwicklungen wird das Geschäft in den kommenden Jahren aus Ihrer Sicht am stärksten prägen – und wie wollen Sie darauf reagieren?
Sven Rottner: Am stärksten prägt unser Geschäft die wachsende technische Komplexität moderner Fahrzeuge – etwa der Trend zu adaptiven Fahrwerken und der steigende Anteil von Fahrzeugen mit Luftfederung. Die E-Mobilität verstärkt diesen Trend, denn Elektrofahrzeuge sind schwerer und rollen leiser ab. Da die Fahrwerksgeräusche dadurch stärker wahrnehmbar sind, ist hier eine hohe Qualität aller Bauteile gefordert.
Für den Aftermarket heißt das: Der Bedarf an technischem Know-how und Produkttraining steigt weiter. Gleichzeitig nimmt der Kostendruck im Markt zu, verstärkt durch die Inflation, die Handel und Endkunden gleichermaßen trifft. Wir bieten sämtliche Fahrwerkstechnologien an – vom konventionellen Stoßdämpfer bis zum adaptiven Dämpfersystem – in Premiumqualität und zu einem wettbewerbsfähigen Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Werkstätten unterstützen wir mit Schulungen und technischem Support, damit sie auch diese Systeme sicher diagnostizieren und reibungslos tauschen können.

