
Vor nicht einmal drei Jahren wurde das umstrittene Ziel beschlosschen, nun erfolgt die Kehrtwende. Deutschland und Frankreich haben sich auf einen Kurs zur Lockerung des ab 2035 geplanten Verbrenner-Verbots in der EU verständigt. Die Automobilindustrie und der Autohandel begrüßen die Initiative, sehen jedoch weiteren Handlungsbedarf.
Im Mittelpunkt der Einigung steht die geplante Absenkung des CO₂-Reduktionsziels für Neuwagen ab 2035 von 100 auf 90 Prozent. Eigentlich waren 100 Prrzent Absenkung, und damit das faktische Verbrennerverbot beschlossen ab 2035 vorgesehen. Nun könnten unter bestimmten Voraussetzungen auch nach 2035 Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor neu zugelassen werden.
Die Anpassung des ambitionie Klimaschutzplans erfolgt in wirtschaftlich angespannten Zeiten: Das Neuwagengeschäft mit China ist beinahe zusammengebrochen, während das Land der Mitte mit seiner Überproduktion hierzulandeden Markt flutet.
Tritt die Einigung wie geplant in Kraft, könnten insbesondere Plug-in-Hybride künftig stärker berücksichtigt werden, da sie auf das 90-Prozent-Ziel einzahlen. Gleichzeitig fordert die Industrie verlässliche Rahmenbedingungen, um Investitionen und Arbeitsplätze in Europa langfristig zu sichern.
Batterien sollen ab 2028 aus Europa stammen

Im Kampf um die heimische Industrie und gegen die Vormachtstellung Chinas greift die neue Regelung stark in den freien Wettbewerb ein: Der Vorschlag sieht vor, dass die Batterzellen einer Traktionsbatterie ab 2028 aus der EU stammen sollen. Der VDA fordert jedoch eine längere Übergangsfrist bis 2031, um die ambitionierten Ziele umzusetzen.
Damit rückt das Ziel einer Batterie-Kreislaufwirtschaft näher, in der Lithium und seltene Erden aus gebrauchten Hochvoltbatterien zurückgewonnen werden. Zahlreiche Start-ups und Unternehmen arbeiten derzeit an entsprechenden Lösungen und erhoffen sich, mit ihren Geschäftsmodellen von der Regulierung zu profitieren.
Ausnahme für Fahrzeuge mit erneubaren Kraftstoffen geplant

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) bewertet die deutsch-französische Verständigung als wichtiges Signal für den europäischen Automobilstandort. VDA-Präsidentin Hildegard Müller begrüßt die stärkere Technologieoffenheit, fordert jedoch weitere Anpassungen der CO₂-Vorgaben.
Der Verband betont besonders die Berücksichtigung von Fahrzeugen, die ausschließlich mit erneuerbaren Kraftstoffen betankt werden und als Null-Gramm-Fahrzeuge (VEEF) gelten. Diese dürfen nach dem Willen beider Länder auch nach 2035 neu zugelassen werden. Die seinerzeit als Technologieoffenheit bezeichnete Klausel soll die Chance eröffnen, Wasserstoff, eFuels oder andere aus erneuerbaren Quellen gewonnene Treibstoffe nutzbar zu machen.
Entscheidung auf EU-Ebene steht noch aus
Die deutsch-französische Einigung ist vor allem ein politisches Signal. Damit der Vorschlag in Kraft treten kann, müssen sowohl das Europaparlament als auch der Rat der EU-Mitgliedstaaten zustimmen.
Für die Automobilbranche könnte der Vorstoß dennoch einen wichtigen Wendepunkt darstellen. Auch wenn die Absatzzahlen von E-Fahrzeugen derzeit hoch sind, liegen sie noch immer deutlich unter 40 % aller Neuwagenverkäufe. Bis alle Anforderungen der Anwender erfüllt sind, wird noch mindestens eine Generation an Fahrzeugen ins Land gehen. Bei derzeitigen Produktzyklen von etwa sieben Jahren wäre dies kurz vor oder in den frühen 2030er Jahren.

