Daimler Truck: 1000 km Reichweite mit flüssigem Wasserstoff

Der NextGenH2 geht in (Klein-)Serienproduktion Foto: Daimler Truck

Daimler Truck geht mitseinem Wasserstoff-Truck „NextGenH2″in die Kleinserienfertigung. Ab diesem Jahr sollen 100 der Sattelzugmaschinen im Werk Wörth gebaut und ab Ende des Jahres bei ersten Kunden in die Kundenerprobung gehen.

Flüssiger Wasserstoff als Treibstoff

Wie bei der ersten Version des GenH2 ko kommt weiterhin Flüssigwasserstoff zum Einsatz, der Reichweiten von deutlich über 1.000 Kilometern mit einer Tankfüllung bei voller Ausladung ermöglicht. Damit werden werden auch fernverkeherstaugliche Reichweiten mit emissionsarmen Antrieben möglich.

Gegenüber gasförmigen Wasserstoff mit einer Dichte von 40 kg / m³ bietet Flüssigwasserstoff mit 71 kg / m³ eine wesentlich höhere Dichte bei gleichem Tankvolumen, erfordert jedoch eine permanente Kühlung auf -253 Grad Celsius.

Mit leicht vergrößerten Tank erreicht der NextGenH2 nun ein Tankvolumen von insgesamt 85 kg Wasserstoff. Mit dem von Daimler Truck und Linde geschaffenen sLH2 Tankstandard kann der Lkw so innerhalb von 10-15 Minuten mit Flüssigwasserstoff wieder vollgetankt werden.

Brennstoffzelle von Cellcentric

Die Brennstoffzelle BZA 150 stammt weiterhin von cellcentric – einem Joint Venture zwischen Daimler Truck und der Volvo Group. Im NextgenH2 sind zwei Brennstoffzellenaggregate als Twin-System verbaut, die in Summe 300 kW Dauerleistung (zweimal je 150 kW) bereitstellen können und unterhalb der Kabine integriert sind. Bei Test- und Entwicklungsfahrten lag der durchschnittlicher Wasserstoffverbrauch je nach Einsatz zwischen 5,6 kg/100 km und 8 kg/100 km, bei einem durchschnittlichen Gesamtzuggewicht zwischen 16 und 34 Tonnen.

Auch in anspruchsvollen Fahrsituation am Berg oder bei hoher Zuladung kann der NextGenH2 Truck mit einer Leistung von bis zu 340 kW (im Economy Modus) beziehungsweise bis zu 370 kW (im Power Modus) punkten, wobei die zusätzliche Leistung aus der Pufferbatterie entnommen wird.

Mit Serienkomponenten des eActros

Die hohe technologische Reife, die nun die Kleinserien möglich macht, liegt an der Verwendung von Komponenten aus den Serienfahrzeugen von Mercedes-Benz Trucks. Dazu gehört auch die ProCabin, die neben dem Mercedes-Benz Actros L und dem batterieelektrischen Mercedes-Benz eActros 600 nun auch erstmals in einem Brennstoffzellen-Lkw zum Einsatz kommt.

Auch die Hochvoltkomponenten stammen aus der Serienfertigung des eActros 600, ebenso wie die neueste elektrisch-elektronische-Architektur. So kommen im NextGenH2 Truck nun auch die aktuellen Sicherheitssysteme wie zum Beispiel der Active Brake Assist 6, der Front Guard Assist oder Active Sideguard Assist 2 zum Einsatz.

Um kurzfristige Leistungsspitzen abzudecken und Bremsenergie durch Rekuperation nutzbar zu machen, ist zwischen der Brennstoffzelle und dem Antriebsmotor ein HV-Batterie geschaltet. Die Hochvoltbatterie mit einer installierten Kapazität von 101 kWh und basiert auf Lithium-Eisenphosphat-Zelltechnologie (LFP). Zum Einsatz kommt dieselbe elektrische Antriebsachse aus hauseigener Entwicklung, wie sie auch im eActros 600 zum Einsatz kommt. Die 4-Gang-Schaltung (inklusive zweier Rückwärtsgänge) bietet dabei eine optimale Kraftentfaltung.

Besondere Sicherheitsvorkehrungen

Im „Tech Tower“ integriert der Hersteller Kühlsystem und sicherheitsrelevante Systeme wie das Blow-Off-Management Foto: Daimler Truck

Auf der Rückseite der Fahrerkabine befindet sich der von Daimler Trucksogenannte „Tech-Tower“:  Ein neues Boil-Off Management System, welches für die Verflüssigung des Wasserstoffes notwendig ist, und Überdrucke sowie Tankversagen verhindern soll. Zudem dient es der Verhinderung von Gasaustritten – eine gesetzliche Anfoderung. Dies ist etwa für das Abstellen des Fahrzeugs in geschlossenen Räumen notwendig.

Das integrierte Kühlsystem sorgt zudem dafür, dass auch bei sehr hohen Umgebungstemperaturen oder sehr anspruchsvoller Topografie dauerhaft stabile Betriebsbedingungen gegeben sind.

Eine neue Sensorik schützt zudem den Fahrer: Im unwahrscheinlichen Fall von austretendem Wasserstoff, gibt der Gaswarner in der Kabine Alarm. So ausgerüstet stet auch einer Übernachtung in den zwei serienmäßig verbauten Betten in der Kabine der neuen Trucks nichts mehr im Wege. Eine wichtige Eigenschaft, insbesondere für Fernfahrer im mehrtägigen Einsatz.

Serienanlauf für die 2030er-Jahre geplant

Im vergangenen Jahr testete Daimler Truck die Prototypen des Mercedes-Benz NextGenH2 Trucks in den Schweizer Alpen – sowohl im Rahmen von Winter- als auch Sommererprobungen – um die Zuverlässigkeit unter anspruchsvollen Einsatzprofilen sicherzustellen. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in die weitere Entwicklung ein.

Die Entwicklung, Produktion und der Praxiseinsatz der NextGenH2 Trucks, die ab Ende 2026 bei Kunden eingesetzt werden sollen, werden vom Bundesministerium für Verkehr (BMV) und den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg mit einer bereitgestellten Förderung von 226 Millionen Euro unterstützt. Die Serienproduktion von Brennstoffzellen-Lkw ist für die frühen 2030er Jahre geplant.

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