
Die wirtschaftliche Situation der Hersteller und Importeure von Werkstattausrüstung in Deutschland derzeit nicht ganz einfach. Die Werkstattausrüster leiden unter den aktuellen geopolitischen Entwicklungen und der daraus resultierenden wirtschaftlichen Unsicherheit. „Unsere Mitgliedsunternehmen haben in den vergangenen Jahren mehrfach bewiesen, dass sie sich flexibel auf neue Marktbedingungen einstellen können. Gleichzeitig sehen wir derzeit eine Vielzahl von Faktoren, die wirtschaftliche Planungen erschweren“, sagte Frank Beaujean, Präsident des ASA-Bundesverbands, auf der Jahrespressekonferenz in Marktheidenfeld.
Optimistische Erwartungen – allerdings vor der geopolitischen Eskalation
Bemerkenswert ist, wie schnell sich die Aussichten verfinstert haben: Noch Ende November zeichnete die jährliche Mitgliederumfrage des Verbands ein durchaus positives Bild der Branche. Eine deutliche Mehrheit der Unternehmen war mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Jahres 2025 zufrieden. Rund zwei Drittel der Umfrageteilnehmer bewerteten ihr Geschäftsjahr positiv. „Gerade zum Jahresende zogen die Investitionen noch einmal spürbar an, was vermutlich auch mit steuerlichen Aspekten der investierenden Werkstattunternehmer zu erklären ist“, erläuterte Beaujean.
Auch der Blick nach vorn war im November noch von Zuversicht geprägt: Eine klare Mehrheit erwartete für das Jahr 2026 eine stabile oder sogar eine verbesserte wirtschaftliche Entwicklung. Doch inzwischen formulieren viele Unternehmen ihre Erwartungen vorsichtiger. Die militärische Eskalation im Nahen Osten und die damit verbundenen Auswirkungen auf Energiepreise und internationale Lieferketten sorgen für Verunsicherung. Die Folgen dieser weltweiten Krisen sind allmählich auch in Werkstätten und Autohäusern vor Ort zu spüren.
Rückläufige Werkstatt-Vorlaufzeiten für mechanische Werkstätten sowie K+L-Betriebe sind ein Indiz für weniger Service- und Reparaturaufträge. Repariert wird offensichtlich vermehrt nur noch, was für den Fahrzeugbetrieb unbedingt erforderlich ist. „Wenn gut bezahlte Jobs verloren gehen, sparen auch die Kunden unserer Kunden an der Mobilität“, so der ASA-Präsident.
Unsichere Zollpolitik belastet Unternehmen
Zusätzliche Unsicherheit entsteht derzeit durch die wechselhafte Handelspolitik der Vereinigten Staaten mit der Einführung von Straf- und Importzöllen. Das spüren auch ASA-Mitgliedsunternehmen, die im Exportgeschäft tätig und in internationale Lieferketten eingebunden sind. „Wenn Unternehmen nicht wissen, unter welchen Bedingungen sie ihre Produkte morgen exportieren oder Vorprodukte importieren können, wirkt sich das unmittelbar auf Investitionsentscheidungen aus.“ Gerade für mittelständische Industriebetriebe sei jedoch Planungssicherheit eine zentrale Voraussetzung für Investitionen in neue Märkte, Produktionskapazitäten oder Vertriebsstrukturen.
Zusätzliche Investitionsimpulse durch neue gesetzliche Vorgaben seien laut ASA-Präsident Beaujean in diesem und dem kommenden Jahr für die Werkstattausrüstungsbranche kaum zu erwarten. Anders als in früheren Jahren stünden derzeit keine größeren regulatorischen Veränderungen an, die unmittelbar neue Investitionen in Werkstattausrüstung auslösen würden. „In der Vergangenheit haben neue gesetzliche Anforderungen immer wieder Investitionen in Prüf- und Diagnosetechnik ausgelöst. Für das kommende Jahr sehen wir solche Impulse jedoch kaum.“
Auch die geplante Einführung neuer Abgasvorschriften bringt nach derzeitiger Einschätzung keine wesentlichen Veränderungen für die Werkstattausrüstung mit sich. Die Ausgestaltung des Leitfadens 7 zur Abgasuntersuchung (AU) wird voraussichtlich nur in begrenztem Umfang Auswirkungen haben. Mögliche Investitionen könnten sich allenfalls im Bereich elektronischer Prüftechnik für Elektrofahrzeuge ergeben. Diese werden künftig auch von der Abgasemissionsnorm Euro 7 erfasst. „Aus heutiger Sicht erwarten wir durch Euro 7 keine größeren zusätzlichen Anforderungen an die Werkstattausrüstung“, so Beaujean.
PTI-Revision könnte neue Anforderungen bringen
Noch offen ist, welche Auswirkungen die geplante Überarbeitung der europäischen Richtlinie zur periodischen technischen Fahrzeugüberwachung haben wird. Europäische Kommission, EU-Rat und EU-Parlament arbeiten derzeit an einer Revision der Richtlinie 2014/45/EU zur sogenannten Periodical Technical Inspection (PTI). Je nach Ausgestaltung könnten sich daraus künftig neue Anforderungen an Prüftechnik und Prüfverfahren ergeben. Welche konkreten Veränderungen daraus für Werkstätten, Prüforganisationen und Hersteller von Prüftechnik resultieren, lasse sich derzeit jedoch noch nicht abschließend beurteilen.
Verschärft wird die Situation durch die geringe Investitionsbereitschaft der Werkstätten und Autohäuser. Schon in den vergangenen Jahren haben viele Betriebe größere Investitionen verschoben oder nur zurückhaltend umgesetzt. Wenn Werkstätten angesichts unsicherer Rahmenbedingungen abwarten, spüren das die Ausrüster unmittelbar“, unterstrich Beaujean. Umso mehr hatte man den von der Bundesregierung verabschiedeten Investitionsbooster begrüßt. Damit werden unter anderem Ausrüstungsinvestitionen schon im ersten Jahr der Anschaffung mit einer beschleunigten Abschreibung von bis zu 30 Prozent des Anschaffungswertes begünstigt.
Doch die Hoffnungen haben sich nicht erfüllt, die Jahresendrally 2025 bei den Investitionen in Werkstattausrüstung hat sich in den ersten Wochen des Jahres 2026 nicht fortgesetzt. „Gerade markengebundene Betriebe mit Fahrzeughandel dürften angesichts des schleppenden Absatzes gebrauchter E-Fahrzeuge aktuell mit besonderen finanziellen Herausforderungen konfrontiert sein, was den Spielraum für Investitionen zusätzlich einschränkt“, vermutet der ASA-Präsident. Dass die wirtschaftliche Situation auch in der Kfz-Branche angespannter wird, zeigte sich 2025 auch an der im Vergleich zum Vorjahr höheren Zahl von Unternehmensinsolvenzen.
Technologischer Wandel sorgt für Investitionsbedarf
Hoffnung auf einigermaßen stabile Wachstumsperspektiven macht der Werkstattausrüstungsbranche hingegen der technologische Wandel im Fahrzeugbestand. Dieser führt dazu, dass Werkstätten ihre technische Ausstattung kontinuierlich modernisieren und neuen Service- und Reparaturanforderungen anpassen müssen. Ein Beispiel dafür ist die Justage von Fahrerassistenzsystemen (ADAS). Elektrifizierte Antriebe, neue Diagnosesysteme, veränderte Anforderungen an die Fahrzeug(system-)Klimatisierung sowie steigende Anforderungen im Bereich Hochvolttechnik verändern die Arbeit in den Werkstätten nachhaltig. Damit wächst auch der Bedarf an moderner Prüftechnik und spezialisierter Werkstattausrüstung. Laut Frank Beaujean sei es dabei weniger die Frage, ob investiert wird, sondern vor allem wann.
Auch wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zuletzt eingetrübt haben, blickt die Werkstattausrüsterbranche mit einer Mischung aus Realismus und Zuversicht in die Zukunft. „Unsere Mitgliedsunternehmen denken langfristig. Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich die Stärke des deutschen industriellen Mittelstands. Unsere Branche hat in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass sie auch schwierige Phasen meistern kann“, versicherte der ASA-Präsident.
Entscheidend werde in den kommenden Monaten sein, wie sich Energiepreise, geopolitische Entwicklungen und die Investitionsbereitschaft im automobilen Aftermarket entwickeln. „Zwischen Hoffen und Bangen zu verharren, liegt unseren Mitgliedsunternehmen nicht. Sie wollen aktiv handeln und gestalten. Und ich bin sicher, diesen Gestaltungswillen und die Innovationskraft werden wir zur Automechanika Frankfurt zu sehen bekommen.“
Die wichtigsten Ergebnisse der ASA-Mitgliederumfrage 2025:
Teilnehmer der Umfrage: 43 Unternehmen aus der Werkstattausrüstungsbranche
Bewertung des Geschäftsjahres 2025
- 16 % sehr zufrieden
- 47 % eher zufrieden
- 16 % unentschieden
- 19 % eher unzufrieden
- 2 % sehr unzufrieden
Erwartungen für das Geschäftsjahr 2026
- 5 % sehr optimistisch
- 60 % eher optimistisch
- 19 % unentschieden
- 16 % eher pessimistisch
TOP 5-Einflussfaktoren für die wirtschaftliche Entwicklung 2026 (Mehrfachnennungen möglich)
- geringe Investitionsbereitschaft der Kfz-Unternehmen 74 %
- Bürokratie und regulatorische Anforderungen 70 %
- Fachkräftemangel 54 %
- technologische Transformation 54 %
- IT-Sicherheit und Cyber-Resilienz 63 %
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