
Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) und der Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) warnen vor einem wachsenden Einfluss der Versicherer auf Reparaturentscheidungen: „Wenn Versicherer zunehmend vorgeben, welche Ersatzteile – insbesondere gebrauchte – verbaut werden sollen, geraten Reparaturqualität, Haftung und Sicherheit unter Druck und die fachliche Entscheidungsfreiheit der Werkstätten wird erheblich eingeschränkt“, erklärten die beiden Verbände auf dem Deutschen Autorechtstag 2026 in Bonn.
Thomas Peckruhn, Präsident des ZDK, stellt klar: „Die Entscheidung über die geeigneten Teile muss bei den qualifizierten Fachbetrieben liegen – denn sie tragen die Verantwortung für Reparaturqualität, Verkehrssicherheit und Gewährleistung. Wenn wirtschaftliche Interessen der Versicherer über technische Standards gestellt werden, gerät die Reparaturqualität unter Druck. Klar ist: Über die Qualität einer Fahrzeugreparatur entscheidet das Kfz-Gewerbe – nicht die Kostenkalkulation der Versicherung.“
Mehr Aufwand mit gebrauchten Teilen
Peter Börner, Ehrenpräsident des ZKF, macht aus Sicht der Werkstätten deutlich: „Die Aufbereitung gebrauchter Karosserieteile wird regelmäßig unterschätzt. Wachsreste müssen entfernt, der Korrosionsschutz geprüft und zusätzliche Lackschichten fachgerecht aufgebaut werden – all das erfordert Zeit, Fachwissen und handwerkliche Sorgfalt. Wenn Versicherer behaupten, diese Arbeitsschritte seien entbehrlich, hat das mit der technischen Realität in den Werkstätten wenig zu tun. Wird hier gespart oder Druck ausgeübt, leidet am Ende nicht nur die Reparaturqualität, sondern auch der Verbraucherschutz.“
Der Einsatz gebrauchter Ersatzteile könne einen Beitrag zur Ressourcenschonung leisten, dürfe jedoch nicht durch regulatorische Vorgaben oder wirtschaftlichen Druck erzwungen werden. Wichtig seien eine technische Prüfung, die nachweisliche Vorschadensfreiheit der Bauteile sowie eine lückenlose Dokumentation und klare Haftungsregelungen.
Erhebliche Risiken für Fahrzeughalter und Werkstätten
Die Verbände verweisen auf die erheblichen Risiken für Fahrzeughalter und Reparaturbetriebe, die bei gebrauchten Karosserieteilen entstehen. Nach einer fachgerechten Reparatur weise die Lackschicht regelmäßig eine deutlich höhere Schichtdicke auf als im Originalzustand. Bei späteren Lackschichtdickenmessungen – etwa bei Leasingrückgaben, Fahrzeugbewertungen oder der Inzahlungnahme – könne dies fälschlicherweise als Hinweis auf eine unsachgemäße Reparatur interpretiert werden.
Die Folge seien Wertminderungen, ungerechtfertigte Nachforderungen, zusätzliche Prüfprozesse und erhebliche Konfliktpotenziale im Fahrzeugmarkt. Ohne klare Standards und Rechtssicherheit drohe der Einsatz gebrauchter Karosserieteile somit zu Lasten von Fahrzeughaltern, Betrieben und Reparaturqualität zu gehen.
„Nachhaltigkeit darf nicht zum Deckmantel werden, um Qualitäts- und Sicherheitsstandards im Reparaturmarkt auszuhöhlen“, betont ZDK-Präsident Peckruhn. „Wer über Ersatzteile entscheidet, entscheidet über Sicherheit, Haftung und Reparaturqualität. Diese Verantwortung gehört in die Hände qualifizierter Fachbetriebe – nicht in die Kalkulationstabellen von Versicherern.“
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