
Etwas weniger Absatz, aber mehr Umsatz: Rund 46,6 Millionen Pkw-, Transporter- (Leicht-Lkw-, kurz LLkw-) und Lkw-Reifen wurden im Jahr 2025 im Reifenersatzgeschäft in Deutschland verkauft. Das entspricht einem Rückgang von 1,9 % gegenüber dem Vorjahr. Doch trotz der leicht rückläufigen Stückzahl kann die Reifenhandelsbranche für das vergangene Geschäftsjahr eine positive Geschäftsentwicklung bilanzieren.
„Unser Jahresbetriebsvergleich zeigt im Durchschnitt ein Umsatzplus von 2,5 Prozent. Das Betriebsergebnis liegt bei 1,6 % vom Umsatz – und das bei weiter gestiegenen Kosten“, sagt Michael Schwämmlein, Geschäftsführer Technik beim Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) in Bonn. Der Fachverband resümiert für seine Branche ein Jahr, das in einem anhaltend schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld wenig überraschende Ergebnisse brachte. Unterm Strich zeige sich Reifenhandel vergleichsweise krisenfest.
Pkw schwächelt, Lkw stärker als erwartet
Die vom Bonner Branchenverband ausgewiesene Absatzmenge im Reifenersatzgeschäft umfasst die Verkäufe in den beiden Marktsegmenten Lkw-Reifen und Consumer-Reifen, die traditionell den Löwenanteil ausmachen. Der Absatz von knapp 44,1 Mio. Reifen für Pkw und Transporter entspricht fast 95 % der gesamten Verkaufsmenge. Die restlichen gut 5 % (rund 2,52 Mio. Stück) entfielen auf Lkw-Reifen. Mit diesen Verkaufsmengen ging gegenüber 2025 der Absatz im Consumer-Segment im Schnitt um 2,1 % zurück, während im Lkw-Segment ein Absatzplus von 2,4 % realisiert werden konnte.
Bricht man die beiden Marktsegmente weiter auf Produktgruppen herunter, so zeigt sich, dass im gesamten Segment Consumer lediglich Pkw-Ganzjahresreifen mengenmäßig zulegen konnten. Allerdings fällt hier das Plus im Stückabsatz mit 6,1 % im Vergleich zu den zweistelligen Zuwachsraten der Vorjahre deutlich schwächer aus.

Reifenhandel legt als Absatzkanal zu
Bei den Absatzkanälen gibt es zwischen Pkw- und Lkw-Reifen erhebliche Unterschiede. So lassen sich im Fahrzeugsegment Pkw zwischen Reifenfachhandel und freien Kfz-Werkstätten keine klaren Grenzen mehr ziehen, weshalb der BRV in seiner Distributionsanalyse für die Produktgruppe Pkw-Reifen beide zusammengenommen als einen Vertriebskanal ausweist. Seinen auch in diesem Produktsegment führenden Absatzanteil konnte dieser Kanal im vergangenen Jahr auf 72,5 % leicht ausbauen. Autohäuser und markengebundene Werkstätten realisierten 19,1 % Anteil und büßten im Vergleich zum Vorjahr 0,7 Prozentpunkte ein, Fachmärkte (3,0 % des Pkw-Reifenabsatzes) haben ebenfalls zugunsten des Reifenfachhandels verloren. Der Marktanteil des B2C-Onlinehandels am Pkw-Reifenersatzeschäft blieb im vergangenen Jahr mit 5,5 % stabil.
Im Marktsegment der Lkw-Reifen dominiert traditionell der spezialisierte Reifenfachhandel das Geschäft. Sein Absatzanteil liegt der aktuellen BRV-Distributionsanalyse zufolge weiterhin stabil bei 90 %, der Rest entfällt zu gleichen Teilen auf die beiden Distributionskanäle Autohäuser/markengebundene Kfz-Werkstätten und freie Kfz-Werkstätten.

Die Prognose für das Geschäftsjahr 2026
Eine Prognose für das Geschäftsjahr 2026 sei nach Angaben des BRV in Anbetracht der aktuellen Kriegssituation in Nahost derzeit kaum möglich. „Infolge der angespannten geopolitischen und gesamtwirtschaftlichen Lage lassen sich weder im Consumer- noch im Nutzfahrzeug-Reifensegment derzeit Wachstumsfaktoren erkennen“, analysiert Michael Schwämmlein. „Die Fahrleistungen werden im Privat- wie im Flottenbereich sinken, im Transportgewerbe wirkt sich die Kostensituation – und hier insbesondere die Kraftstoffpreise – negativ aus.“
Entspannt sich die Situation in den kommenden zwei Monaten, rechnet der Verband im Consumer-Reifensegment im laufenden Jahr in Summe mit einem Absatzrückgang von +2,2 %. Während man bei den Ganzjahresreifen von einem abgeschwächten Wachstum von 2,2 % ausgeht, könnten die Verkäufe von Sommerreifen (-4,3 %) und Winterreifen (-5,3 %) weiter zurückgehen. Im Segment der Nutzfahrzeugreifen geht man von einem weiteren Minus bei der Runderneuerung von 1,5 % aus. Bei den Neureifen erwartet der Verband einen leichten Absatzrückgang von 0,8 Prozent.
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