
(Symbolbild, HV Batteriefertigung bei VW in Braunschweig) Foto: Volkswagen
Volkswagen und sein chinesischer Batteriepartner Gotion Holding führen offenbar Gespräche über eine Beteiligung des Unternehmens am Batteriezellwerk der VW-Tochter PowerCo im spanischen Sagunto bei Valencia.
Laut der spanischen Fachzeitschrift La Tribuna de Automocion sollen die Verhandlungen bereits weit fortgeschritten sein. Demnach hat Gotion-CEO Li Zhen die Baustelle beziehungsweise den Produktionsstandort mehrfach besucht, um sich ein Bild von der Anlage und ihrem Entwicklungsstand zu machen. Die Fabrik wird von der Batterietochter PowerCo von Volkswagen betrieben und soll noch vor Jahresende die Produktion aufnehmen.
Werk strategisch wichtig
Für den VW-Konzern ist die Zellfabrik von strategischer Bedeutung für die eigenen Elektrifizierungspläne. Wenn mittelfristig überwiegend E-Fahrzeuge vom Band laufen sollen, braucht der Konzern eine eigene, leistungsfähige Zellfertigung in Europa, um die Abhängigkeit von China und den aktuellen Zollstreitigkeiten zu verringern.
Seit 2020 hält der Wolfsburger Konzern rund ein Viertel der Anteile an dem chinesischen Batteriehersteller und setzt bei der Entwicklung seiner kostengünstigen Einheitszelle unter anderem auf dessen Technologiekompetenz. Die „Einheitszellen” des chinesischen Zulieferers kommen derzeit in den in Spanien produzierten Elektroautos von Volkswagen wie dem ID.Polo sowie seinen Konzernbrüdern Cupra Raval und Škoda Epiq zum Einsatz.
Gleichzeitig verfolgt Volkswagen mit dem Tochterunternehmen PowerCo das Ziel, eine eigenständige europäische Batteriezellproduktion aufzubauen und die Abhängigkeit von asiatischen Lieferanten zu verringern. Als möglicher Kunde von PowerCo wird auch das spanische Ford-Werk in Almussafes gehandelt, in das vor wenigen Tagen der chinesische Autobauer Geely eingestiegen ist.
Konzern unter Druck
Der mögliche Einstieg des chinesischen Zulieferers fällt zudem in eine Phase, in der Volkswagen massiv unter Druck steht. Werke stehen vor dem Aus, die Modellpalette soll um die Hälfte schrumpfen und rund 100.000 Arbeitsplätze bei dem Automobilgiganten sind gefährdet.
Nur verständlich, dass das Unternehmen unter diesen Vorzeichen seine Investitionen überprüft und Kosten in der E-Autosparte senken will. Konzernchef Oliver Blume kündigte zuletzt an, die Investitionen zu fokussieren und die Komplexität im Konzern weiter zu reduzieren. Vor diesem Hintergrund könnte eine stärkere Einbindung von Gotion in den VW-Konzern sowohl finanzielle als auch technologische Vorteile bieten.
Ob und in welcher Form eine Vereinbarung zustande kommt, ist derzeit noch offen. Während Branchenbeobachter eine vertiefte Partnerschaft als logischen Schritt sehen, betont Volkswagen bislang, dass strategische Kooperationen geprüft würden, ohne die Kontrolle über den Standort Sagunto aufzugeben. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob aus den Gesprächen ein neues Kapitel der deutsch-chinesischen Batterieallianz entsteht.



