Reparaturkosten: Chinesische Autobauer holen gegenüber Europa auf

Laut einer Untersuchung des Allianz Zentrums für Technik (AZT) verlieren europäische Hersteller bei der Reparaturfreundlichkeit ihrer Fahrzeuge zunehmend ihren Vorsprung gegenüber der Konkurrenz aus China. Das wirkt sich auf die Einstufung neuer Fahrzeuge in die Versicherungstypklassen aus.
Es ist nicht von der Hand zu weisen, chinesische Automarken sind auf dem Vormarsch. Nach einer aktuellen Untersuchung des Allianz Zentrums für Technik (AZT) haben die Hersteller aus dem „Land der Mitte“ bei der Reparaturfreundlichkeit ihrer Fahrzeuge deutlich aufgeholt. Foto: Ingo Jagels / PSN

Noch vor zwei Jahren waren neue Fahrzeuge europäischer Hersteller im Durchschnitt drei Versicherungstypklassen günstiger eingestuft als vergleichbare Modelle chinesischer Hersteller. Inzwischen ist dieser Abstand auf nur noch eine Typklasse geschrumpft. Das geht aus einer Analyse des Allianz Zentrums für Technik (AZT) hervor, über die die Nachrichtenagentur dpa berichtet.

So haben sich chinesische Hersteller nach Angaben von AZT-Leiter Dr. Christian Sahr seit 2024 im Durchschnitt um rund 1,5 Typklassen verbessert. Europäische Hersteller verschlechterten sich im selben Zeitraum hingegen um durchschnittlich 0,5 Typklassen. Für die Auswertung wurden insgesamt 324 Fahrzeugmodelle berücksichtigt, die seit Anfang 2024 in Deutschland neu eingeführte worden sind.

Reparaturfreundlichkeit gewinnt an Bedeutung

Die Typklasseneinstufung beeinflusst maßgeblich die Höhe der Kfz-Versicherungsprämien. Insbesondere in der Kaskoversicherung spielen dabei die zu erwartenden Schadenkosten eine wichtige Rolle. Diese hängen unter anderem von den Ersatzteilpreisen, dem Reparaturaufwand und der konstruktiven Gestaltung der Fahrzeugs ab.

Nach Einschätzung von Sahr haben chinesische Automobilhersteller die Bedeutung dieser Faktoren erkannt. Während bei neuen chinesischen Marken in den vergangenen Jahren häufig hohe Ersatzteilpreise, fehlende Werkstattnetze und eine eingeschränkte Verfügbarkeit der Teile zu ungünstigen Einstufungen führten, habe sich die Situation inzwischen deutlich verändert. Das gelte insbesondere für größere Hersteller, die ihre Service- und Ersatzteilversorgung in Europa aktuelle systematisch ausbauen würden.

Darüber hinaus achten chinesische Hersteller zunehmend darauf, ihre Fahrzeuge bereits bei der Entwicklung reparaturfreundlicher zu konstruieren. So berücksichtigt beispielsweise MG nach eigenen Angaben die Typklasseneinstufung bei der Markteinführung neuer Modelle. Zu den Ansatzpunkten gehören wirtschaftliche Reparaturverfahren und die Möglichkeit, beschädigte Komponenten instandzusetzen, anstatt komplette Baugruppen auszutauschen zu müssen.

Europäische Hersteller verlieren ihren Vorsprung

Kritisch bewertet Sahr dagegen die Entwicklung bei den europäischen Herstellern. Diese hätten über Jahrzehnte umfangreiche Erfahrungen mit der reparaturfreundlichen Fahrzeugkonstruktion gesammelt. Inzwischen scheine dieser Aspekt bei der Entwicklung neuer Modelle jedoch an Bedeutung zu verlieren.

Dabei wirken sich steigende Reparaturkosten nicht nur auf die Versicherungsprämien aus, sondern auch auf die gesamten Betriebskosten eines Fahrzeugs. Gerade bei einer längeren Haltedauer und im Gebrauchtwagenmarkt gewinnt die Möglichkeit, Fahrzeuge zu vertretbaren Kosten reparieren zu können, an Bedeutung.

Sahr fordert die europäischen Automobilhersteller auf, die Reparaturkosten wieder stärker in den Mittelpunkt ihrer Fahrzeugentwicklung zu stellen. Eine günstige Typklasseneinstufung könne schließlich auch ein wichtiges Verkaufsargument sein, argumentiert der Experte.

Ersatzteilversorgung bleibt entscheidend

Für den Reparaturmarkt zeigt die Entwicklung, dass neben den Ersatzteilpreisen vor allem die Verfügbarkeit von Komponenten und wirtschaftliche Instandsetzungsverfahren eine wichtige Rolle spielen. Während etablierte europäische Hersteller hier lange Zeit im Vorteil waren, investieren chinesische Marken zunehmend in entsprechende Strukturen.

Allerdings bestehen weiterhin erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Herstellern und Modellen. Insbesondere bei kleineren chinesischen Marken bleibe laut Sahr abzuwarten, ob sie langfristig eine zuverlässige Ersatzteilversorgung und ausreichende Servicenetzwerke sicherstellen können.

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