
Der rechtliche Rahmen für den Zugang zu Fahrzeugdaten steht – in der Praxis bleiben jedoch erhebliche Hürden. Zu diesem Ergebnis kommt Caruso im fünften Connected Vehicle Field Test (CVFT). Von September 2025 bis Juli 2026 hat das Unternehmen untersucht, wie Fahrzeughersteller die Vorgaben des EU Data Act umsetzen. Unterstützt wurde der Feldtest von zehn europäischen Branchenverbänden und ihren Mitgliedern.
Der EU Data Act gilt seit dem 12. September 2025. Als sektorübergreifende Verordnung soll er die Nutzung von Daten fördern, die vernetzte Produkte erzeugen. Dazu gehören auch Daten, die in Fahrzeugen während der Fahrt entstehen. Damit markiert die Regelung einen grundlegenden Wandel im Ökosystem vernetzter Fahrzeuge: Der Data Act gibt Fahrzeughaltern erstmals das gesetzlich verankerte Recht, auf die Daten ihres Fahrzeugs zuzugreifen und sie mit Drittanbietern zu teilen.
Nach Einschätzung von Caruso fehlt bislang allerdings ein attraktives Geschäftsumfeld für markenübergreifende Dienste auf Basis von Fahrzeugdaten. Jens Knodel, Director Platform bei Caruso Dataplace, sieht noch erhebliche Lücken, bevor Drittanbieter ihre Anwendungen in größerem Umfang anbieten können. Gleichwohl habe der EU Data Act nach seinen Worten das Potenzial, zum Gamechanger für den Mobilitätssektor zu werden. „Allerdings nur dann, wenn alle Fahrzeughersteller den EU Data Act mit kommerziell und technisch angemessenen Mitteln umsetzen“, betont Knodel.
Unterschiedliche Daten und umständliche Freigaben
Die Umsetzung unterscheidet sich laut Feldtest deutlich zwischen den Herstellern. Während einige bereits zum Anwendungsbeginn des Data Act entsprechende Lösungen bereitstellten, folgten andere erst einige Monate später. Manche Fahrzeughersteller bieten Fahrern bis heute keine Möglichkeit, ihre Daten zu teilen.
Auch der Umfang der verfügbaren Daten variiert. Für markenübergreifende Anwendungen benötigen Dienstleister jedoch eine gemeinsame Grundlage: Fehlen benötigte Datenpunkte bei einzelnen Herstellern, lässt sich ein Angebot nicht markenübergreifend ausrollen.
Eine weitere Hürde ist die Freigabe durch die Nutzer. Caruso hat dafür Rückmeldungen zu Apps, Portalen, Formularen und Verfahren per E-Mail gesammelt. Häufig seien die Abläufe weder einfach noch intuitiv. Brechen Nutzer die Freigabe ab, erschwert dies den Aufbau wirtschaftlich tragfähiger Dienste.
Preise reichen bis über 30 Euro im Monat
Bei der technischen Bereitstellung bestehen ebenfalls Unterschiede. Nach Angaben von Caruso setzen zahlreiche Hersteller weiterhin auf Webformulare, E-Mails oder Dateien zum Herunterladen. Automatisierte Anwendungen benötigen hingegen geeignete Programmierschnittstellen oder eine kontinuierliche Datenübertragung.
Hinzu kommen unterschiedliche Datenpakete und Preismodelle. Wie das Unternehmen mitteilt, reicht der Preis für den Zugang Dritter zu allen jeweils verfügbaren Daten von null bis über 30 Euro pro Fahrzeug und Monat. Während einige Hersteller die Auswahl einzelner Datenpunkte ermöglichen, bieten andere ausschließlich vorgegebene Pakete an.
Für den freien Aftermarket berühren diese Hürden eine zentrale Voraussetzung, neue digitale Angebote schaffen zu können: Freie Werkstätten und ihre Dienstleistungspartner müssen Fahrzeuge verschiedener Marken betreuen können. Datenbasierte Wartungsangebote oder eine vorausschauende Serviceplanung hängen davon ab, ob die benötigten Informationen zuverlässig, automatisiert und zu wirtschaftlich tragfähigen Bedingungen verfügbar sind.
Zu den Unterstützern des Feldtests zählen unter anderem die internationale Vertretung des Kfz-Teilehandels Figiefa, der Zulieferverband Clepa und der Werkstattausrüsterverband EGEA. Der vollständige Bericht ist über die Website von Caruso kostenlos erhältlich.



