GVA warnt vor Monopolisierung bei Bremsenteilen durch Euro7

Der Gesamtverband Autoteile-Handel (GVA) schlägt Alarm: Die aktuelle Umsetzung der Euro-7-Vorgaben für Bremsstaubemissionen könnte den freien Ersatzteilmarkt massiv beeinträchtigen.
Der GVA fordert einen klaren Rechtsrahmen und genügend Zeit für die Entwicklung, Prüfung und Zulassung neuer Bremskomponenten nach der Euro-7-Norm. Foto: Ingo Jagels / PSN

Der Gesamtverband Autoteile-Handel (GVA) sieht im Hinblick auf Bremsstaubemissionen erhebliche Risiken durch die Einführung der Euro-7-Norm. Insbesondere fehle ein klarer Rechtsrahmen, der es unabhängigen Herstellern ermöglicht, Euro-7-konforme Bremsen bzw. Bremsbeläge zu entwickeln, zuzulassen und rechtzeitig in den Markt zu bringen.

Mit dem Inkrafttreten der neuen Vorschriften für neu typgenehmigte Fahrzeuge ab November 2026 und für alle Neuzulassungen ab November 2027 droht aus Sicht des GVA eine kritische Versorgungslücke. Unabhängige Anbieter könnten nicht in der Lage sein, passende Ersatzteile bereitzustellen, sobald die ersten Euro-7-Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sind. Die Folge wäre eine Monopolisierung im Bereich der Bremsenwartung.

Klare Regeln gefordert

Zwar sei es nachvollziehbar, dass technische Vorschriften im Rahmen internationaler Gremien entwickelt werden. Dennoch fordert der Verband, dass die besonderen Strukturen des freien Kfz-Aftermarkets in Europa stärker berücksichtigt werden. Dazu gehörten klare Regelungen zum Zugang zu technischen Informationen, die für die Entwicklung von Ersatzteilen notwendig sind.

Bremskomponenten zählen zu den klassischen Verschleißteilen und müssen regelmäßig ausgetauscht werden. Nach Einschätzung des GVA werden derzeit rund 80 Prozent der entsprechenden Wartungsarbeiten bei Verbrennerfahrzeugen von freien Werkstätten durchgeführt, die ihre Ersatzteile im freien Kfz-Teilehandel beziehen. Der freie Kfz-Servicemarkt spiele damit eine zentrale Rolle für die Aufrechterhaltung der individuellen Mobilität.

Zusätzlich kritisiert der Verband die ambitionierten Zeitvorgaben für die Umsetzung der Euro-7-Verordnung. Die Entwicklung, Prüfung und Zulassung neuer Bremskomponenten sei unter den aktuellen Sicherheitsnormen (UNECE R90) kaum realistisch. Zudem mangele es europaweit an geeigneten Prüfständen für die neuen Emissionsanforderungen.

Steigende Wartungskosten drohen

Sollte das bestehende Vakuum bei der Zulassung von Bremskomponenten nicht zeitnah geschlossen werden, drohen nach Einschätzung des GVA eine eingeschränkte Verfügbarkeit von Ersatzteilen sowie steigende Wartungskosten. Dies würde letztlich zulasten der Verbraucherinnen und Verbraucher gehen und den Wettbewerb im Ersatzteilmarkt schwächen.

Der Verband appelliert daher eindringlich an die Europäische Kommission, ihrer Verantwortung nachzukommen und kurzfristig klare Regelungen für Ersatzteile im Aftermarket zu schaffen. Nur so könne sichergestellt werden, dass unabhängige Werkstätten Euro-7-Fahrzeuge von Beginn an warten können – eine Voraussetzung für funktionierende Fahrzeugflotten, Wahlfreiheit der Verbraucher, Verkehrssicherheit und das Erreichen der Umweltziele der neuen Norm.

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