
Foto: TMD Friction / Textar
Laufrichtungsgebundene Bremsbeläge sind technisch nichts ganz Neues und kommen seit den frühen 2000er-Jahren in der Großserie zum Einsatz. Jedoch steigt ihre Verbreitung ab etwa 2005 bis 2010 rasant an, da Automobilhersteller zunehmend auf das sogenannte NVH-Verhalten (Noise, Vibration, Harshness auf Deutsch: Geräusch, Vibration und Rauheit) achteten. An der Vorderachse haben sie sich mittlerweile zum absoluten Standard entwickelt, während an der Hinterachse auch weiterhin richtungungebundene Beläge zum Einsatz kommen.
„Im stressigen Werkstattalltag kommt es immer wieder vor, dass beim Einbau die Markierung der Bremsbeläge übersehen wird und die Beläge entgegen der Laufrichtung eingebaut werden“, erklärt Techniker Hartmut Kiessling. „Wird der Belag mit Gewalt in den Sattel gedrückt, kann es zu unerwünschten Effekten wie Vibrationen, Bremsgeräuschen sowie schnellem oder ungleichmäßigem Verschleiß kommen. Die Brems-Performance leidet und der Kunde steht verärgert wieder auf der Matte. Das lässt sich allerdings leicht verhindern.“
Wie erkennen Kfz-Profis die richtige Einbaurichtung?

Laufrichtungsgebundene Bremsbeläge sind an unterschiedlichen Markierungen erkennbar:
- Befinden sich Pfeile auf den Belägen (aufgedruckt, ausgestanzt oder geprägt), müssen diese in Drehrichtung der Scheibe bzw. der Räder bei Vorwärtsfahrt zeigen.
- Bei einer halbmondförmigen Aussparung auf dem Dämpfungsblech (Shim) muss sich der bogenförmige Ausschnitt in der Regel an der Einlaufseite befinden, das ist in Fahrtrichtung gesehen die Kante des Bremsbelags, in die die Scheibe bei Vorwärtsfahrt einläuft.
- Sind die Bremsbeläge mit L/R markiert, müssen die Bremsbeläge in den sich in Fahrtrichtung links bzw. rechts befindenden Bremssattel eingesetzt werden.
Im Zweifelsfall sollte immer die beigefügte Montageanleitung beachtet werden, die genau anzeigt, wo welcher Belag beim Einbau hingehört.

Warum Laufrichtungsbindung?
Während der Fahrt wirken unterschiedliche Kräfte auf Einlauf- und Auslaufseite des Belags. Der Einsatz unsymmetrischer Beläge hat den Vorteil, dass der Druckpunkt bei Vorwärtsfahrt zur Auslaufseite der Scheibe verschoben wird. Diese sogenannte Sekundärmaßnahme beim Bremsbelag verhindert ungewollte Vibrationen des Bremssystems und Schrägverschleiß der Bremsbeläge. Spezielle Geometrien wie Ausschnitte im Dämpfungsblech oder Fasen sorgen meist am kolbenseitigen Belag dafür, dass dieser kontrolliert in einem bestimmten Winkel an die Bremsscheibe angelegt wird.
Augen auf beim Bremsenservice
Bei Arbeiten an der Bremsanlage ist besondere Aufmerksamkeit gefragt. Beim Wechsel der Bremsbeläge sollte daher immer prüft werden, ob Markierungen, Fasen oder andere konstruktive Merkmale vorhanden sind, aus denen sich individuelle Einbaupositionen ergeben. Ein Vertauschen der Beläge (rechts/links oder innen/außen) zählt zu den häufigen Ursachen für Kundenreklamationen – und lässt sich mit entsprechendem Know-how leicht vermeiden.
Mit Praxistipps wie diesem hilft Bremsexperte Textar, typische Montagefehler bei Laufrichtungsbindung zu vermeiden. Nach Registrierung auf der Textar-Homepage können sich Kfz-Profis diesen und viele weitere technische Tipps aus dem Download-Bereich, der regelmäßig erweitert wird, herunterladen.

