
Gemeinsam mit der Auto Zeitung, dem ACV Automobil-Club Verkehr und dem österreichischen ARBÖ hat die GTÜ zehn aktuelle Ganzjahresreifen der Dimension 225/45 R17 getestet. Untersucht wurden Produkte von Bridgestone, Continental, Falken, Giti, Goodyear, Hankook, Linglong, Michelin, Nokian und Pirelli. Die Wintertests fanden im Februar auf verschneiten Strecken in Nordschweden statt, die Prüfungen auf nasser und trockener Fahrbahn folgten im Mai unter sommerlichen Bedingungen in Spanien.
Das Ergebnis zeigt, wie unterschiedlich die Hersteller den Zielkonflikt eines Ganzjahresreifens lösen. Während einige Pneus vor allem bei winterlichen Bedingungen überzeugen, liegen die Stärken anderer Produkte auf nasser oder trockener Fahrbahn. Den besten Kompromiss liefert nach dem Urteil der Tester Pirelli. Continental belegt den zweiten Platz.

Michelin besonders stark auf Schnee
Bei winterlichen Bedingungen kann vor allem Michelin punkten. Die aktuelle Generation des CrossClimate erreicht eine hohe Schneegriffigkeit und kann nach Angaben der Tester in dieser Disziplin auch mit Winterreifen mithalten. Ebenfalls sehr gute Ergebnisse auf Schnee erzielen Continental, Giti und Hankook.
Bridgestone, Goodyear und der spätere Gesamtsieger Pirelli erreichen zwar nicht das Gripniveau eines reinen Winterreifens, ermöglichen nach Einschätzung der Tester aber ebenfalls eine sichere Fahrt auf verschneiten Straßen. Schwächer schneiden Linglong und Nokian ab. Deutlich zurück liegt Falken. Für diesen Reifen ist inzwischen allerdings eine überarbeitete Version erhältlich, die unter anderem mehr Schneegrip bieten soll.
Pirelli überzeugt beim Bremsen
Bei höheren Temperaturen verschieben sich die Kräfteverhältnisse. Pirelli überzeugt sowohl auf nasser als auch auf trockener Fahrbahn und setzt sich insbesondere bei den Bremstests von der Konkurrenz ab. Bei einer Vollbremsung aus 100 km/h auf nasser Fahrbahn kommt der Pirelli einen Meter früher zum Stillstand als der zweitbeste Reifen von Continental. Auf trockener Straße beträgt der Vorsprung gegenüber dem zweitplatzierten Bridgestone sogar 1,3 Meter.
Continental legt seinen Schwerpunkt stärker auf die Wintereigenschaften, erzielt aber auch bei höheren Temperaturen gute Ergebnisse und sichert sich damit Rang zwei in der Gesamtwertung.
Andere Kandidaten zeigen deutlich größere Unterschiede zwischen den einzelnen Disziplinen. Nokian überzeugt beispielsweise mit sehr guter Nasshaftung, fällt jedoch auf trockener Fahrbahn zurück. Bei Bridgestone ist es umgekehrt: Der Reifen zeigt Schwächen bei Nässe, liefert im Trockenen aber eine starke Vorstellung. Goodyear punktet ebenfalls bei Nässe, verliert auf trockener Fahrbahn jedoch unter anderem wegen längerer Bremswege Boden.
Michelin landet trotz nur mäßiger Ergebnisse bei Regen und auf trockener Straße dank seiner sehr guten Wintereigenschaften noch auf dem vierten Platz. Giti und Linglong rutschen aufgrund ihrer unausgewogenen Leistungen ans hintere Ende des Testfelds. Falken landet auf dem letzten Platz.

Labelwerte sagen nicht alles
Der Test macht nach Ansicht der beteiligten Organisationen auch deutlich, dass die Angaben des EU-Reifenlabels nur einen Teil der tatsächlichen Eigenschaften abbilden. So besitzen sowohl Pirelli als auch Giti bei der Nasshaftung die Label-Einstufung „A“, zeigen in den Fahrversuchen aber deutlich unterschiedliche Leistungen.
Neben den Fahreigenschaften untersuchten die Tester deshalb auch Energieeffizienz, Abrieb, Geräuschemissionen und die zu erwartende Laufleistung. Dafür absolvierten die Reifen unter Laborbedingungen mehrere Tausend Kilometer auf einem Prüfstand. Zusätzlich wurde ermittelt, wie viel Gummi pro 1.000 Kilometer abgetragen wird.
Insgesamt bescheinigen die Tester modernen Ganzjahresreifen ein hohes Leistungsniveau. Gerade auf Schnee haben viele Produkte deutlich aufgeholt. Gleichzeitig zeigt der Vergleich, dass die Anforderungen bei hohen Sommertemperaturen weiterhin eine Herausforderung darstellen. Entscheidend bleibt daher der möglichst ausgewogene Kompromiss zwischen Schnee, Nässe und trockener Fahrbahn – und diesen schafft im aktuellen Vergleich Pirelli am besten.



