
Die Diskussion um steigende Werkstattkosten erhält neue Dynamik. Die Allianz fordert einen grundlegenden Kurswechsel: Wo es technisch möglich ist, sollen Fahrzeugkomponenten häufiger repariert statt ersetzt werden. Die größte deutsche Versicherungsgesellschaft spricht damit gleichermaßen die Politik wie die Fahrzeughersteller an. Auf der einen Seite sollten die Vorschriften vereinfacht werden, so dass mehr Reparaturen erlaubt sind. Auf der anderen Seite sollte die Industrie Komponenten so konstruieren und bauen, dass sie überhaupt repariert werden können.
Damit greift die Allianz ein Thema auf, das den freien Kfz-Servicemarkt seit Langem beschäftigt. Im Fokus stehen vor allem moderne Bauteile wie LED-Scheinwerfer, deren Preise in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind. Nach Angaben des Allianz Zentrums für Technik (AZT) kostet ein Frontscheinwerfer heute durchschnittlich 1.251 Euro – vor zehn Jahren waren es noch 708 Euro. Bei Premiumfahrzeugen liegen die Kosten noch deutlich höher.
Gleichzeitig werden jedes Jahr rund 870.000 Scheinwerfer nach Unfällen oder Bagatellschäden ersetzt. „Bei jedem kleinen Schaden wird der weggeschmissen und durch einen neuen ersetzt“, sagt Frank Sommerfeld, Vorstandsvorsitzender der Allianz Versicherungs-AG. Nach Einschätzung der Allianz wäre in vielen Fällen jedoch eine Reparatur möglich, wenn Konstruktion und gesetzliche Vorgaben dies zulassen würden.
Positives Beispiel ist ein Elektro-SUV von Toyota
Und in der Tat, moderne Fahrzeugkomponenten werden häufig nur noch als komplette Baugruppe angeboten oder sind verklebt und versiegelt. Das erschwert Reparaturen, treibt die Ersatzteilkosten nach oben und erhöht letztlich auch die Versicherungsprämien. Die Allianz fordert daher sowohl die Politik als auch die Fahrzeughersteller zum Umdenken auf.
Komponenten sollten künftig modular aufgebaut sein, sodass einzelne Teile oder Gehäuse ersetzt werden können, ohne das komplette Bauteil auszutauschen. Zudem müssten gesetzliche Regelungen angepasst werden. So dürfen beispielsweise nur leicht beschädigte Kunststoffabdeckungen von Scheinwerfern in Deutschland bislang nicht instand gesetzt werden, obwohl dies technisch problemlos möglich wäre – und in anderen europäischen Ländern wie beispielsweise Frankreich auch so praktiziert werde.
Nach Ansicht der Allianz zeigt Toyota, dass sich Fahrzeugteile deutlich reparaturfreundlicher konstruieren lassen. Beim Elektro-SUV bZ4X ist der Scheinwerfer in acht einzelne Komponenten unterteilt – darunter Gehäuse, Halterung, Leuchteinheit und Steuergerät. Während ein kompletter Austausch des Scheinwerfers mit Einbau rund 3.000 Euro kostet (das Bauteil allein schlägt mit 2.737 Euro zu Buche), kann bei einem Defekt gezielt nur das beschädigte Teil ersetzt werden. Für den Austausch des Gehäuses werden rund 500 Euro fällig, die Reparatur einer Halterung kostet sogar nur etwa 300 Euro.



