Werkstätten kaufen Ersatzteile zunehmend über mehrere Kanäle

Freie wie markengebundene Werkstätten bleiben ihren angestammten Bezugsquellen weitgehend treu. Trotzdem gewinnt der Einkauf über alternative Kanäle an Bedeutung. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung von Wolk & Nikolic.
Foto: Ingo Jagels / PSN

Wo kaufen deutsche Kfz-Werkstätten ihre Ersatzteile ein? Dieser Frage sind die Unternehmensberater Wolk & Nikolic After Sales Intelligence in einer aktuellen Kurzstudie nachgegangen. Dafür wurden im Juni 2026 jeweils 100 freie und 100 markengebundene Werkstätten telefonisch befragt.

Das zentrale Ergebnis: Sowohl freie als auch fabrikatsgebundene Werkstätten haben eine hohe Bindung an die jeweils etablierten Vertriebskanäle. So beziehen freie Werkstätten im Schnitt 71 Prozent ihrer Ersatzteile über den freien Teilegroßhandel. Weitere 19 Prozent entfallen auf das OE-Netzwerk beziehungsweise die Fahrzeughersteller. Jeweils fünf Prozent beziehen freie Kfz-Betriebe darüber hinaus direkt bei Teileherstellern sowie auf Onlineplattformen und sonstigen Quellen.

Bei markengebundenen Betrieben stammen dagegen 77 Prozent der Teile aus dem OE-Netz, sprich vom jeweiligen Hersteller. 17 Prozent werden über den freien Teilehandel beschafft, drei Prozent direkt bei Teileherstellern und vier Prozent über Onlineplattformen beziehungsweise andere Bezugsquellen.

Alternative Bezugsquellen gewinnen an Bedeutung

Die deutliche Ausrichtung auf die jeweiligen Hauptvertriebskanäle bedeutet allerdings nicht, dass sich am Einkaufsverhalten der Werkstätten nichts verändern würde. Vor allem freie Betriebe greifen laut der aktuellen Erhebung verstärkt auf zusätzliche Bezugsquellen zurück. So geben 39 Prozent der IAM-Betriebe an, einen größeren Anteil ihrer benötigten Ersatz- und Verschleißteile außerhalb ihres primären Beschaffungskanals einzukaufen als noch vor fünf Jahren. Bei 51 Prozent hat sich der Anteil nicht verändert, zehn Prozent berichten von einem Rückgang.

Auch im markengebundenen Bereich ist dieser Trend zur Diversifizierung im Grundsatz erkennbar, wenn auch etwas schwächer: So kaufen 30 Prozent der Autohäuser heute häufiger außerhalb ihres angestammten Kanals ein als noch vor fünf Jahren. Bei 63 Prozent blieb das Einkaufsverhalten weitgehend unverändert, bei sieben Prozent war ein Rückgang zu verzeichnen.

Der wesentliche Grund für diese Verschiebungen ist die Teileverfügbarkeit. 91 Prozent der freien Werkstätten nennen eine fehlende Verfügbarkeit im bei ihrem Hauptlieferanten als Anlass, auf andere Bezugsquellen auszuweichen. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielen Spezial- und Nischenteile mit 79 Prozent, Qualitätsanforderungen mit 68 Prozent sowie spezielle Anforderungen an Elektronik und Software mit 66 Prozent. Der Preis wird dagegen lediglich von 36 Prozent der freien Betriebe als Grund genannt, sich nach einer anderen Bezugsquelle umzusehen.

Bei markengebundenen Werkstätten ergibt sich ein etwas anderes Bild. Auch hier steht die mangelnde Verfügbarkeit an erster Stelle, allerdings nur mit 68 Prozent der Nennungen. Es folgen die besonderen Kundenwünsche (59 Prozent), Preisüberlegungen (53 Prozent) und der Kauf von Spezial und Nischenteilen (51 Prozent).

Unterschiedliche Produktgruppen im Fokus

Deutliche Unterschiede gibt es zudem bei den Produktgruppen, für die Werkstätten alternative Beschaffungskanäle nutzen. Freie Betriebe kaufen insbesondere Karosserie- und Beleuchtungsteile außerhalb ihres Hauptkanals: Hier liegt der entsprechende Anteil bei 56 Prozent. Bei Fahrzeugglas sind es 37 Prozent, Elektrik und Elektronik folgen mit 32 Prozent.

Markengebundene Werkstätten greifen dagegen vor allem bei Reifen auf andere Bezugsquellen zurück. Der Anteil liegt hier bei 46 Prozent. Bei Schmierstoffen und chemischen Produkten sind es 29 Prozent und bei Bremsenteilen 20 Prozent.

Nach Einschätzung der Experten von Wolk & Nikolic sprechen die Ergebnisse der Befragung weniger für einen grundsätzlichen Wechsel der Beschaffungskanäle als für eine zunehmende Ergänzung der etablierten Bezugswege. Werkstätten weichen demnach vor allem dann auf andere Kanäle aus, wenn Verfügbarkeit, technische Anforderungen oder Kundenwünsche dies erforderlich machen. Der Kaufpreis spielt hingegen eine eher untergeordnete Rolle.

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